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16 Mal mit Messer zugestochen: Die Geschworenen beraten

17-Jähriger muss sich wegen Mordversuchs verantworten.
17-Jähriger muss sich wegen Mordversuchs verantworten. ©VOL.AT/ Bernd Hofmeister
Feldkirch - Heute muss sich jener 17-jährige Oberländer vor dem Schwurgericht verantworten, welcher im März 16 mal auf seine Freundin eingestochen hat. Kurz nach 14.00 Uhr haben sich die Geschworenen zur Beratung zurückgezogen.
Prozessauftakt in Feldkirch
Messerattacke in Bludesch
Täter krankhaft eifersüchtig

Der Teenager hatte der heute 19-Jährigen am 3. März 2012 zwar tiefe Schnittverletzungen und Stiche zugefügt, das Mädchen überlebte die brutale Attacke aber wie durch ein Wunder ohne gröbere innere Verletzungen.

Angeklagter: “Nicht schuldig”

Zum Prozessauftakt erklärte sich der junge Mann für nicht schuldig, er habe seine Ex-Freundin nicht töten wollen. Verteidigerin Olivia Lerch plädierte auf absichtlich schwere Körperverletzung.
Staatsanwalt Christoph Larcher hingegen betonte in seinem Eröffnungsplädoyer, warum für die Anklagebehörde ausschließlich ein Mordversuch in Betracht kommt. “Was sonst bezweckt ein Mensch, der mit einem Filetiermesser 16 Mal auf sein Opfer einsticht”, so Larcher.

Anklage contra Verteidigung

Die Anklage hat einige Punkte im Ärmel, woraus sie ableitet, dass es sich um Mordversuch gehandelt habe. Ständige Eifersucht als Triebfeder und Ankündigung der Tat zum Beispiel. Des Öfteren soll der Bursch gesagt  haben, dass er – im Falle einer Trennung – sich und auch seine Freundin töten werde. “Das war nur so dahingesagt”, verteidigt sich der Junge allerdings vor der Polizei. Dass der junge Mann in seiner Krisensituation, als er zu seiner Freundin fährt, ausgerechnet ein Filettiermesser dabei hat, ist für die Anklagebehörde auch ein Indiz, dass er etwas plante. Verteidigerin Olivia Lerch hingegen möchte klar legen, dass ihr Mandant das Messer mitnahm, um sich vor seiner Freundin umzubringen. “Er wollte sich vor ihren Augen die Pulsadern aufschneiden”, erklärt die Strafverteidigerin.

Tiefe Reue

Laut Lerch tut es dem Burschen heute immens leid, was er getan hat. “Er wünscht sich nichts mehr, als dass sie ihm verzeiht”, sagt Lerch. Bei einem Schuldspruch sind Unbescholtenheit, jugendliches Alter und eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit mildernd zu werten. Nach der Tat rief der Bursch übrigens selbst die Polizei und wartete auf deren Eintreffen. Die Mutter des jungen Mannes will beim Prozess ihres Sohnes dabei sein. Ob die Tat als Mordversuch oder als Körperverletzung zu werten ist, müssen die acht Geschworenen entscheiden.

Zeugen einvernommen

Die Großmutter des Angeklagten schilderte ihren Enkel als hilfsbereit und höflich, allerdings auch als sehr fixiert auf seine damalige Freundin. Kollegen des jungen Mannes berichteten von Eifersucht und einem ständigen “Auf und Ab” in der Beziehung.

Opfer schildert bange Minuten

Als weitere Zeugen wurden das Opfer sowie dessen Mutter einvernommen. Das zur Tatzeit 18 Jahre alte Mädchen schilderte nochmals die bangen Minuten, in denen sie mit dem Tod rang. Dass es dem Burschen heute leid tut, glaubt sie nicht. “Das hat er immer gesagt, geändert hat er sich aber nie”, so die 19-Jährige.

Auch die Mutter ist noch heute schockiert, wenn sie sich an die Tat erinnert. Sie dachte, ihre Tochter sei tot, als sie sie so leblos am Boden liegen sah.

Geschworene beraten

Kurz nach 14.00 Uhr haben sich die acht Geschworenen zur Beratung zurückgezogen. Sie müssen nun entscheiden, was der 17-Jährige wollte, als er 16 Mal mit dem Messer auf die damals 18-Jährige einstach. Versuchte der Gekränkte seine Freundin umzubringen oder wollte er sie „nur“ verletzen.

Für die Staatsanwaltschaft kommt nur Mordversuch im Betracht. Für Verteidigerin Olivia Lerch ist klar, dass jener Mann, der nicht ohne seine Freundin leben wollte, keinesfalls töten wollte. „Dann hätte er ja einen geliebten Menschen für immer verloren“, so Lerch in ihrem Schlussplädoyer.

Welcher Version die Geschworenen glauben, wird sich bei der Urteilsverkündung zeigen.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem 17-Jährigen – nach dem Jugendgerichtsgesetz – ein bis 15 Jahre Haft.

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