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Sahara-Entführung: Zweite Botschaft von Geiselnehmern

Im Zusammenhang mit der "vermeintlichen Entführung" der beiden Salzburger Touristen in Tunesien bzw. Algerien liegt nach Angaben des Außenministeriums eine zweite Botschaft der mutmaßlichen Entführer vor.

In dieser Nachricht, die in der Nacht auf einer Website veröffentlicht wurde, seien die Passdaten des Paares bekanntgegeben und Konsequenzen im Falle eines Befreiungsversuchs angedroht worden, teilte Peter Launsky-Tieffenthal, der Sprecher des Außenministeriums, am Dienstag vor der Presse in Wien mit. Unterdessen berichtete eine algerische Zeitung, das Paar sei nach Mali verschleppt worden.

Fragen, ob Österreich auf mögliche Forderungen der Entführer eingehen würde, bezeichnete Launsky-Tieffenthal im derzeitigen Stadium als “hypothetisch”. Der Außenministeriumssprecher betonte, man halte engen Kontakt mit den Regierungen der beiden Maghreb-Staaten, mit der “Bitte, von möglichen militärischen Aktionen Abstand zu nehmen”. Die Sicherheit und das Leben der mutmaßlichen Geiseln hätten “höchste Priorität”. Rudolf Gollia, der Sprecher des Innenministeriums, sagte, die Verbreitung der Passdaten stelle ein aussagekräftiges Indiz dar, sei aber “noch kein sicherer Beweis für eine Entführung”. Die tunesischen Behörden betonten unterdessen, das Paar sei gar nicht in Tunesien, sondern auf algerischem Territorium entführt worden.

Indes meldete die algerische Zeitung “Annahar” auf ihrer Internetseite am Dienstag, die mutmaßlich von der Terrorgruppe “Al-Kaida im Islamischen Maghreb” entführten Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber seien nach Mali verschleppt worden. Die Entführer hätten mit den beiden Geiseln Algerien und Libyen durchquert und seien in ihrem Rückzugsgebiet in Mali angekommen, meldete das Blatt mit Berufung auf algerische Quellen. Die Reise habe vier Tage gedauert, präzisierte “Annahar”.

Innenministeriumssprecher Rudolf Gollia kündigte unterdessen an, Innenminister Günther Platter (V) habe die Entsendung von Experten in die Region in Aussicht gestellt, einschließlich Angehörigen der Spezialeinheit Cobra. Sollten Cobra-Angehörige oder andere Spezialisten entsandt werden, so gehe es hierbei um eine Verbesserung der Kommunikation und nicht um militärische Aufgaben, stellte Gollia klar.

Nach den Worten von Außenamts-Sprecher Launsky-Tieffenthal wurden auch Kontakte zum Fernsehsender Al-Jazeera mit Sitz in Katar hergestellt – wie dies bereits im Entführungsfall des Österreichers Bert Nußbaumer im Irak geschehen sei -, um das Audio-Tape zu verifizieren. Der zuständige österreichische Botschafter in Kuwait wurde beauftragt, die Aufnahme zu überprüfen. Für Algerien besteht eine Reisewarnung des Außenministeriums, es gibt dort auch bestimmte Sperrgebiete, für deren Befahren es einer Genehmigung bedürfe.

Der Krisenstab hat heute, Dienstag, zum zweiten Mal getagt. “Der Innenminister und die Außenministerin bringen ihre Kontakte ein” und würden laufend vom Krisenstab informiert, betonte Launsky-Tieffenthal. Das Gremium war am Vorabend eingerichtet worden, unmittelbar nachdem sich der nordafrikanische Arm des Terrornetzwerkes Al-Kaida in einer von Al-Jazeera veröffentlichten Tonbandaufnahme zur Entführung der Österreicher bekannt hatte.

Mit recht ambivalenten Gefühlen haben unterdessen die Angehörigen die Nachricht über die mögliche Entführung des Halleiner Paares im tunesisch-algerischen Grenzgebiet aufgenommen. “Die erste Reaktion war Erleichterung, weil es das erste Lebenszeichen von ihnen war und es ihnen gut gehen soll – aber wenn man Al-Kaida hört, fängt jeder an zu schlucken”, umschrieb es am Dienstag Bernhard Ebner, der Sohn des vermissten Steuerberaters Wolfgang Ebner, bei einem Pressegespräch in Salzburg. Ebner wurde von seinem Sohn als “wüstenerfahren” und als “zäher Hund” beschrieben.

Bei der Pressekonferenz im Außenministerium wurde auf Wunsch der tunesischen Botschaft eine schriftliche tunesische Erklärung ausgeteilt, in der es hieß, die beiden Österreicher seien am 10. Februar in Tunesien eingereist. “Es scheint, dass die zwei österreichischen Staatsbürger tief in die Wüste jenseits der tunesischen Grenzen eingedrungen sind”, wird weiter festgehalten. Bisher gebe es keine Hinweise, dass sich die beiden jetzt auf tunesischem Gebiet aufhielten und auch keinen Beweis dafür, “dass sie innerhalb des tunesischen Territoriums entführt worden sind”.

Nach dem letzten Telefonat zwischen Vater und Sohn Ebner am 18. Februar war ein weiteres Telefongespräch eine Woche später, für den 25. Februar, vereinbart worden. Da sich die Reisenden dann aber nicht mehr meldeten, erstatteten die Angehörigen Abgängigkeitsanzeige. Die Rückreise nach Europa war für den 1. März geplant gewesen. Nach Veröffentlichung des Bekenner-Tapes von Al-Kaida wurde ein Krisenstab eingerichtet, dem auch der Direktor für Öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum, angehört.

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