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Ärztekammer schafft bundesweites Fehlermeldesystem

©VN/ Hans Zellhofer
Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) wird in den kommenden Wochen ein bundesweites Fehlermelde- und Lernsystem für Ärzte und Patienten einrichten. Dazu wurden in der ÖÄK-Vorstandssitzung dieser Woche entsprechende Beschlüsse getroffen.

Das teilte die Standesvertretung am Freitag in einer Aussendung mit.

Das neue Fehlermelde- und Lernsystem CIRS (Critical Incident Reporting System) soll Ärzten, aber auch Patienten die Möglichkeit bieten, anonym sogenannte Critical Incidents zu melden. Darunter werden im Gesundheitssystem kritische Ereignisse verstanden, die im Zusammenhang mit der Krankenbehandlung vorkommen. Dazu zählen unter anderem auch “Beinahe-Fehler” – also Zwischenfälle, die noch knapp vermieden werden können, aber einer nachträglichen Analyse bedürfen.

“Worum es uns geht, ist ein Mehr an Patientensicherheit und eine Verbesserung der Fehlerkultur im Gesundheitswesen. Dafür brauchen wir ein vernetztes System, das nicht auf ‘Blame and Shame’ bzw. Schuldzuweisungen setzt, sondern die Meldebereitschaft fördert und gleichzeitig hilft, problematische Vorkommnisse künftig durch Einsatz geeigneter Verbesserungsvorschläge und -maßnahmen zu vermeiden”, erklärte ÖÄK-Präsident Walter Dorner.

Für die Patientensicherheit sei es entscheidend, zu analysieren, warum ein “unerwünschtes Ereignis” eingetreten sei. Durch Änderungen, besonders von Strukturen und Prozessen, könne dann vermieden werden, dass ähnliche Beinahe-Fehler – und damit in Folge auch tatsächliche Fehler – weiter geschehen. Dorner: “Das System funktioniert nach dem Motto: ‘Aus Fehlern kann man lernen.’ Uns interessiert dabei das Warum? und nicht das Wer?”

Mit dem geplanten System lehnt sich die Österreichische Ärztekammer an das in Europa bereits etablierte System CIRS (Critical Incident Reporting System) – ergänzt durch ein Lernsystem – an. Dieses wird etwa in Deutschland von der kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer gemeinsam mit dem dortigen Ärztlichen Zentrum für Qualitätssicherung (ÄZQ) über geschützte und datengesicherte Internet-Verbindungen betrieben und erlaubt Ärzten und Patienten die elektronische Meldung von Fehlern und Beinahe-Fehlern bei der Krankenbehandlung. Allen Beteiligten ist volle Anonymität garantiert. Die Daten werden nachträglich ausgewertet, Verbesserungsvorschläge gemacht, publiziert und verankert.

“Spitäler, Spitalsträger, Abteilungen oder Ambulanzen, aber auch Fachgruppen mit ihren Fehlermelde- und Lernsystemen sowie niedergelassene Ärzte mit ihren Systemen – sie alle werden eingeladen, ihre Meldungen in das bundesweite Fehlermelde- und Lernsystem einfließen zu lassen”, betonte ÖÄK-Vizepräsident Artur Wechselberger. Das System wird auch Patientinnen und Patienten für elektronische, anonyme Meldungen offen stehen und richtet sich weiters an alle im Gesundheitswesen tätigen nicht-ärztlichen Berufsgruppen. Ebenso sollen Erfahrungen aus Patientenschlichtungsstellen in das bundesweite System aufgenommen werden. Wechselberger: “Aus einer überregionalen Datensammlung analysierter und kommentierter Meldungen von Beinahe-Fehlern profitieren Alle. Allen liegt die Patientensicherheit am Herzen!”

Die ÖÄK werde jene Meldungen, die aufgrund ihrer Häufigkeit oder ihrer Tragweite von entsprechender Relevanz sind, jedenfalls kommentiert der Öffentlichkeit zugänglich machen, berichtete auch Otto Pjeta, ÖÄK-Präsidialreferent für Qualitätssicherung.

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