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Salto im Rollstuhl: "Wo ein Rad ist, ist auch ein Weg"

Noch einmal kräftig Anlauf genommen, die Rampe hoch und geschafft! Vor gut einem Jahr gelang dem damals 14 Jahre alten Aaron Fotheringham auf einer Rampe in einem Action-Sport-Trainingscamp im kalifornischen Tehachapi erstmals ein Salto rückwärts. An sich kein besonderer Stunt, doch was ihn so einzigartig machte, war die Tatsache, dass Aaron ihn nicht auf einem BMX-Rad oder einem Skateboard vorführte – sondern in einem Rollstuhl.

Der seit seiner Geburt querschnittgelähmte US-Teenager aus Las Vegas ist wohl der einzige Mensch weltweit, der diesen Trick beherrscht. Am kommenden Samstag wird er ihn auf dem „Rolliday“ der Reifenmarke Schwalbe im bergischen Reichshof erstmals auch in Deutschland vorführen.


Aaron wurde mit Spina bifida geboren, einer Wirbelsäulenfehlbildung, die je nach Ausprägung zu verschieden starken Lähmungen führt. Seine Eltern gaben ihn wegen der Behinderung zur Adoption frei. Schon immer benutzte der Bursch einen Rollstuhl, obwohl er bis zu einer fehlgeschlagenen Operation in seinem neunten Lebensjahr auch noch mit Gehhilfen einige Schritte machen konnte. Laut seiner Mutter Kaylene hat er seinen Rollstuhl aber schon immer gemocht und war schon früh ein ziemlich rasanter Fahrer. Als sein älterer Bruder Brian ihm dann eines Tages vorschlug, doch mal im örtlichen Skate-Park die Quarter-Pipe auszuprobieren, war der Funke gezündet. Aaron stellte sich als extrem talentiert heraus und trainiert seither täglich.

Das Video von seinem ersten Salto fand im Internet schnelle Verbreitung, und Aaron wurde mit „Hard Core Sitting“ – der von ihm geschaffene Begriff ist mit „Extrem-Sitzen“ nur unzureichend übersetzt – zur „Action-Sport-Ikone“, wie ihn die US-Sportzeitschrift „ESPN Magazine“ bezeichnete. Seither hat er den Salto schon unzählige Male wiederholt. Zu Beginn dieses Jahres war er auf Einladung seines deutschen Sponsors Ralf Bohle GmbH, die unter dem Markennamen Schwalbe neben Fahrrad- auch Rollstuhlreifen herstellt, schon einmal in Deutschland und trat auch im Fernsehen als Gast des Talkers Stefan Raab auf.

Den Salto konnte Aaron damals allerdings nicht vorführen, da es keine geeignete Rampe gab. Nunmehr wird für den „Rolliday“ auf dem Schwalbe-Werksgelände extra eine Bahn mit der erforderlichen Länge für ihn gebaut, auf der er gemeinsam mit dem deutschen Trick-Fahrrad-Profi Timo Pritzel seine Kunststücke zeigen wird. Für Aaron ist das nicht ungewöhnlich, bei Wettbewerben tritt er regelmäßig – und nicht ohne Erfolg- gegen BMX-Fahrer an.

Angst kennt er dabei nicht: „Sie kennen doch den Spruch: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP am Telefon von seinem Trainingslager aus. „Nun, für mich gilt: Wo ein Rad ist, ist auch ein Weg“ – und man sollte dazu wissen dass er in seinem Stamm-Skate-Park als „Wheels“ („Räder“) bekannt ist. Sein lockerer Umgang mit seinem Handicap ist schon an dem Spruch zu erkennen, den er auf die Unterseite der Fußstütze seines vom Hersteller extra für ihn umgebauten Rollstuhls geschrieben hat: „Wenn sie das hier lesen können, helfen sie mir bitte auf.“

Aaron lässt sich durch seine Behinderung nicht aufhalten, und sein Rat an Eltern von behinderten Kindern ist dann auch, ihre Sprösslinge nicht zu sehr zu beschützen und sie seine waghalsigen Übungen durchaus nachmachen zu lassen. „Chill out! Eure Kinder sitzen doch schon im Rollstuhl – was soll da schon noch passieren“, sagt er augenzwinkernd: „Hauptsache sie tragen einen Helm.“ Denn auch Aaron schützt sich bei seinem Sport, und außer ein paar oberflächlichen Blessuren ist ihm noch nie ernsthaft etwas passiert: „Ich mag das Risiko – aber keine Verletzungen“, sagt er.

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