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Sechs Italiener in Duisburg ermordet

Blutbad in Duisburg: Bei einem der schwersten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte sind in der Nacht zum Mittwoch in der Nähe des Hauptbahnhofs sechs Männer erschossen worden.

Bei den Opfern handelte es sich nach Angaben der Polizei um Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren. Das italienische Innenministerium vermutet eine Fehde zwischen zwei Mafia-Clans. Die deutschen Fahnder wollten dies allerdings zunächst nicht bestätigen.

Der Leiter der Mordkommission Heinz Sprenger berichtete, alle sechs Opfer hätten in dem unmittelbar neben dem Tatort liegenden Restaurant „Da Bruno“ gearbeitet. Offenbar hätten ihnen die Täter nach dem Verlassen des Lokals aufgelauert und gewartet, bis sie in ihre beiden Autos mit Duisburger bzw. Pforzheimer Kennzeichen eingestiegen seien. Die Opfer seien dann regelrecht niedergemäht worden. „Es ist wahllos in die im Wagen sitzenden Menschen hineingeschossen worden. Die Opfer weisen eine Vielzahl von Schussverletzungen auf,“ sagte Sprenger.

Als tatverdächtig gelten zwei Männer, die schnell vom Tatort flüchteten. Allerdings gibt es bisher keine genaue Personenbeschreibung von ihnen. Weitere Aufschlüsse erhoffte sich die Polizei von der Auswertung von Überwachungsvideos.

Der italienische Innenminister Giulio Amato erklärte in Rom, es handle sich wohl um eine Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Clans der kalabresischen Mafia ’Ndrangheta. Eines der Duisburger Opfer sei offenbar einer der Drahtzieher für eine Fehde, die bereits im Jahr 1991 in der kalabresischen Stadt San Luca begann und schon vor den Duisburger Ereignissen neun Todesopfer forderte.

Wie die Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf italienische Ermittlerkreise berichtete, gehörten die Opfer dem Pelle-Romeo-Clan an, die Täter werden im Strangio-Nirta-Clan vermutet. Eine Sprecherin von Interpol in der italienischen Hauptstadt erklärte, Ermittler der internationalen Polizeibehörde in Rom seien nach Duisburg gereist. Die Polizei in Reggio Calabria erklärte, Beamte dort arbeiteten ebenfalls an dem Fall.

Die Polizei in Duisburg wollte die Mafia-Spur allerdings zunächst nicht bestätigen. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen sagte Sprenger. Auch eine Beziehungstat sei nicht auszuschließen.

Er bestätigte allerdings, dass alle Opfer aus Kalabrien stammen, fünf von ihnen aus einer Familie aus San Luca. Einer der Getöteten sei wegen Geldfälschung der Polizei bekannt. Andere seien wegen kleinerer Delikte vorbestraft. Nach den tödlichen Schüssen befürchtet die Polizei Vergeltungsakte. Sprenger sagte, derzeit werde geprüft, ob gefährdete Personen unter Personenschutz gestellt werden müssten.

Fünf der Opfer waren nach den Schüssen sofort tot. Ein sechster Mann erlag im Notarztwagen seinen Schussverletzungen. Die Tat ereignete sich offenbar kurz nach 2.00 Uhr direkt neben einem Bürohochhaus in der Mülheimer Straße. „Eine Fußgängerin hat die Schüsse gehört und einen Streifenwagen angehalten, der zufällig in der Gegend war“, sagte Polizeisprecher Reinhard Pape. Die Beamten entdeckten daraufhin gegen 2.30 Uhr die beiden Autos mit den Toten. Eine sofort eingeleitete Ringfahndung blieb allerdings erfolglos.

Mehr als 50 Polizeibeamte waren Mittwochfrüh mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. „Wir sind gerade erst am Anfang von sehr, sehr umfangreichen Ermittlungen“, sagte der Leiter der Mordkommission.

Die ’Ndrangheta gilt als der kalabresischen Arm der Mafia. Sie gilt mit einem geschätzten „Jahresumsatz“ von 35 Milliarden Euro als eine der mächtigsten Mafia-Organisationen Europas. Als Spezialgebiet der ’Ndrangheta gilt der Kokainhandel. Inoffiziellen Angaben italienischer Ermittler zufolge besteht die ’Ndrangheta aus etwa 100 Familienclans mit 7.000 Mafiosi. Die traditionell mächtigsten Familien stammten aus San Luca.

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