Sambakönigin bei Lateinamerika-Gipfel

Die 60 Staats- und Regierungschefs der EU, Lateinamerikas und der Karibik haben am Freitag bei ihrem Gruppenfoto im Wiener Messezentrum unfreiwillig Aufputz bekommen.

Die dunkelhaarige argentinische Sambakönigin Evangelina Carrozzo mischte sich am Freitag in typisch sparsamem Karneval-Outfit unter die Gipfelteilnehmer, um für die Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen Papierfabriken in Südamerika zu protestieren, wie die Organisation in einer Aussendung mitteilte.

„Nein zur Papierbrei-Verschmutzung“, stand auf dem Transparent, das die spärlich bekleidete Frau den Staats- und Regierungschefs präsentierte. Diese delektierten sich sichtlich an dem Zwischenfall. Die feurige Schöne vom Rio de la Plata war mit einem Presseausweis an sie herangekommen.

Konkret geht es um zwei riesige Papierfabriken, die von europäischen Konzernen an der argentinisch-uruguayischen Grenze errichtet werden sollen. Argentinien befürchtet massive Abholzung und Wasserverschmutzung durch das Projekt am Grenzfluss Uruguay und hat bereits den Internationalen Gerichtshof angerufen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan wollte beim Wiener Gipfel die Präsidenten von Uruguay, Tabare Vazquez, und Argentinien, Nestor Kirchner, treffen, um möglicherweise zu vermitteln.

„Dieses Projekt ist der Anfang einer ganzen Reihe von Umwelt zerstörenden Fabriken entlang der Grenze“, kritisierte die argentinische Greenpeace-Sprecherin Paula Brufman laut Aussendung. Besondere Pikanterie sei, dass die Produktion in Europa „umweltschonend“ zu Papier weiterverarbeitet werde. Der finnische Konzern Botnia wolle „den dreckigen Teil der Produktion bei uns in Südamerika machen, und den sauberen Teil in Europa“.

Mit einer weiteren Aktion machte Greenpeace auf die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes aufmerksam. Laut Aussendung enthüllte eine Aktivistin im brasilianischen Fußballdress die Warnung „Nao brinquem com Amazonia! Spielt nicht mit dem Amazonas!“. Brasilien setze für billiges Fleisch und kurzfristige Profite einmalige Lebensräume im Amazonas aufs Spiel, kritisierte Christoph Thies, Waldexperte von Greenpeace International, in einer Aussendung. Die Vielfalt des Regenwaldes wird immer mehr von riesigen Soja-Monokulturen zur Erzeugung von billigem Tierfutter verdrängt. Durch Brandrodung werde alle zwei Sekunden eine Fläche von der Größe eines Fußballfelds zerstört.

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