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Seit 50 Jahren auf dem Thron

Bis heute verkörpert die 75-jährige Queen Elizabeth voll und ganz das geflügelte Wort über ihre Funktion im Staat: „Die Königin herrscht, aber sie regiert nicht.“

6. Februar 1952: Die britische Kronprinzessin Elizabeth befindet sich mit ihrem Mann Prinz Philip gerade auf einem offiziellen Besuch in Kenia, da ereilt sie die Nachricht vom Tode ihres Vaters, König Georg VI. Früher als erwartet wird die damals 25-Jährige in die Pflicht genommen, den Thron zu besteigen. Nach Ablauf der Trauerfrist wird ihre Krönung am 2. Juni 1953 als riesiges Volksfest gefeiert. Eine Queen des Volkes ist Elizabeth II. in ihrer 50-jährigen Regentschaft aber nicht geworden.

Als distanzierte Persönlichkeit, die nichts aus der Fassung bringen kann, hat sie stets ihre repräsentative Rolle gemäß der ungeschriebenen britischen Verfassung ausgefüllt. Bis heute verkörpert sie voll und ganz das geflügelte Wort über ihre Funktion im Staat: „Die Königin herrscht, aber sie regiert nicht.“ So eröffnet sie jedes Jahr feierlich die neue Sitzungsperiode des Parlaments und verliest in ihrer Thronrede die Regierungserklärung des Premierministers ohne den geringsten kommentierenden Unterton. Aus der Tagespolitik hat sie sich immer herausgehalten.

Ein Wandel der britischen Monarchie war bei der Thronbesteigung von Elizabeth II. allerdings schon deshalb programmiert, weil nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die moderne Kommunikationstechnik in die Haushalte einzog. Großereignisse wie die Krönung und die vielfältigen Auftritte der neuen Queen im In- und Ausland konnten nunmehr an Millionen Fernsehschirmen mitverfolgt werden. Unter ihrer Regentschaft wurden die „Royals“ zum Medienereignis. Allerdings war zunächst noch nicht abzusehen, wie sich die Boulevardpresse einmal auf die königliche Familie einschießen würde.

Im 40. Jahr ihrer Thronbesteigung überschlugen sich die Ereignisse, die das Ansehen der Monarchie zutiefst erschütterten. Elizabeth selbst bezeichnete 1992 als „annus horribilis“, als Schreckensjahr. Es begann mit der Ehekrise zwischen ihrem zweiten Sohn Andrew und seiner Frau Sarah, alias „Fergie“. Die beiden trennten sich im März. Im April ließ sich Tochter Anne von Hauptmann Mark Phillips scheiden. In den Sommermonaten wurden die Eheprobleme von Thronfolger Charles und Prinzessin Diana in den Medien voll ausgeschlachtet. Die offizielle Trennung wurde im Dezember 1992 bekannt gegeben, die Scheidung folgte 1996.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das einstmals unerschütterliche Vertrauen der Briten in ihr Königshaus einen Tiefpunkt erreicht. Bei einer Umfrage im Februar 1996 vertraten 43 Prozent die Ansicht, dass die Monarchie die nächsten 50 Jahre nicht überleben werde. Nach Erhebungen aus dem Jahr 2000 wollen 60 Prozent der Briten lieber als „Bürger“ ihres Landes gelten, nicht als königliche Untertanen.

So ist auch die offene Kritik an den „Royals“ immer lauter geworden – an ihrer mangelnden Volksverbundenheit und den hohen Kosten, die sie dem Steuerzahler verursachen. 1992 gab es einen Aufschrei, weil die Queen – eine der reichsten Personen der Welt – das bei einem Brand schwer beschädigte Schloss Windsor mit Steuermitteln restaurieren lassen wollte. Elizabeth erklärte sich schließlich bereit, die Kosten selbst zu tragen und fortan auch Steuern zu zahlen. Ferner übernahm sie einen Großteil der Apanagen für ihre Kinder.

Besonders kritisch reagierte die Öffentlichkeit, als die Königin nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana am 31. August 1997 zunächst keine Stellungnahme abgab. Die damalige Massentrauer hatte die Queen offensichtlich so überrascht, dass sie sich fortan um mehr Volkstümlichkeit bemühte. So gab es etwa einen ausgiebig dokumentierten Besuch bei McDonald’s. Beobachter meinen allerdings, man merke es der Monarchin an, wie viel Mühe sie solche Anlässe kosteten. Bei offiziellen Auftritten im Ausland wirke sie da viel entspannter.

Wie der jüngste Wirbel um den Drogenkonsum von Prinz Harry zeigt, sind die Skandalmeldungen aus dem Hause Windsor nicht verschwunden. Aber sie sind inzwischen etwas seltener geworden. Selbst das Verhältnis zwischen Prinz Charles und seiner langjährigen Geliebten Camilla Parker Bowles scheint niemand mehr aufzuregen. Die Aussicht auf eine Heirat und damit eine künftige Königin Camilla ginge den meisten Briten allerdings zu weit. Da wird schon eher die Variante ins Spiel gebracht, dass statt Charles gleich sein Sohn William den Thron besteigen sollte.

Doch noch hat die 75-jährige Queen die Regentschaft fest in der Hand. Und wenn sie genau so lange rüstig bleibt wie ihre mittlerweile 101 Jahre alte Mutter, dürfte sie den Briten noch einige Zeit erhalten bleiben. Sie könnte sogar den Rekord von Königin Viktoria einstellen, die 64 Jahre lang auf dem britischen Thron saß und mit ihrem Namen ein ganzes Zeitalter prägte. Doch viele halten es für möglich, dass mit Elizabeth II. die glorreiche Zeit der britischen Monarchie für immer zu Ende gehen könnte.

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