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Sarkozy will kein "Erbe" Chiracs sein

Frankreichs konservativer Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy sieht sich nach eigenen Worten nicht als "Erbe" des scheidenden französischen Staatsoberhauptes Jacques Chirac.

Nach der Entscheidung des französischen Präsidenten Jacques Chirac, von einer nochmaligen Kandidatur Abstand zu nehmen, hat der konservative Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy am Montag klargestellt, dass er sich nicht als „Erbe“ des scheidenden Staatsoberhauptes verstehe. Bei den oppositionellen Sozialisten macht sich unter dem Eindruck schwächerer Umfragewerte für ihre Kandidatin Ségolène Royal Nervosität breit; Parteichef Francois Hollande schloss nicht mehr aus, dass sie den Einzug in die Stichwahl am 6. Mai verfehlen könnte. Hollande warnte vor der Möglichkeit eines Duells zwischen Sarkozy und dem Zentrumsliberalen Francois Bayrou, weil es zwischen diesen kaum Unterschiede gäbe. Die Franzosen wählen ihr neues Staatsoberhaupt in zwei Wahlgängen am 22. April und am 6. Mai.

Sarkozy, Innenminister und Chef der bürgerlichen Mehrheitspartei UMP, hatte sich im Jänner zum Präsidentschaftskandidaten küren lassen, ohne Chiracs Entscheidung abzuwarten. Im Radiosender France-Inter sagte Sarkozy am Montag, die Fernsehansprache des Präsidenten vom Vorabend sei „ein bewegender Moment“ gewesen, der ihn „berührt“ habe. Zugleich verneinte er, dass er sich als politischer „Erbe“ des 74-Jährigen sehe, der zwölf Jahre im Elysée-Palast residiert hatte.

Der 52-jährige Chef der Regierungspartei ist im Wahlkampf auf Distanz zu Chirac gegangen. Anfangs stellte er sich sogar ausdrücklich als Kandidat des „Bruchs“ (rupture) mit der Ära Chirac dar. In seiner TV-Ansprache gab Chirac keine Empfehlung über einen möglichen Nachfolger ab. Diese „persönliche Wahl“ werde er später bekannt geben, sagte er und warnte zugleich vor jedem Paktieren mit dem Extremismus. Beobachter verstanden dies als indirekte Kritik an Sarkozy, der zuletzt die Errichtung eines „Ministeriums für Immigration und nationale Identität“ und sich den Forderungen der extremen Rechten angenähert gefordert hatte.

Premierminister Dominique de Villepin hat sich hinter die Präsidentschaftskandidatur seines parteiinternen Rivalen Sarkozy gestellt. Gemeinsam mit dem derzeitigen Innenminister wolle er „die Ideale unserer politischen Familie verteidigen“, sagte Villepin im Radiosender Europe 1. Villepin hatte es vorher abgelehnt, sich offiziell für einen Kandidaten auszusprechen, solange Chirac sich nicht geäußert hatte.

Mit Blickrichtung auf die Wahl 2002, als der sozialistische Kandidat Lionel Jospin von dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen knapp überflügelt wurde und nicht in die Stichwahl kam, „können wir keine Hypothese ausschließen“, sagte PS-Chef Hollande der Zeitung „Libération“. Royal klagte ihrerseits über fehlende Unterstützung seitens der Schwergewichte („Elefanten“) der Sozialistischen Partei (die früheren Regierungs- und Parteichefs Pierre Mauroy, Laurent Fabius und Lionel Jospin, oder Ex-Parteichef Henri Emmanuelli), zu Beginn ihres Wahlkampfes.

Eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Instituts TNS-Sofres sieht Sarkozy in der ersten Wahlrunde mit 27 Prozent auf Platz eins, allerdings büßte er vier Punkte gegenüber der Vorwoche ein. Royal könnte mit 25,5 Prozent rechnen, der Zentrumskandidat Francois Bayrou legte um 4,5 Punkte auf 23 Prozent zu. In der Stichwahl am 6. Mai hätte Sarkozy mit 52 Prozent noch knapp die Nase vor Royal, allerdings schrumpfte sein Vorsprung von acht auf vier Punkte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Einsatz des scheidenden französischen Staatspräsidenten Chirac für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern gewürdigt. Sie nannte Chirac am Montag einen „verlässlichen, vertrauensvollen Partner“.

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