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Schubert beim Wort genommen

Schwarzenberg. Der ungarische Pianist András Schiff, früher über lange Zeit ein Fixpunkt jedes Schubertiade-Programms, ist nach Jahren der Unstimmigkeit im Vorjahr wieder „heimgekehrt“. Und ist nun wieder ganz der Alte: als Leiter eines Meisterkurses, Liedbegleiter von Robert Holl und vor allem als Schubert-Interpret.

Stürmische Zugaben
Sein Recital am Mittwoch ist ihm bei der Programmplanung freilich etwas aus dem Ruder gelaufen. So kam es, dass er im ersten Teil fast eineinhalb Stunden am Stück spielen musste, ein allein konditionell beachtliches Unterfangen. Und dass die Leute auch um halb elf Uhr nachts noch stürmisch nach zwei Zugaben verlangten. Doch András Schiff gefällt sich erneut in der Rolle des introvertierten Publikumslieblings. Zuvor nimmt er Schubert beim Wort. „Werktreue“ heißt das eigentlich – bei Schiff ist es ganz einfach das vollkommene Aufgehen in Schuberts Notentext. Er nimmt auch dessen weniger umfangreiche, aber nicht minder anspruchsvolle Klavierstücke ernst: die beiden vierteiligen Gruppen von Impromptus, die vielfach zu Studentenfutter verkommen sind, seine drei Klavierstücke und sechs Moments musicaux. Den meisten haftet ein hoher Grad von Beliebtheit an, was für den Kitschfaktor nicht ungefährlich sein kann. Doch nichts dergleichen bei Schiff. Sein Anschlag ist glasklar und weich abgefedert, die Emotion kontrolliert, der Ausdruck gar nicht wienerisch. Sein Reisebegleiter, ein mächtiger „Bösendorfer“, ist diesmal nicht besonders gut präpariert, das trübt etwas den Eindruck. Dennoch ist es aufregend, was Schiff aus diesen kleinen Meisterwerken macht, wie die vielfach tot gespielten Stücke unter seinen Händen technisch perfekt zu neuem Leben erwachen.
Im Bann
Fast so lange wie Schiff steht gestern Nachmittag auch der deutsche Tenor Carsten Süß pausenlos auf der Bühne. Vor zwei Jahren hat er bei der Schubertiade debütiert und im Vorjahr eine respektable „Winterreise“ abgeliefert. Nun beweist er mit seinen gerade 36 Jahren auch die Reife für Schuberts erweiterten Liederzyklus „Schwanengesang“. Interessant seine Reihung, mit der „Taubenpost“ und zusätzlichen Liedern von Johann Gabriel Seidl am Beginn, den heiteren Rellstab-Gesängen in der Mitte und den trostlosen Heine-Liedern am Ende. Eine logische, in sich geschlossene Abfolge, die das Publikum zusehends in Bann schlägt.
Respektvoll
Auch Süß nimmt Schubert wörtlich, mit großem Ausdruck und einigen wenigen Unsicherheiten gibt er jeder Gruppe ihre eigene Stimmung, Gewichtung, Farbe. Seine Emotionen von naiver Verliebtheit bis zu schierer Verzweiflung kommen fast ohne Körpereinsatz aus, wachsen von innen heraus über sein metallen leuchtendes Material und ein traumhaftes Piano. Hier wächst ein intelligenter Liedgestalter heran, der zu schönsten Hoffnungen berechtigt. Eine Klasse für sich ist der großartige Wolfram Rieger am Klavier, respektvoll, präsent und mittragend.

Fritz Jurmann

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