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Schwachpunkte der Viren erforschen

Genetiker Josef Penninger auf der Suche nach Achillesferse der Viren.

Schwarzach Ein Gespenst namens Corona geht um in der Welt, verbreitet Unsicherheit und Angst. Jedoch – die weißen Geisterjäger sind schon aufgestanden, um dem gespenstischen Virus die Kraft zu nehmen. Einer der Jäger ist der Genetiker Josef Penninger (56). Am Internationalen Wirtschaftsforum am 12. November in Bregenz spricht er darüber, wie mit zukünftigen Pandemien umgegangen werden soll.

Der aus dem oberösterreichischen Gurten stammende Josef Penninger zählt zu jenen Forschern, die ein Medikament gegen das Coronavirus entwickeln. Als ausgebildeter Immunologe hat er bereits bei der Untersuchung verschiedener Krankheiten Erfolge aufzuweisen und in einigen Fällen neue Forschungsfelder eröffnet. Er ist in allen Stadien der Forschung zu Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2) einzigartig unterwegs gewesen. Und das im Bewusstsein: Viren sind immer gesprungen, und dass man Krankheiten durch Quarantäne kontrollieren kann, ist bekannt. „In den letzten Jahrzehnten haben wir das in der modernen Gesellschaft aber vergessen. Es ist uns so gut gegangen. Doch dann ist das Virus auf uns übergesprungen – und es gibt noch 20 bis 30 andere Coronaviren, die ebenso ACE2 als Eintrittstor verwenden können“, erklärte der Wissenschaftler in einem Interview. Er appellierte, Technologien zu nutzen, um herauszukriegen, was die Schwachpunkte dieser Viren seien. „Das können wir, wenn wir als Gesellschaft zusammenkommen und an diesen Dingen forschen“, ist Penninger sicher. Wenn Covid-19 eines gelehrt habe, dann, wie wichtig es sei, gesund zu sein.

Forschung

Das von Penninger mitgegründete Wiener Biotechnik-Unternehmen Apeiron forscht bereits seit 2005 an einem Medikament gegen die vom SARS-Coronavirus ausgelöste Krankheit. Grundlage des Medikaments ist ein Protein, APN01, das die Lunge vor den Auswirkungen der Viruserkrankung schützt. Das neue Coronavirus ist dem SARS-Erreger so ähnlich, dass APN01 auch hier helfen könnte. Das Medikament ist ein synthetisches Enzym mit dem Potenzial, die Infektion von Zellen durch SARS-CoV-2 zu blockieren und entzündlichen Reaktionen in der Lunge entgegen zu wirken. Penninger selbst erklärte das Wirkprinzip so: Der Wirkstoff könne das Virus aus den menschlichen Zellen aussperren.

Vergangenheit

Josef Penninger ist auf einem Bauernhof ausgewachsen und wäre trotz der Nähe zu Natur und Tieren fast nicht in den Olymp der besten Wissenschaftler der Welt aufgestiegen. Wie er in einem Interview bekannte, fürchtete er sich noch zu Studentenzeiten vor Mäusen und Ratten. Jemand hatte in der Nähe des Hofes einen Müllplatz angelegt und mit dem waren die Ratten gekommen. Manchmal sei eine auf seinem Nachttisch gesessen, wenn er in der Früh aufgewacht sei. Diesen Tieren wollte er nie mehr begegnen. Das sind aber nun einmal die Tiere, mit denen Wissenschaftler forschen.

Eigentlich wollte er nach der Matura Mathematik studieren. Es kam anders. Eines Tages saß er im Park, die Sonne habe geschienen, die Vögel hätten gesungen und „ich wollte die Welt retten und Arzt werden“, erzählte er in einem Gespräch. Er studierte Medizin in Innsbruck. Seine Doktorarbeit schrieb er über ein Thema aus der Immunologie, die Wissenschaft über die Abwehr von Krankheitserregern.

Nach seiner Promotion arbeitete Penninger ab 1990 unter anderem als Post-Doc am Ontario Cancer Institute, als „Principal Investigator“ beim US-Gentechnikkonzern AMGEN und am Department of Immunology and medical Biophysics der Universität Toronto. In Toronto arbeite er 2003 in einem Krankenhaus, als das SARS-Coronavirus ausbrach. Ein Student erkrankte, das Spital wurde unter Quarantäne gestellt. Zwei Jahre später erschien ein Forschungsbericht von Penninger. Darin steht, wie man SARS-Viren aus den Zellen des Körpers aussperren kann.

Rückkehr nach Österreich

Bis 2018 agierte er dann als Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) an der Akademie der Österreichischen Wissenschaften in Wien. Schwerpunkt des Instituts ist die Krebsforschung.

Im Jahr 2006 gründete Penninger das Unternehmen Apeiron Biologics, das sich vor allem mit der Immuntherapie bei Krebserkrankungen beschäftigt. 2018 nahm er die Ernennung zum Direktor des Life Sciences Institute (LSI) an der University of British Columbia (UBC) in Vancouver an und kehrte nach Kanada zurück.

Über sein Wirken stellt der österreichische Wisssenschaftler gern einen Satz der Nobelpreisträgerin Marie Curie: „Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss.“ Wenn man weiß, dass zehn Mal mehr Viren auf diesem Planeten existieren als alle anderen Organismen zusammengenommen, dann weiß man, dass noch vieles in dem Bereich zu erforschen ist. Unser Leben werde wieder normal werden, allerdings müsse man sich an Masken und Händewaschen gewöhnen.

Die falsche Eintrittstür

„Die meisten Viren sind harmlos, aber manche springen auf den Menschen über und erwischen die falsche Eintrittstür. Das erste und jetzt das zweite SARS-Virus nutzen den Rezeptor ACE2 als Eintrittstor – ACE2 schützt aber viele Organe und daher macht SARS-CoV-2 diese schwere Organerkrankung, während andere Coronaviren uns nicht so stark treffen. Es gibt vieles, was wir darüber noch nicht wissen“, sagte der Forscher. „Irgendwo wartet etwas Unglaubliches darauf, entdeckt zu werden“, steht auf seiner Website.

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