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Ärztestreik: Berichte aus den Bundesländern

Die Auswirkungen des Ärztestreiks zur Gesundheitsreform zeigten in verschiedenen Teilen Österreichs verschiedene Gesichter.

In Kärnten, wo 900 Arztpraxen streikbedingt geschlossen waren, blieb ein Patientenansturm auf die Spitalsambulanzen aus. “Wir haben tendenziell sogar etwas weniger Patienten registriert als an einem normalen Montag”, sagte der medizinische Direktor des LKH Klagenfurt, Thomas Koperna, auf Anfrage der APA. Der geringere Zustrom sei allerdings in erster Linie auf die Fußball-EM zurückzuführen, da viele Kärntner in den Urlaub “geflüchtet” seien. Auch in Villach und Wolfsberg lagen die Frequenzen in den Ambulanzen innerhalb der normalen Schwankungsbreite, wie es hieß.

Salzburg

In den Ambulanzen der Salzburger Landeskrankenkliniken herrschte Montag bis 14.00 Uhr ein normales Patientenaufkommen. “Wir haben nicht mehr Patienten als an anderen Montagen”, so Pressesprecherin Mick Weinberger auf Anfrage der APA. Bei der Leitstelle des Roten Kreuzes in Salzburg herrschte hingegen Hochbetrieb: In der Zeit von 7.00 Uhr bis 11.00 Uhr mussten die Rot Kreuz-Mitarbeiter im Bundesland Salzburg 545 Anrufe entgegennehmen.

Tirol

Die niedergelassenen Ärzte beteiligen sich nach Angaben des Tiroler Ärztekammer-Präsidenten Artur Wechselberger beinahe geschlossen am Streik. Die rund 1.200 Praxen seien bis auf “begründete Einzelfälle” am Montag zu, erklärte er. Bei den Ambulanzen habe man dadurch bisher kein erhöhtes Patientenaufkommen registriert, hieß es von der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalt). Herbe Kritik übte Wechselberger an Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V). “Sie hat ihre Aufgabe als Ressortchefin nicht erfüllt”, sagte Wechselberger. Er warf der Ministerin vor, die Ausarbeitung der Reform im Wesentlichen zwei Sozialpartnern überlassen zu haben, die letztendlich auch Interessensvertretungen seien. Die Ministerin habe dadurch “große politische Schwäche” gezeigt, meinte der Ärztekammerpräsident im Gespräch mit der APA. Es reiche nicht aus, Ärztin zu sein, um alle Facetten dieses Berufs zu verstehen. Kdolsky fehle es vor allem im niedergelassenen Bereich an Erfahrung. Die größten Stolpersteine der Reform seien für ihn neben den auf fünf Jahren befristeten Kassenverträgen auch die Aufweichung der Gesamtvertrages, sprich die Möglichkeit der Kassen Einzelverträge mit Ärzten abzuschließen. Durch diese Einzelverträge befürchte er eine Verdünnung der Versorgung, erklärte Wechselberger und eine Beschneidung der Ärzte in ihrer Freiheit. Es bestehe die Gefahr, dass Kollegen “willfährig gegängelt werden, nur weil sie sich nicht der Sparkeule unterwerfen wollen”, meinte Wechselberger. Für den Nachmittag war eine Podiumsdiskussion mit den Tiroler Nationalratsabgeordneten SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser, Sebastian Eder (V) und dem Gesundheitssprecher der Grünen, Univ.-Prof. Kurt Grünewald, geplant, in der man die Position der Ärzte deutlich machen wolle.>p>

Niederösterreich

Etwas stärker als normal waren die Ambulanzen der niederösterreichischen Spitäler am heutigen Tag des Streiks der niedergelassenen Ärzte frequentiert. So verzeichnete man am Landesklinikum St. Pölten 1.650 Patienten, am Montag zuvor waren es 1.500, berichtete die NÖ Landesklinikenholding.

“Ärztebereitschaftsdienst Rettungsleitstelle, was kann ich für Sie tun?” Das hörten am Vormittag mehr als 500 Anrufer, die 141 gewählt hatten. Die Telefone liefen seit 6.00 Uhr früh auf Hochtouren. Nach Angaben von “144 Notruf Niederösterreich” wurden beim Ärztebereitschaftsruf 141 fünf Mal so viele Anfragen – 514 am Vormittag – beantwortet wie gewöhnlich. Im Vergleich dazu langen an einem Sonntag rund 350 Anfragen innerhalb von 24 Stunden ein.

Trotz des hohen Anrufaufkommens konnte auch der Regelbetrieb am Montagvormittag mit der Standardbesetzung von bis zu 17 Calltakern und 15 Disponenten bewältigt werden. Insgesamt wurden 3.264 eingehende und 669 ausgehende Telefonate bei 144 Notruf Niederösterreich gezählt.

Disponiert wurden 1.438 Krankentransporte, 326 Notfalleinsätze sowie 19 Intensivverlegungen in Niederösterreich.

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