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SARS in China: Drastische Bestimmungen

Angesichts der rasanten Ausbreitung von SARS hat China drastische Quarantäne-Bestimmungen eingeführt. In Kanada erhöhte sich die Zahl der SARS-Toten auf 16.

Die Pekinger Behörden riegelten am Donnerstag sämtliche Gefängnisse der Stadt sowie ein großes Krankenhaus ab. Zuvor hatten sie angekündigt, bei Verdachtsfällen sofort umfangreiche Quarantäne anzuordnen. Davon seien auch Haustiere und sämtliche Einrichtungen betroffen, in denen das SARS-Virus aufgetreten sei: Schulen, Fabriken, Restaurants, aber auch Wohnhäuser und ganze Dörfer.

Die staatliche Zeitung „Beijing Times“ berichtete, das Gefängnispersonal dürfe die Pekinger Haftanstalten nicht mehr verlassen und keinen Kontakt zu Angehörigen haben. Wie lange diese Isolierung dauern soll, war zunächst nicht zu erfahren. Auch das Volkskrankenhaus im Zentrum der Stadt wurde abgeriegelt. Vor dem Gelände bezogen Sicherheitskräfte Stellung. Weder Personal noch Patienten durften das Gebäude verlassen. Das Krankenhaus war nicht auf die Behandlung von SARS-Patienten spezialisiert; in dem Tausend-Betten-Spital waren nach Angaben von Anrainern allerdings einige Fälle des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (SARS) diagnostiziert worden. Die chinesische Nationalbibliothek wurde für zunächst zwei Wochen geschlossen.

Die Pekinger Behörden hatten bereits am Mittwoch angekündigt, künftig alle SARS-Verdachtsfälle unter Quarantäne zu stellen. Wer sich der Anordnung widersetze, werde „schwer bestraft“. Unter der Bevölkerung machte sich angesichts der drastischen Maßnahmen und der Warnungen der WHO Panik breit. Am Flughafen und auf den Bahnhöfen bildeten sich lange Schlangen mit Menschen, die aus der Stadt fliehen wollten. Supermärkte wurden leergekauft, weil sich die Einwohner aus Angst vor Isolierungen mit Vorräten eindeckten. Die Regierung versuchte, der Panik entgegenzusteuern. Handelsdirektor Liang Wei sagte der Zeitung „China Daily“, es gebe ausreichend Lebensmittel; die Supermärkte blieben weiterhin geöffnet.

Eine WHO-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP, die chinesische Regierung unternehme „gewaltige Anstrengungen“ im Kampf gegen die gefährliche Lungenkrankheit. Die Weltgesundheitsorganisation benötige aber noch genauere Daten über die Entwicklung der Epidemie. Auch die Öffentlichkeit müsse besser informiert werden. Der WHO-Experte für Infektionskrankheiten, David Heymann, kritisierte unterdessen die offiziellen Angaben aus Shanghai. Das WHO-Team in China habe den Eindruck, dass es in der größten Stadt des Landes deutlich mehr als die beiden bisher gemeldeten Fälle gebe.

Die chinesischen Behörden gaben unterdessen vier neue Todesfälle in Peking sowie landesweit 125 weitere Krankheitsfälle bekannt. Bisher erkrankten in China 2.422 Menschen an dem Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom. 110 Patienten starben. Auch Hongkong meldete vier weitere Todesfälle und 30 neue Erkrankungen.

Auf den Rat von Gesundheitsexperten fahren viele Taxis in Singapur seit Donnerstag nur noch mit geöffneten Fenstern. Experten der staatlichen Universitätsklinik machten deutlich, dass eine gute Belüftung das Risiko einer Ansteckung mit dem SARS-Virus für Passagiere und Fahrer verringern könnte. Drei Taxigesellschaften verzichten seither auf den Einsatz der Klimaanlagen. Die Taxifahrer wurden außerdem aufgefordert, Papiertaschentücher bereit zu halten. Die Autos werden bereits mehrmals am Tag desinfiziert, die Fahrer müssen außerdem regelmäßig Fieber messen. Bisher wurden drei Fälle bekannt, in denen SARS-Infizierte Taxis benutzt hatten. Nach offiziellen Angaben sind in Singapur 15 Menschen an dem Syndrom gestorben, 189 weitere sind erkrankt.

In Kanada erhöhte sich die Zahl der SARS-Toten auf 16. Ein Patient sei Mittwoch früh (Ortszeit) der Lungenkrankheit erlegen, wie die Behörden mitteilten. Alle Toten stammten aus der Region um Toronto. Der Bürgermeister der Stadt, Mel Lastman, forderte die Weltgesundheitsorganisation dennoch auf, ihre Warnung vor Reisen in die Metropole noch einmal zu überdenken. Er sei über die Warnung „schockiert“. „Wenn man ohne Gefahr in Toronto leben kann, kann man auch gefahrlos hierher kommen“, sagte er am Mittwoch.

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