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"Schulstraßen" in Vorarlberg: Kommt ein temporäres Fahrverbot?

Jeder vierte Unfall mit Kindern passiert in Vorarlberg auf dem Weg zur Schule. Der Verkehrsclub Österreich fordert daher ein Fahrverbot vor Schulen eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn. Beim Land sieht man das differenzierter.
Fahrverbot bei Campus Schendlingen
Jeder vierte Unfall mit Kindern passiert auf dem Schulweg

In Österreich wird laut Daten des Verkehrsministeriums jedes fünfte Kind mit dem Auto zur Schule gebracht. Christian Gratzer vom VCÖ sieht eben diese “Elterntaxis” als Schuldige an vielen Unfällen. “Die Elterntaxis führen zum einen dazu, dass es ein regelrechtes Verkehrschaos vor den Schulen gibt, aber gleichzeitig  tun Eltern auch ihrem eigenen Kind nichts Gutes, wenn sie das Kind mit dem Auto zur Schule bringen”, gab er gegenüber Antenne Vorarlberg an.

Südtirol und Salzburg als Vorreiter

Als Pilotprojekte könnte man die temporären Fahrverbote in Salzburg sehen. Dort wurde bereits vor sechs Schulen eine solche Regelung durchgesetzt. Die Erfahrungen sind laut dem Verkehrsclub Österreich durchaus positiv, es gebe auch kein Verkehrschaos mehr. Als Vorreiter sieht der VCÖ Südtirol, bereits seit 30 Jahren gilt dort das, nun auch in Österreich geforderte Verbot.

Fahrverbot und weitere Forderungen

Der VCÖ sieht den Schulweg als eine “tägliche Portion gesunde Bewegung”. Zudem sei er wichtig, da die Kinder so “wichtige Kompetenzen im Straßenverkehr” erlernen.

Die Organisation fordert nicht nur ein temporäres Fahrverbot vor Schulen, die Forderungen gehen noch viel weiter. Gewünscht werden eine höhere Verkehrsberuhigung und ein durchgängiges Netz von ausreichend breiten Gehwegen sowie übersichtlichen Übergängen. Zudem sollen Bushaltestellen in Zukunft sicherer erreichbar werden. Siedlungen sollen durch sichere Gehwege mit angrenzenden Gemeinden verbunden werden.

Philipp Steurer
Philipp Steurer ©Philipp Steurer

Keine Generalisierung möglich

“Ich finde es wichtig, Kinder so früh wie möglich auf die Teilnahme in unserem Verkehrsraum vorzubereiten”, so Landesrätin Bernadette Mennel. Dementsprechend setzt sie sich auch für die Förderung der Kinder durch passende Angebote ein. “Es gibt einzelne Schulen bei uns im Land, die ein Fahrverbot vor den Schulen eingeführt haben. Bei einem Fahrverbot vor Schulen darf aber nicht generalisiert werden – es gibt große Unterschiede bei der Erreichbarkeit”, so die Landesrätin. Es liege an den Schulen und Gemeinden gemeinsam eine Lösung zu finden, die zum Standort passe.

“Auf heitere Art zum Nachdenken anregen”

Auch die Bewusstseinsbildung der Eltern ist laut Mennel ein wichtiger Punkt. “Zur Sensibilisierung der Eltern und als Einstieg in das Thema wurde unter Koordination der Landeshauptstadt Bregenz ein pointierter Kurzfilm unter dem Slogan ‘Man will ja nur das Beste für sein Kind’ erstellt.” Der entwickelte Clip soll “auf heitere Art zum Nachdenken anregen”.

Die Meinung, die das Land Vorarlberg zu dem Thema hat, wird durch das von Frau Mennel erwähnte Werbevideo deutlich:

Philipp Steurer
Philipp Steurer ©Philipp Steurer

“Völlig überzogen” und nicht umsetzbar

Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser hält den Vorschlag für “völlig überzogen” und nicht umsetzbar. Wenn man vor Schulen die Regelung einführen wolle, müsse man auch an die Kindergärten denken, dort wäre das Fahrverbot noch wichtiger. Rüdisser erklärte gegenüber VOL.AT, die Gemeinden seien in diesem Punkt schon sehr verantwortungsvoll und verwies dabei auf die bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzungen und Hinweistafeln vor Schulen.

In dieser Form nicht umsetzbar

Er steht dem Vorschlag ablehnend gegenüber und betont, er sei in dieser Form nicht umsetzbar. Es handle sich bei den Straßen vor Schulen überwiegend um Gemeindestraßen, dementsprechend seien die Gemeinden zuständig. Zudem seien einige Schulstraßen Bundesstraßen, diese könnten morgens nicht für eine halbe Stunde gesperrt werden, da der Pendlerverkehr zu dieser Zeit stark sei.

Stüttler-Hartmann
Stüttler-Hartmann ©Stüttler-Hartmann

Keine generelle Umsetzung möglich

Martha Stüttler-Hartmann, Vorsitzende für Pflichtschulen des Elternvereins Vorarlberg, steht einem generellen Fahrverbot ebenfalls kritisch gegenüber. Ein solches Verbot sei so nicht möglich, da viele Schulen an Hauptverkehrswegen liegen. Es sei zudem schwer zu sagen, wo sich eine “Schulstraße” umsetzen lasse, da jeder Einzelfall anders sei. Nicht immer sei vor jeder Schule ein temporäres Fahrverbot möglich, sie sieht daher auch Halteverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen als eine mögliche Lösung. Im Zusammenhang mit den “Elterntaxis” gebe es bereits eine verstärkte Bewusstseinsbildung bei den Eltern.

An einzelnen Schulen möglich

Die Idee eines Fahrverbotes vor Schulen ist laut der Elternvereinsvorsitzenden demnach so nicht umsetzbar. Der Vorschlag des VCÖ sei eventuell an einzelnen Schulen denkbar. Stüttler-Hartmann gibt zudem an, es komme immer auf den Einzelnen an. Manchmal gebe es keine andere Möglichkeit, als das Kind zur Schule zu bringen, beispielsweise wenn sich ein Kind ein Bein bricht.

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