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Sharon will Abzugsplan mit Siedlern diskutieren

Im Streit um den geplanten Abzug aus dem Gazastreifen will der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon erstmals seit 18 Monaten wieder direkte Gespräche mit jüdischen Siedlern führen.

Geplant war ein erstes Treffen mit Siedlervertretern noch am Sonntag, eine Woche bevor der Regierungschef seinen Abzugsplan dem Parlament vorlegen will. Nach mehr als zwei Wochen beendete Israel unterdessen offiziell seine Großoffensive im nördlichen Gazastreifen. Die Militäraktion hat mindestens 110 Palästinenser das Leben gekostet. Dennoch gab es einzelne israelische Aktionen im Süden der Region.

Er rechne mit heftigen Diskussionen mit Sharon, sagte der Vorsitzende des Siedlerrates, Bentzi Lieberman. Mehrere Gemeinschaften aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland seien aber bereit, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Kabinettsministerin Limor Livnat schlug Sharon eine Volksabstimmung über den Abzugsplan vor. Die Siedler stünden einem solchen Vorgehen positiv gegenüber, sagte Livnat am Sonntag dem israelischen Rundfunk. Sharon hat ein Referendum über den Rückzug bisher abgelehnt. Umfragen zufolge unterstützt die Mehrheit der Israelis das Vorhaben des Ministerpräsidenten.

Die am 29. September begonnene israelische Offensive im nördlichen Gazastreifen war die massivste Militäraktion dort in den vergangenen vier Jahren. Unter den Toten sind Dutzende Zivilpersonen. Nach palästinensischen Angaben wurden 95 Häuser zerstört. Noch am Donnerstag hatte Sharon erklärt, die Offensive werde fortgesetzt und gegebenenfalls sogar ausgeweitet. Mit seiner Entscheidung am Freitagabend, den Einsatz zu beenden, folgte er dann einer Empfehlung der Heeresführung, die eine längere Stationierung von Truppen in den dicht bevölkerten palästinensischen Gebieten als zu gefährlich eingestuft hatte.

Im Flüchtlingslager Jabalya, den Städten Beit Hanun und Beit Lahya hinterließen Panzer und Bulldozer eine Spur der Verwüstung: Häuser wurden beschädigt, Wasserleitungen herausgerissen und Strommasten umgefahren. Allein in Jabalya wurden mindestens 45 Häuser und eine erst teilweise fertig gebaute Moschee eingerissen.

Die Streitkräfte werteten den Einsatz der vergangenen Tage als Erfolg. Die Soldaten sollten zunächst im Gazastreifen bleiben und würden weiterhin auf palästinensische Raketenangriffe reagieren, hieß es. Auslöser der Offensive war ein palästinensischer Raketenangriff auf den israelischen Grenzort Sderot, bei dem zwei Kinder getötet wurden.

Am frühen Sonntagmorgen rückten Panzer und Bulldozer in das Flüchtlingslager Rafah nahe der ägyptischen Grenze ein. Augenzeugen berichteten, die Soldaten seien mit mindestens zehn Militärfahrzeugen und Bulldozern in die Ortschaft vorgestoßen. Während des Einsatzes seien mehrere Häuser zerstört worden. Eine Armeesprecherin bestätigte den Einsatz, der gegen Waffenschmuggel aus Ägypten gerichtet sei. Mindestens zwei Jugendliche seien von einer Panzergranate verletzt worden, teilte das örtliche Krankenhaus in Rafah mit.

Der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz betonte am Sonntag, der Einsatz der Armee im Gazastreifen solle mit „besonderen Mitteln“ fortgesetzt werden.

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