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Sarkozy will Rückhalt sichern

Frankreichs künftiger Präsident Nicolas Sarkozy will die einflussreichen Gewerkschaften mit ins Boot holen, um sich den nötigen Rückhalt für radikale Reformen zu sichern. Sozialwesen umkrempeln | Fillon Regierungschef | Sozialisten wollen Gewaltverzicht | Pressestimmen zur Wahl

Sarkozy habe kein Interesse daran, die Dinge durchzuboxen, sagte sein Wahlkampfmanager Claude Gueant am Dienstag. Der Wahlsieger selbst zog sich mit seiner Familie auf eine Yacht vor Malta zurück. Die nächtlichen Proteste jugendlicher Sarkozy-Gegner gingen unterdessen weiter.

Nach Aufrufen der Trotzkisten zu „Widerstand gegen Sarkozy“ zogen am Dienstagabend Tausende Jugendliche durch Großstädte wie Paris, Lyon und Lille. Dabei kam es erneut zu Ausschreitungen. In den Einwanderer-Vororten, wo es 2005 zu wochenlangen Unruhen gekommen war, blieb es hingegen ruhig. Sozialistenchef Francois Hollande rief die Demonstranten am Dienstag zu friedlichem Verhalten auf. „Ich kann die Wut und Enttäuschung verstehen“, sagte Hollande. Die einzige demokratische Reaktion auf Sarkozys Wahl sei jedoch die Teilnahme an der Parlamentswahl am 10. Juni. Angesichts der Kritik aus dem eigenen Lager am verlorenen Präsidentenwahlkampf schlug Hollande für die Kampagne zur Parlamentswahl eine kollektive Führung vor.

Am Rande der größten Kundgebung in Paris mit 500 Teilnehmern randalierten etwa 200 meist vermummte Jugendliche und warfen Scheiben ein. Die Polizei nahm 218 Personen vorübergehend fest. Im Großraum Lille/Rubaix gingen 55 Autos sowie Müllcontainer in Flammen auf. In der Nacht nach Sarkozys Wahlsieg waren landesweit 730 Autos in Brand gesteckt und 592 Randalierer festgenommen worden. Die Schäden entsprachen nach offiziellen Angaben jenen einer Silvesternacht.

Die Gewerkschaften haben Sarkozy bereits davor gewarnt, Reformen im Alleingang durchzudrücken. Gueant wies die Befürchtungen zurück. Sarkozy habe klar gesagt, dass er die Modalitäten eines für September geplanten Dialogs gemeinsam mit den Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen erarbeiten wolle. Dem früheren Innenminister haftet der Ruf eines konservativen Hardliners an.

Sarkozy wurde am Dienstag auf einer Yacht vor Malta gesichtet, die Kurs auf Sizilien nahm. „Diese Tage zum Ausruhen sollen ihn nach der turbulenten Schlacht mental auf das Präsidentenamt vorbereiten“, sagte Gueant. Außerdem werde Sarkozy über das künftige Kabinett nachdenken, erklärte der Berater.

Es wird damit gerechnet, dass Sarkozy seinen engsten politischen Vertrauten, Francois Fillon, zum Ministerpräsidenten ernennen und auch mehr Frauen ins Kabinett holen will. Die Besetzung der 15 Ministerposten wird Aufschluss über den Kurs des neuen Präsidenten geben. Gueant deutetet an, dass Sarkozy möglicherweise linksgerichtete Politiker in die Ministerriege aufnehmen werde. Als möglicher Kandidat wird der ehemalige Gesundheitsminister Bernard Kouchner von den Sozialisten gehandelt.

Unklar ist dem Vernehmen nach noch die Rolle von Sarkozys Frau Cecilia als Präsidentengattin. Im Wahlkampf hatte sie sich nicht gezeigt. Ihr wird nachgesagt, nach negativen Erfahrungen die Medien meiden zu wollen.

Vor der Amtsübergabe am Mittwoch nächster Woche leitete der scheidende Staatspräsident Jacques Chirac am Dienstag zum letzten Mal die Feiern zum 8. Mai, die an die deutsche Kapitulation im Zweiten Weltkrieg erinnern. Chirac ist der letzte französische Staatspräsident mit persönlichen Erinnerungen an den Krieg – sein Nachfolger Nicolas Sarkozy wurde 1955 geboren.

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