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Ex-Banker will Franken abschaffen und Schweiz zum Euro-Land machen

Ex-Banker vergleicht Schweiz mit Vorarlberg und Bayern.
Ex-Banker vergleicht Schweiz mit Vorarlberg und Bayern. ©EPA
Mit einem gewagten, wenn auch nicht neuen Vorschlag sorgt der Schweizer Ex-Banker Marco Curti aktuell für heiße Diskussionen: Er fordert, an das "Undenkbar" zu denken und den Euro in der Schweiz einzuführen. Zudem dürfe der EU-Beitritt der Schweiz nicht länger ein Tabu sein.

Die starke Aufwertung des Franken nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses hat den Schweizer Verbrauchern die Laune verdorben. Durch die Aufwertung werden importierte Waren ebenso wie Einkäufe im Ausland billiger, doch die Verbraucher sorgen sich um die Sicherheit der Arbeitsplätze und die zukünftigen Wirtschaftsaussichten.

Schweizer Firmen reagieren bereits

Nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken durch die Schweizer Notenbank sackte die Gemeinschaftswährung ab und notierte zuletzt bei 1,05 Franken. Das führt dazu, dass die Exportindustrie belastet wird, da ihre Produkte im Ausland teurer werden. Erste Firmen reagieren bereits auf die Franken-Stärke – Löhne sollen in Euro bezahlt, Boni gekürzt und Arbeitszeiten verlängert werden.

Curti: Franken abschaffen, EU beitreten

In diesen Zeiten der Unsicherheit suchen Experten dringend nach Auswegen. Und die wohl radikalste Idee kommt von Ex-Banker Marco Curti, der viele Jahre Anlegechef der Zürcher Staatsbank und zuvor Chefanalyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB) war. Heute ist Curti als unabhängiger Finanzexperte tätig. In einer achtseitigen Ausführung namens “Der wirtschaftliche Alleingang der Schweiz in der Sackgasse” erklärt er, die Schweiz solle nicht länger der sichere Hafen für die Vermögen der Welt sein. Stattdessen sollen die Eidgenossen der EU beitreten und den Euro als Währung einführen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Vergleich mit Vorarlberg und Bayern

Das Positionspapier wurde zwar schon vor einem Jahr von der Intellektuellenorganisation “Club Hélvetique” veröffentlicht, gewinnt aber durch die aktuelle Situation neue Brisanz und sorgt für heiße Diskussionen in den Schweizer Medien. Ausgangspunkt von Curtis These ist ein Vergleich mit den Nachbarregionen Vorarlberg und Bayern und die Erkenntnis, dass der Lebensstandard dort durchaus mit Schweizer Verhältnissen mithalten könne. Er schließt daraus, dass nicht der Franken, sondern die geographische Lage der Ursprung des Wohlstands ist.

Ist Schweiz erfolgreicher als Vorarlberg und Bayern?

“Es wäre an der Zeit, bei der Suche nach einer zukunftsgerichteten Strategie auch das ‘Undenkbare’ zu denken, den EU- und den Euro-Beitritt”, so zitiert das Online-Portal “Schweiz am Sonntag” Curti am vergangenen Wochenende aus dem Papier. Daneben läuft eine aktuelle TED-Umfrage: “Ist die Schweiz erfolgreicher als Bayern und Vorarlberg?”, fragt das Portal seine Leser. Aktuell wird die Frage mit 56 Prozent “Ja” und 44 Prozent “Nein” beantwortet.

Die Abschaffung des Franken und die Einführung des Euro ist aktuell für die Schweiz freilich undenkbar. Für Aufsehen sorgt der Vorschlag aber allemal.

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