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Schriftbild-Giganten von Barbara Kruger im Kunsthaus Bregenz

US-amerikanische Konzeptkünstlerin nutzt Zumthor-Bau für Riesenhaftes in Text und Bild.
US-amerikanische Konzeptkünstlerin nutzt Zumthor-Bau für Riesenhaftes in Text und Bild. ©VOL.AT/Hartinger
Riesige Lettern prangen derzeit an Fassade, Wänden und Boden des Kunsthaus Bregenz (KUB). Grund ist die Ausstellung "Believe + Doubt" von Barbara Kruger.

Die US-amerikanische Vorreiterin der Konzeptkunst wurde von der großzügigen, schlichten Architektur des Peter Zumthor-Baus zu gigantischen Schrift-Installationen in Schwarz, Weiß und Rot inspiriert. Die Besucher erwarten zudem bekannte Fotocollagen aus den 1980er-Jahren und eine Videoarbeit von 2004. Zu sehen ist die von KUB-Direktor Yilmaz Dziewior und Rudolf Sagmeister kuratierte Schau ab Samstag bis zum 12. Jänner 2014.

Konsumkritische Positionen

Dass die 1945 geborene Barbara Kruger nach ihrem Kunststudium als Bildredakteurin beim Condé Nast Verlag in New York begann und dort die Macht und Manipulation der Massenmedien- und Konsumkultur kennenlernte, merkt man ihren Arbeiten bis heute an. Sie vereint in ihren Werken zumeist feministische, politische, kultur- und konsumkritische Positionen und thematisiert dabei auch die Kunstwelt und ihren Celebrity-Charakter. Konsequenterweise wollte sich die Künstlerin beim Pressegespräch am Donnerstag in Bregenz nicht fotografieren lassen.

In Bregenz waren Werke Krugers bereits mehrfach zu sehen, zum einen in der Gruppenausstellung “So machen wir es”, zum anderen beteiligte sie sich 2011 mit einem Plakat am Bregenzer Protest gegen die Inhaftierung von Ai Weiwei. “Believe + Doubt = Sanity” war darauf zu lesen. Diesen Faden nimmt die Künstlerin jetzt nicht nur mit dem Ausstellungstitel wieder auf. Bereits weithin sichtbar ist die 20 mal 20 Meter große Fassadenarbeit am KUB: Ein von einem Smiley überdecktes Bild einer weinenden Frau und die schon von Roland Barthes gestellte Frage: “Wer wird die Geschichte der Tränen aufschreiben?”.

“Gewalt lässt uns vergessen, wer wir sind”

Kunst zum Betreten bietet sich in der ersten Etage, ein 500 Quadratmeter großes Schriftbild am Boden. “Gewalt lässt uns vergessen, wer wir sind” kann man dort unter Mühen lesen. Im Stil von Zeitungen, die in großen Lettern von Gewalttaten berichten, stellt Barbara Kruger der Sensationslust Botschaften wie “Nicht stechen” oder “Nicht erwürgen” entgegen. Ein ganzes Stockwerk braucht die raumhohe Videoinstallation “Twelve”, zwölf Gespräche, in denen sich je vier Schauspieler nach einem Drehbuch der Künstlerin über Banalitäten, Kunst und Politik austauschen – als wäre man in eine überdimensionale Seifenoper hineingestürzt. Darunter laufen als Textband Fragen und Kommentare der Künstlerin, die sich in diesem Werk mit dem Einfluss der Medien auf unsere Sprache beschäftigt.

Ein wahres Wortgebäude erwartet den Besucher in der obersten Etage. Kruger hat das Kafka-Zitat “Der Sinn des Lebens besteht darin, dass es endet” auf 78 Metern Länge auf PVC-Gewebe aufgezogen und an die vier Wände gehängt. Sie selbst wollte sich beim Pressegespräch nur wenig zu ihrer Kunst äußern, nur so viel: Sie glaube, dass Sprache die Welt definiere, in der wir leben. “Ich hoffe, dass Sie sich Ihre eigene Meinung bilden werden”, sagte sie mit Verweis auf ihre Arbeiten. Weniger zurückhaltend war sie in ihrer Begeisterung für das KUB-Gebäude, auf dessen Architektur sie sich mit ihrer Kunst sehr bewusst eingelassen habe. So sagte sie etwa über ihre Videoinstallation: “Ich liebe es, wie sie in diesem Raum funktioniert!”

“Starke Frauenpositionen”

Kurator Sagmeister erklärte, Heerscharen in Werbung und Politik arbeiteten daran, die Menschen in Text und Bild zu manipulieren. Barbara Kruger verwende Text und Bild so, dass man ihnen misstraue. Für Direktor Dziewior war Krugers Einzelausstellung, die bisher einzige institutionelle in Österreich, die “Krönung” der bisherigen Bregenz-Aktivitäten der Künstlerin. Ihre Ausstellung korrespondiere zudem mit der von Eva Birkenstock kuratierten KUB-Arena, in der zeitgleich Dora Garcia mit “Die Sinthome-Partitur” eine Performance-Ausstellung präsentiert, in der der französische “Sinthome”-Text des Theoretikers Jacques Lacan in Tanz und Dichtung übersetzt wird. Auch Garcia beschäftige sich viel mit Feminismus und gesellschaftlichen Fragen. Er halte es für wichtig, im KUB immer wieder “starke Frauenpositionen” zu zeigen, so Dziewior.

(APA)

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