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Südafrika: Zwei-Drittel-Mehrheit für ANC absehbar

Südafrikas regierendem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) unter seinem Vorsitzenden Jacob Zuma scheint die Zwei-Drittel-Mehrheit im neu gewählten Parlament sicher.

Die ehemalige Bürgerrechts- und Befreiungsbewegung führte am Freitag nach Auszählung der Stimmen von 84 Prozent der Wahllokale mit 67 Prozent. Damit gilt Zumas Wahl zum Staatspräsidenten durch das Parlament als sicher. Seit dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Thabo Mbeki nach einem Machtkampf im September des Vorjahres amtiert derzeit Kgalema Motlanthe als Übergangspräsident.

Die Demokratische Allianz (DA) der Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille kam nach diesen Teilergebnissen auf 16 Prozent der Stimmen und ist damit stärkste Oppositionspartei. Der vor einem halben Jahr von ANC-Abweichlern gegründete Volkskongress (COPE) kam nach dieser Auszählung auf knapp acht Prozent. Das offizielle Endergebnis wurde für Freitag erwartet. Die Wahl am Mittwoch war von großem Wählerandrang geprägt. Insgesamt waren 23 Millionen Wähler aufgerufen, die Nationalversammlung und die Regionalparlamente neu zu wählen.

Vor fünf Jahren hatte der ANC 69,9 Prozent der Stimmen erreicht. In Johannesburg feierten mehrere tausend ANC-Anhänger am Donnerstagabend ihren Wahlsieg. Zuma sagte vor der Menge, Skeptiker hätten vor der Wahl erklärt, dass der ANC keine 60 Prozent der Stimmen gewinnen würden. Der 67-Jährige mischte sich unter großem Jubel unter eine Gruppe von Tänzern.

Die Wahlen waren die vierten seit dem Ende des Apartheidsystems, der institutionalisierten Rassentrennung, und des weißen Minderheitsregimes. Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 73 Prozent der damals 20 Millionen Wahlberechtigten.

Der Afrikanische Nationalkongress wurde 1912 in Bloemfontein als “Südafrikanischer Nationalkongress der Eingeborenen” gegründet. Als wichtigstes Ziel setzte sich die an den Ideen Gandhis (der 1893-1914 in Südafrika gelebt hatte) orientierte Bürgerrechtsorganisation die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. 1925 benannte sie sich in “Afrikanischer Nationalkongress” (ANC) um. Zu seinen Präsidenten gehörten die Friedensnobelpreisträger Albert Luthuli und Nelson Mandela. Vom Apartheidregime wurde der ANC nach dem Massaker von Sharpeville verboten, als die Polizei im März 1960 annähernd siebzig friedliche Demonstranten – die meisten in den Rücken – erschoss. Erst dann baute der ANC seinen bewaffneten Arm “Umkontho we Sizwe” (“Speer der Nation”) auf.

Unter dem Druck der internationalen Sanktionen musste der letzte Präsident des Apartheidregimes, Frederik de Klerk, 1990 der Legalisierung des ANC zustimmen, der den bewaffneten Kampf daraufhin suspendierte. Nelson Mandela wurde nach 28 Jahren Kerkerhaft freigelassen und zum ersten südafrikanischen Präsidenten schwarzer Hautfarbe gewählt.

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