Schottland-Referendum - Auch in England brodelt es: "Yorkshire First"

"Yorkshire First": Region will mehr Selbstverwaltungsrechte
"Yorkshire First": Region will mehr Selbstverwaltungsrechte ©EPA
Bleibt am Ende nur noch London übrig? Im Windschatten Schottlands fordern nun nämlich auch englische Regionen mehr Eigenständigkeit. In der nördlichen Region Yorkshire ist man unzufrieden, anders als die Schotten oder Waliser keinerlei Selbstverwaltungsrechte zu haben. In der größten Grafschaft Englands läuft daher seit Sommer eine "Yorkshire First"-Kampagne.
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Obwohl es genauso viele Bewohner wie Schottland und sogar die doppelte Wirtschaftskraft von Wales habe, verfüge es über keine Autonomie, beklagt “Yorkshire First”-Initiator Richard Carter. Er fordert ein eigenes Parlament für die nördliche Region, lehnt aber eine Unabhängigkeit ab.

Armer Norden, boomender Süden

Die Kampagne trifft einen Nerv in England, das immer mehr zwischen dem Gegensatz von strukturschwachen ehemaligen Industriegebieten im Norden und dem wegen der Finanz- und Medienindustrie boomenden Süden rund um die Hauptstadt London zerrissen wird.

Mehr Autonomie gefordert

48 Prozent der Briten sind für stärkere Selbstverwaltungsrechte der Regionen und Städte in England und Wales, ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Instituts ComRes für den TV-Sender ITV. Derzeit zählt das Vereinigte Königreich zu den am stärksten zentralisierten Staaten der westlichen Welt. Die lokalen Steuereinnahmen belaufen sich nur auf 1,7 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft, verglichen mit fünf Prozent in Frankreich oder 16 Prozent in Schweden.

Der Unternehmensberater Carter warnt davor, dass Yorkshire langfristig den Weg Schottlands beschreiten könnte, wenn es keine Autonomie bekomme. “Wir brauchen einen Staat, der für alle Teile des Königreichs funktioniert. Wir wollen nicht in 100 Jahren die gleiche Diskussion wie jetzt mit Schottland haben, wenn Yorkshire oder der Norden sagen: ‘Es reicht’.” Carter weist darauf hin, dass neun der zehn ärmsten Regionen in Nordeuropa in Großbritannien liegen. London “saugt den Reichtum, die Vitalität und die Energie der Regionen des Vereinigten Königreichs auf”, kritisiert er.

Zu diesen ins Hintertreffen geratenen Gebieten zählt auch der Großraum Manchester. Der einflussreiche Regierungsberater Phillip Blond sieht das ehemalige Industriezentrum als “erstrangigen Kandidaten” für eine mögliche Devolution. Der Leiter der Denkfabrik ResPublica fordert in einem neuen Bericht, dass Manchester eigene Steuerkompetenzen und mehr Verfügungsrechte über öffentliche Ausgaben bekommen soll. Manchester könnte ein Beispiel für die Autonomie anderer Städte in England werden, sagt Blond.

Bereits vor zehn Jahren gab es ein Referendum über die Einrichtung einer Regionalversammlung für den Nordosten Englands. 2004 stimmten allerdings vier Fünftel der Wähler dagegen, die Pläne für weitere Abstimmungen in Nordwestengland und Yorkshire wurden auf Eis gelegt.

Wales hofft auf zusätzliche Selbstverwaltungsrechte

In Wales hofft man unterdessen ebenfalls auf zusätzliche Selbstverwaltungsrechte. Dafydd Wigley von der walisischen Nationalistenpartei Plaid Cymru sagt, dass ein unabhängiges Schottland der seit 1997 bestehenden Autonomie weiteren Auftrieb geben werde. Die von den Nationalisten angestrebte völlige Unabhängigkeit ist freilich wenig realistisch, wird sie doch nur von zehn Prozent der Waliser unterstützt.

Die Neuordnung der britischen Staatsstruktur ist kompliziert, weil viele andere Regionen nur wenig mit Selbstverwaltung anfangen können. Von dem im Jahr 2000 eingeführten Recht der Bürgermeister-Direktwahl haben nur elf von 20 Städten Gebrauch gemacht. Blond hofft, dass die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen auch der Idee einer Föderalisierung des Vereinigten Königreichs mehr Zuspruch unter Bürgern und Politikern verschaffen werden. (APA)

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