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Schießerei im Cafe "Cappuccino"

Die Staatsanwaltschaft Wien verschärft nun ihre Gangart, um Licht in die Vorgänge im Cafe "Cappuccino" zu bringen, wo am 30. Mai 2006 im Zuge einer nächtlichen Schießerei ein 32-jähriger Lokalbesucher ums Leben kam und ein weiterer Gast schwer verletzt wurde.

Munir F., Chef mehrere Lokale und eine fixe Größe im Rotlicht-Geschäft, sitzt seit mehreren Wochen in U-Haft und hat bereits eine Anklageschrift zugestellt bekommen.

Darin wird ihm vorgeworfen, im Verfahren um die mörderische Schießerei zahlreiche Zeugen eingeschüchtert und dazu bestimmt zu haben, die Unwahrheit zu sagen. Wie mehrfach berichtete, musste im Vorjahr im Prozess gegen einen 39-jährigen Kosovo-Albaner, der als vermeintlicher Todesschütze vor Geschworene gestellt wurde, die Anklage fallen gelassen werden, weil sich herausstellte, dass der Großteil der Zeugen nicht richtig ausgesagt hatte und der Mann, der als angeblicher Mörder eineinhalb Jahre in U-Haft verbrachte, fälschlicherweise belastet worden war.

Munir F. dürfte eine zentrale Rolle bei diesen Vorgängen gespielt haben. Die zweite wesentliche Figur, die – in wessen Auftrag auch immer – Zeugen “präpariert” haben soll, landete nur deshalb nicht in U-Haft, weil sich der Mann rechtzeitig nach Serbien absetzte. Dafür wurde mit Munir F. auch ein ehemaliger Profi-Boxer verhaftet, der dem Lokalbetreiber tatkräftig bei seinem Unterfangen geholfen haben soll, die Justiz zu behindern. Der Prozess gegen Munir F. und seinen “Handlanger” dürfte im Frühherbst stattfinden.

Die Anklagebehörde geht aber auch gegen sämtliche Zeugen vor, die in dem Mordverfahren gegen den Kosovo-Albaner die Unwahrheit gesagt hatten: Nachdem im vergangenen Juli eine frühere Kellnerin im Cafe “Cappuccino” zu neun Monaten teilbedingt “verdonnert” wurde und ein Mann wenig später sogar 15 Monate teilbedingt ausfasste, ist vor wenigen Tagen eine weitere Kellnerin abgeurteilt worden: Sie erhielt sechs Monate bedingt, weil sie unter anderem unter Wahrheitspflicht zu Protokoll gegeben hatte, der bei der Schießerei Umgekommene habe eine Waffe in der Hand gehabt. Das entsprach nachweislich nicht den Tatsachen.

Die Anklagebehörde hofft, mit ihrem nachdrücklichen Vorgehen in der Causa “Cappuccino” letztlich auf den wahren Schützen zu kommen und diesen vor Gericht stellen zu können.

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