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Schweiz peilt gegen Frankreich Sensation an

Eidgenossen haben nach erfüllter Pflicht gegen Weltmeister Frankreich nichts zu verlieren
Eidgenossen haben nach erfüllter Pflicht gegen Weltmeister Frankreich nichts zu verlieren ©APA/AFP
Am Montagabend trifft im zweiten EM-Achtelfinale des Tages Weltmeister Frankreich auf die Schweiz. Die durch die Bank mit Weltklassespielern besetzten Franzosen sind klarer Favorit.

Die Favoritenrollen sind vor dem EM-Achtelfinalduell zwischen Weltmeister Frankreich und der Schweiz am Montag (21.00 Uhr/live ORF 1) in Bukarest klar verteilt. Doch die Eidgenossen, die als einer der besten Gruppendritten weiterrutschten, klammern sich an die Eigenheiten des Fußballs. "Die Papierform sagt nicht immer alles aus. In der K.o.-Phase ist vieles möglich", sagte Offensivmann Xherdan Shaqiri. Immerhin: Bedingungslos überzeugen konnte Frankreich bisher nicht.

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"Les Bleus" hatten freilich die "Hammergruppe" mit Deutschland, Portugal und Ungarn erwischt, mussten neben den Portugiesen auch gegen Ungarn Federn lassen und wurden schließlich Erste. "Wir dürfen sie nicht unterschätzen. Es ist ein K.o.-Spiel. Wir müssen unsere beste Leistung bringen", warnte Frankreichs Teamchef Didier Deschamps. "Sie sind gut strukturiert und verfügen mit Seferovic, Embolo und Shaqiri über gutes Offensivpotenzial."

Wenn den Franzosen etwas Sorgen bereitet, dann sind es wohl weniger die Schweizer denn eigene, kleine Baustellen. Der Dreiersturm mit Kylian Mbappe, Antoine Griezmann und Karim Benzema ist noch nicht zur Hochform aufgelaufen. Und in der Defensive wird man von einigen Verletzungssorgen geplagt und erwägt eine Dreier- statt Viererkette. Beide etatmäßigen Linksverteidiger Lucas Hernandez und Lucas Digne sind angeschlagen, laut französischen Medien hat Deschamps das System, das Frankreich nur sehr selten angewendet hat, am Samstag trainieren lassen.

Allgemein habe man mehr Fragen als Antworten nach den ersten drei EM-Spielen, stellte die französische Sportzeitung "L'Equipe" nach dem jüngsten 2:2 gegen Portugal fest. Es bleibt nach der Vorrunde unklar, welche Taktik Deschamps vorschwebt: das rasche Konterspiel oder der gepflegte Spielaufbau.

Der hochgelobte Sturm zeigte sein Potenzial, ohne zur großen Show anzusetzen. Mbappe hat mehrmals seine Schnelligkeit und technische Fähigkeiten unter Beweis gestellt und gegen Deutschland auch einmal aus knapper Abseitsposition getroffen. Rückkehrer Karim Benzema schoss gegen Portugal beide Tore, und Griezmann erzielte gegen Ungarn das 1:1. Aber im Zusammenspiel untereinander konnten sie nicht verbergen, dass sie noch nicht oft in dieser Konstellation angetreten sind. Die Automatismen und die Konstanz fehlen. Und so gilt für den Traumsturm, was für die gesamte Mannschaft richtig ist: Die Betriebstemperatur wurde noch nicht erreicht.

Selbstbewusste Schweizer

Der Respekt der Schweizer vor dem Trio, und vor allem Mbappe, ist trotzdem riesig. "Das ist der beste Sturm dieser EM", sagte Außenspieler Ricardo Rodriguez. Und Defensivmann Silvan Widmer bezeichnete Mbappe als "einen Schnellzug mit unglaublich Speed". Für Granit Xhaka gibt es an der Ausgangslage nichts zu rütteln. "Auf dem Papier sind die Franzosen die Favoriten, da müssen wir ehrlich sein. Sie sind Weltmeister. Doch wir müssen uns auch nicht zu klein machen. Ich sage mal optimistisch: 55:45 für Frankreich."

Die Differenz dürfte freilich größer sein. Hier die Schweiz mit einem Marktwert des EM-Kaders von rund 280 Millionen Euro. Dort der Weltmeister mit 1,03 Milliarden Euro. Oder das Titel-Portfolio der beiden Mannschaften: Die erwartete Startformation der Franzosen kommt auf 59 Titel an Welt- und Europameisterschaften, in den fünf großen europäischen Ligen oder in Champions League und Europa League. Und die Schweizer? Sie versammeln im gesamten EM-Kader ganze sechs solcher Erfolge. Shaqiri hat sie alle geholt, mit Bayern München und Liverpool, in einer Ersatzrolle.

Das soll am Montag alles egal sein. Denn die Schweiz hat nichts zu verlieren. Vor rund einer Woche stand man nach dem 1:1 gegen Wales und dem 0:3 gegen Italien noch am Abgrund, drohte das Vorrunden-Aus. Nach dem 3:1 über die Türkei aber hat die Auswahl von Trainer Vladimir Petkovic nun sogar die Aussicht auf einen Jahrhundert-Coup. Es winkt nicht nur die erste Viertelfinal-Teilnahme bei einer Welt- oder Europameisterschaft seit 67 Jahren, sondern gleich auch der bedeutendste Sieg seit dem 4:2 im Achtelfinale der WM 1938 gegen Deutschland.

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(APA)

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