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Südkoreanische Geiseln wurden geschlagen und bedroht

©EPA
Die 21 von den Taliban bis vor kurzem als Geiseln gefangengehaltenen Südkoreaner haben am Mittwoch berichtet, dass sie während ihrer sechswöchigen Odyssee zum Teil geschlagen und bedroht wurden.

Sie seien mit Gewehren bedroht und aufgefordert worden, zum Islam zu konvertieren, erklärten die Südkoreaner auf einer Pressekonferenz in einem Krankenhaus südlich von Seoul, wo die Gruppe seit ihrer Freilassung vor zehn Tagen in Behandlung war. Einige seien auch zu Sklavenarbeit gezwungen worden.

„Sie haben uns getreten und uns mit Pistolen und Baumzweigen geschlagen. Manchmal zielten sie mit ihren Bajonett-besetzten Gewehren auf unsere Nacken“, schilderte Je Chang Hee. Er sei mit drei anderen Geiseln in einer Berghöhle festgehalten worden. „Sie schlugen uns und zwangen uns, zum Islam zu konvertieren.“

Die Taliban hatten die ursprünglich 23 Südkoreaner am 19. Juli entführt. Zwei Männer wurden von den Entführern erschossen. Nach direkten Verhandlungen der südkoreanischen Regierung mit den Taliban kamen die übrigen Geiseln Ende August frei. Die Regierung in Seoul wurde kritisiert, nachdem sie den Taliban Zugeständnisse gemacht hatte. Die Rückkehr der Geiseln in ihr Heimatland wurde auch von kritischen Tönen begleitet, denn angeblich wollten die Südkoreaner in Afghanistan für das Christentum missionieren.

„Der schrecklichste Moment, als ich richtig Todesangst hatte, war, als die Taliban das Video machten“, sagte Yu Jung Hwa. Alle 23 hätten sich an der Wand aufstellen müssen, während die Taliban mit Gewehren auf sie zielten.

Der behandelnde Arzt der Südkoreaner, Park Sang Eun, erklärte, dass alle physischen Verletzungen nunmehr geheilt seien, eine weitere Behandlung zur Vorbeugung gegen Depressionen und andere psychische Störungen sei aber nötig. Viele mussten offenbar wegen des ihnen gegebenen Essens erbrechen und litten an Durchfallerkrankungen. Die Gruppe wurde am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen und in ein Rehabilitationszentrum verlegt.

Trotz der beängstigenden Zustände, die viele erleiden mussten, gaben einige Geiseln auch an, sie seien gut behandelt worden. „Manche Taliban waren freundlich“, sagte die 29-jährige Suh Myung Hwa. Sie hätten ihnen afghanische Namen gegeben und hätten ihr auch einmal erlaubt, ihren Mann zu Hause anzurufen.

Eine der Geiseln schilderte auf der Pressekonferenz den Moment, bevor der 42-jährige Priester Bae Hyung Kyu von den Taliban geholt und dann erschossen wurde. Die Taliban hätten nach seinem Namen gefragt und ihn dann aus dem Raum geführt. „Bae hat uns gar nicht angeschaut, als sie ihn hinaus führten“ Er habe nur gesagt, dass man mit Hilfe des Glaubens durchhalten werde, sagte Han Ji Young unter Tränen.

Keine neuen Nachrichten gab es zum Schicksal des deutschen Bauingenieurs, der sich seit sieben Wochen in afghanischer Geiselhaft befindet. Er wurde am 18. Juli in der Provinz Wardak zusammen mit einem Kollegen verschleppt, der in der Gefangenschaft einen Schwächeanfall erlitt und erschossen wurde.

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