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Südossetien-Konflikt: Mehrere hundert Zivilisten getötet

Der militärische Konflikt in der von Georgien abtrünnigen Teilrepublik Südossetien hat mit Hunderten Toten und Verletzten kriegsähnliche Ausmaße angenommen.
Bilder vom Kriegsschauplatz 
Georgien ruft nach USA

Nachdem Georgien am Freitag eine Großoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen gestartet hat, verstärkte Russland seine Truppen in der südlichen Kaukasus-Region. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat die Offensive mit der Wahrung der territorialen Unversehrtheit seines Landes begründet. Dem US-Sender CNN sagte er, es sei im Interesse der USA, seinem Land zu helfen. “Es geht nicht mehr nur um Georgien. Es geht um Amerika und seine Werte. Wir sind ein Freiheit liebendes Land, das derzeit angegriffen wird.” Russland führe auf georgischem Boden Krieg gegen sein Land, so der pro-westliche Politiker in Tiflis.

Das russische Fernsehen zeigte den ganzen Tag das Feuer von Raketenwerfern, in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali gingen Menschen in ihren Kellern in Deckung. “Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft”, sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew nach Angaben der Moskauer Agentur Interfax. Bei den Kämpfen sind nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums mindestens zehn Angehörige der russischen Friedenstruppen ums Leben gekommen. “In Zchinwali sind Hunderte friedliche Bewohner gestorben. Das ist bereits der dritte Völkermord an dem ossetischen Volk, der von Georgien verübt wurde”, sagte der südossetische Präsident Eduard Kokoity laut Interfax. Er forderte zugleich die internationale Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens. “Der Haupttäter ist Saakaschwili”, betonte Kokoity.

Tiflis hoffe, Südossetien schnell einnehmen zu können, sagte der georgische Integrationsminister Temur Jakobaschwili. Der georgische Parlamentspräsident und frühere Außenminister David Bakradse warf Russland die massenhafte Bombardierung Georgiens mit Kampfflugzeugen vor. Bakradse verteidigte Georgiens Offensive. Tiflis habe das Recht, alle Mittel zum Schutz seines Territoriums zu ergreifen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf der internationalen Gemeinschaft vor, bei der Aufrüstung Georgiens tatenlos geblieben zu sein. “Sie hat beim Masseneinkauf von Waffen die Augen zugemacht.” Zudem hätten ausländische Ausbildner Georgien militärisch unterstützt. Lawrow warf der Regierung in Tiflis gezielte Aggression gegen Zivilisten in Südossetien vor. “Die Zahl der Flüchtlinge, die panisch ihr Leben zu retten versuchen, wächst”, sagte der Minister. Moskau hatte den Großteil der Bewohner von Südossetien in den vergangenen Jahren mit russischen Pässen ausgestattet. Georgien warf Russland daraufhin vor, Südossetien annektieren zu wollen. Kokoity hatte wie die ebenfalls abtrünnige Teilrepublik Abchasien eine international anerkannte Unabhängigkeit nach dem Kosovo-Vorbild gefordert. Moskau hatte stets erklärt, dass die Anerkennung der Eigenstaatlichkeit der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo für die Territorialkonflikte in der früheren Sowjetunion nicht folgenlos bleiben könne.

Die USA sind nach eigenen Angaben von Georgien nicht um Hilfe gebeten worden. Es habe Kontakt mit georgischen Offiziellen gegeben, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums in Washington. Auf die Frage, ob es eine Anfrage um Unterstützung gegeben habe, antwortete er aber mit “Nein”. Die Vorgänge in Georgien würden genau verfolgt. Die mehr als hundert in Georgien stationierten US-Militärausbildner seien “in keiner Weise in den Konflikt zwischen dem russischen und dem georgischen Militär verwickelt”, sagte Pentagon-Sprecher John Dorrian. Nach Ministeriumsangaben gibt es derzeit keine Pläne, das in der Umgebung der Hauptstadt Tiflis stationierte Personal zu verlegen. Die USA und Georgien unterhalten enge militärische Kontakte.

Freien Zugang zu den Verletzten der blutigen Auseinandersetzungen forderte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. “Hilfstruppen kommen derzeit kaum zu den Opfern durch, und verängstigte Menschen verkriechen sich in ihren Kellern, teils ohne Wasser und Strom”, berichtete der Chef der Rotkreuz-Delegation in Tiflis, Dominique Liengme, nach IKRK-Angaben.

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