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"Schöne Routine": Bregenzer Festspiele proben auf Hochtouren

Am 19. Juli 2018 findet die Premiere für "Carmen" auf der Seebühne statt.
Am 19. Juli 2018 findet die Premiere für "Carmen" auf der Seebühne statt. ©VOL.AT/Philipp Steurer
Bregenz - Und von vorne, bitte! - Das heißt es derzeit bei den Bregenzer Festspielen, denn der Probenbetrieb brummt zwei Wochen vor Festivalbeginn auf Hochtouren.

Beim traditionellen Pressetag boten die Verantwortlichen einen Einblick in Gemütslage und Vorbereitungen für die Reprise von Bizets “Carmen” und die Hausoper “Beatrice Cenci”, die die Festspiele am 18. Juli eröffnen wird.

“Carmen” im zweiten Jahr

Obwohl “Carmen” heuer zum zweiten Mal aufgeführt wird, gebe es keine Routine, erklärte Intendantin Elisabeth Sobotka. “Das ist das Wunder des Theaters, es entsteht immer neu”. Sie sehe keinen Grund an dem “genialen Wurf” viel zu ändern, “Carmen” entwickle auch heuer ihre Magie. Schon 1991/92 setzte das Festival auf die populäre Oper von Georges Bizet von 1875.

Von “schöner Routine” sprach dagegen Michael Diem, kaufmännischer Direktor, angesichts des erneut guten Vorverkaufs. 2017 waren alle 28 Vorstellungen ausverkauft. Für die heuer 29 Aufführungen sind etwa 90 Prozent der Tickets bereits gebucht. “Das heißt aber auch, dass noch 23.000 Karten zu buchen sind, vor allem ab Mitte der Festspielsaison”, betonte Diem, der natürlich auf gutes Wetter hoffte. Insgesamt wurden für die 80 Veranstaltungen der Festspiele 224.000 Karten aufgelegt, rund 210.000 für das Spiel auf dem See.

“Bregenz ist ganz besonders”

Seit 21. Juni laufen die Proben auf der Seebühne für “Carmen”, die am 19. Juli in dem von Es Devlin gestalteten Bühnenbild Wiederaufnahme-Premiere feiern wird. Viele der Mitwirkenden kehrten für die Reprise zurück, darunter auch Regisseur Kasper Holten, der am Donnerstag mit viel Körpereinsatz vor den über 40 Pressevertretern mit seinen Darstellern Laufwege, große Gesten und Positionen übte, während der an den Bühnenrand schlagende Wellengang des Sees seinen Rhythmus zur Musik des Probenklaviers beisteuerte. Die Wiener Symphoniker, geleitet von Antonino Fogliani und Jordan de Souza, werden erst später zu den Proben stoßen. Die Darsteller, noch in Jeans und T-Shirts, arbeiteten am Donnerstag konzentriert, daneben wasserte eine Ente – das ist eben Bregenz.

“Bregenz ist ganz besonders”, bestätigte Holten wenig später beim Pressegespräch. Bei “Carmen” gebe es oft entweder zu viel Klischee, oder das Stück gerate zu trocken. Das sei in Bregenz anders, denn Luft und Wasser als Symbole für die Freiheit und das Schicksal spielten eine wesentliche Rolle. “Psychologie wird hier zu Raum”, erklärte er. Im zweiten Jahr könne man in die Tiefe gehen, das Arbeiten sei ruhiger. Dann verfiel der dänische Opernmacher wegen der Bregenzer Dramaturgie geradezu in Euphorie: “Alle sprechen von Oper für alle, Oper muss sich öffnen – hier macht man es einfach, das finde ich geil!”

Die Darsteller sind begeistert

Auch die drei “Carmen”-Darstellerinnen sind wieder dabei. “Es ist nie eine Kopie. Man kennt sein Team, man kann alles vertiefen, einander mehr herausfordern. Es gibt Platz, neue Akzente zu setzen”, so Hauptdarstellerin Gaelle Arquez. Die Größe des Publikums sei beeindruckend. “Man fühlt die Masse, das gibt einem Energie”, sagte sie. Für sie sei Carmen eine Frau, die in einem widrigen Umfeld lernte zu überleben, indem sie sich eine Schutzhülle zulegte. Ihre starken Emotionen für Jose zerstörten aber ihre Strategie und führten in einen inneren Kampf, so Arquez.

Wolfgang Stefan Schwaiger, der 2015 noch im Opernstudio bei den Festspielen zu erleben war, schaffte den Sprung auf die Seebühne und ist auch heuer wieder als “Morales” dabei. “Das ist eine Riesensache, eine ganz andere Welt”, erklärte er angesichts des allabendlich 7.000 Personen umfassenden Auditoriums. Das Konzept, dass junge Sänger, die sich im Opernstudio in familiärer Atmosphäre ausprobierten, in der Folge Teil eines “Bregenzer Ensembles” werden, funktioniere, so dazu Sobotka, denn “wenn Bregenz für eine Anzahl Künstler eine künstlerische Heimat wird, dann ist das Konzept aufgegangen.”

Schwaiger wirkt als “Marzio” auch bei “Beatrice Cenci” mit, die selten gezeigte Oper des von den Nationalsozialisten vertriebenen Komponisten Berthold Goldschmidt. Darin geht es um zwei Frauen, die zwischen die Kämpfe des Familienpatriarchen und der Kirche geraten. “In beiden Opern wird einer starken Frauenpersönlichkeit ein Denkmal gesetzt”, hob Intendantin Sobotka die Gemeinsamkeiten der beiden wichtigsten Opern der heurigen Festspielsaison hervor.

Johannes Erath inszeniert die österreichische Erstaufführung nach Percy Bysshe Shelleys “The Cenci” von 1819, am Dirigentenpult steht Johannes Debus. “Alle im Haus sind unglaublich gespannt, wie das Stück zum Leben kommt. Noch niemand hat es hier gesehen, es gibt keine fixen Bilder”, so Sobotka. Beim Probeneinblick zeigt sich ein wie ein Omega gestalteter Bühnenrahmen, geübt wird eine Szene in einer Kirche. Ein Altar voller brennender Kerzen, eine Heiligenfigur, baumelnde Glockenseile. Am Vortag gelang ein erster Durchlauf – und nun von vorne, bitte!

(APA)

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