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Schubumkehr bei Pleiten

"Einen Knick, eine Trendwende zum Guten" signalisiert für den Vorarlberg-Direktor des Kreditschutzverbandes von 1870, Mayer, die Halbjahresstatistik des Insolvenzgeschehens.

Besonders wohltuend: Vorarlberg vollzieht nicht nur den Rückgang bei Firmenpleiten mit, sondern zeigt auch bei Privatinsolvenzen – gegen den Bundestrend – sinkende Tendenz.

„Das Pleitegeschehen hatte sich schon im Erstquartal positiv entwickelt, nach sechs Monaten hat sich der Trend verfestigt. Und ich trau mich zu prognostizieren, dass auch 2006 insgesamt von Entspannung geprägt sein wird, nachdem wir bis 2005 immer neue Negativrekorde hatten hinnehmen müssen“, so Mayer. Für die Entspannung des Geschehens machte der KSV-Chef auf Anfrage die konjunkturelle Erholung ebenso verantwortlich wie die sich langsam aufhellende Situation am Arbeitsmarkt. Auffälligste „Botschaft“ der Firmenpleiten: Mit dem „Crash“ von Dynalast Garne, Erwin Alge, Brüschweiler und Meusburger Gardinen musste unsere Textillandschaft eine weitere Strukturbereinigung über sich ergehen lassen.

Dass bei uns im Gegensatz zu anderen Bundesländern auch die Zahl der Privatkonkurse mit 220 (nach 244) nach unten weist, hat für Mayer mit einem „hohen Sättigungsgrad“ zu tun. Will heißen: Nachdem auf Vorarlberg seit Jahren – bei 4,5 Prozent Bevölkerungsanteil – 10 bis 11 Prozent aller österreichischen Schuldenregulierungsverfahren entfallen waren, kühlt sich das Geschehen auf Normalmaß ab. „Das ist auch einer geordneten Schuldenberatung zu verdanken, die vom Land angemessen Mittel zum Arbeiten zur Verfügung gestellt bekommt“, anerkannte Mayer.

Österreichweit steht wie gesagt einer Entspannung bei Firmenpleiten (um 5,6 Prozent auf 3394 Fälle) ein dramatischer Anstieg bei Privatkonkursen (um 13,8 Prozent auf 3726 Fälle) gegenüber. Damit waren zum Halbjahresstichtag erstmals mehr Private zahlungsunfähig als Unternehmen.

Noch bedenklicher als diese „Schere“ ist für die KSV-Experten die Erkenntnis, dass jede zehnte Firmenpleite absichtlich herbeigeführt wird. Für 2006 insgesamt erwarten die Gläubigerschützer immerhin 750 Firmenzusammenbrüche mit betrügerischem Hintergrund. Der allergrößte Teil von ihnen spiele sich in der Baubranche ab, wo oft mit Scheinfirmen gearbeitet wird, die nicht nur ihre Mitarbeiter nach Strich und Faden prellen, sondern auch Steuern und Abgaben schuldig bleiben. Dem sei nur mit drakonischer strafrechtlicher Ahndung beizukommen.

Ländle-Facts

  • Firmeninsolvenzen im 1. Halbjahr: 56 (davon 2 Ausgleiche)
  • Passiva: 37 Mill. Euro
  • Privatinsolvenzen im 1. Halbjahr: 220, 35 mangels Masse abgewiesen
  • Verbindlichkeiten daraus: 23,3 Mill. Euro

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