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Schüsse im Gemeindebau: Mehr Migranten bei der Polizei

Wien - Die Stadt Wien arbeitet gemeinsam mit der Polizei daran, den Anteil an Exekutivbeamten mit Migrationshintergrund zu erhöhen.

Das hat die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (S) am Mittwoch im Gespräch mit der APA berichtet. Die Maßnahme soll unter anderem dazu beitragen, mögliche Hemmschwellen für Zuwanderer beim Kontakt zur Polizei abzubauen. Die Wiener Gebietsbetreuung verstärkt unterdessen ihre Arbeit in jenem Gemeindebau, in dem am Montag auf ein Kind geschossen wurde.

Derzeit wird diskutiert, warum dort nicht schon früher jemand die Polizei aufgesucht hat – obwohl der Schütze offenbar schon mehrmals mit seinem Luftdruckgewehr herumgeballert hatte. Der Zugang zur Polizei sei vor allem für Menschen mit Migrationshintergrund manchmal schwierig, gab Integrationsstadträtin Frauenberger zu bedenken. Das liege oft an der Biografie bzw. der Herkunft der Personen.

„Manchmal ist es ein Kommunikationsproblem, oft wissen die Betroffenen aber auch über ihre Rechte und Pflichten nicht Bescheid“, sagte Frauenberger. Hier werde vor allem die Information bei den Frauen verstärkt. Aber auch bei der Exekutive soll sich etwas ändern: Die Wiener Stadträtin führt derzeit Gespräche mit der Polizei, in denen erörtert wird, wie der Anteil von Migranten erhöht werden könnte. Unterstützt wird diese Initiative laut Frauenberger auch von der Wiener ÖVP und den Grünen.

Bei den Zuwanderern soll verstärkt Interesse für Jobs bei der Exekutive geweckt werden: „Wir wollen in der Community Sympathiewerbung für die Polizei machen“, erklärte die Ressortchefin, die jedoch betonte: Es gebe schon jetzt viele sehr gute Polizisten – aber eben auch solche, die mit Zuwanderern nicht so gut umgehen würden.

Frauenberger betonte, dass hinter vielen Konflikten, die als „Integrationsproblem“ gesehen werden, in Wahrheit soziale Probleme stecken. Schwerpunkt der Integrationsarbeit sei darum die Verbesserung der jeweiligen sozialen Situation – was durch Arbeitsmarktmaßnahmen und besseren Zugang zu Bildungsangeboten möglich sei.

Der von den Vorfällen betroffene Gemeindebau in Wien-Favoriten wird ab morgen, Donnerstag, von Mitarbeitern der Gebietsbetreuung intensiver besucht. „Wir werden auf Grund der Vorkommnisse beginnen, verstärkt in diese Wohnhausanlage zu gehen“, sagte der Koordinator der Gebietsbetreuung, Josef Cser, im Gespräch mit der APA.

Bisher sei es nur sehr schwer möglich gewesen, an die Mieter in diesem Gemeindebau heranzukommen – wobei er nicht sagen könne, warum dies so sei. Cser hofft jedoch, dass auf Grund der Berichterstattung über die Vorfälle der Kontakt nun leichter fallen werde. Generell könnten Probleme nur gemeinsam mit den Bewohnern gelöst werden. Man wolle Hilfe zur Selbsthilfe bieten, betonte Cser: „Wir können nicht das Leben der Leute dort leben.“

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