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Russland: Erste Touristin im All

Als erste Weltraumtouristin soll die US-Unternehmerin Anousheh Ansari am Montag vom Raumfahrtbahnhof Baikonur zu einer zehntägigen Mission zur ISS aufbrechen.

„Der Weg nach Baikonur war nicht einfach. Das Wichtigste ist, dass ich mein Ziel nie aus den Augen verloren habe“, schrieb Ansari vor kurzem in ihrem Internet-Tagebuch. Die 40-Jährige hofft, dass ihr Flug ins All junge Menschen weltweit inspiriere, „vor allem Frauen und Mädchen“.

Die im Iran geborene US-Unternehmerin wird als vierter Nicht-Astronaut vom Raumfahrtbahnhof Baikonur in Kasachstan zur©ISS starten. Vor ihr hatten sich der Amerikaner Dennis Tito (2001), der Südafrikaner Mark Shuttleworth (2002) und der Amerikaner Gregory Olsen (2005) ihren Traum vom Flug ins All erfüllt. Insgesamt wird Ansari die 48. Frau im Weltraum sein. Das außerirdische Vergnügen kostet sie etwa 20 Millionen Dollar (15,7 Millionen Euro).

Auf der ISS ist die US-Unternehmerin längst nicht die erste Frau. Die amerikanische Astronautin Peggy Whitson verbrachte im Jahr 2002 zusammen mit zwei russischen Kollegen sogar sechs Monate in der Erdumlaufbahn. 1991 sagte die Britin Helen Sharman nach ihrem Flug auf die sowjetische Raumstation Mir: „Im Weltall gibt es kaum einen Unterschied zwischen Frauen und Männern.“

Doch während an Bord von US-Shuttles regelmäßig Frauen ins All fliegen, ist ihre Gegenwart für die russische Kollegen immer noch eher ungewöhnlich. Nur drei Frauen haben bisher auf russischer Seite den Sprung ins All geschafft. Als erste flog Walentina Tereschkowa 1963 auf den Spuren von Juri Gagarin, der zwei Jahre zuvor als erster Mensch in der Weltraum gestartet war.

Frauen an Bord motivierten auch die männlichen Kollegen zu mehr Körperpflege, berichten russische Kosmonauten. Die Hausarbeit im All wird ohnehin ohne Rücksicht auf das Geschlecht geteilt. Vor allem Haareschneiden kann in der Schwerelosigkeit aber schnell zu einer traumatischen Erfahrung werden. „Waleri Korsun war die ganze Zeit über sehr nervös. Wahrscheinlich war es auch nicht gut für sein Herz, einer Frau die Haare zu schneiden“, erinnert sich Peggy Whitson an ihre kosmische Schönheitspflege mit dem russischen Kollegen.

Auch die elegante Anousheh Ansari wird wohl ihre feminine Seite im All nicht komplett vernachlässigen müssen. Die Geschäftsfrau hat den Blauton für ihre Arbeitskleidung auf der ISS angeblich persönlich ausgesucht. Zwar startet sie nicht mit großem Kosmetik-Koffer ins All, trotzdem gehören Feuchtigkeitscreme, Lippenstift und Lotion zum Handgepäck, berichtet Galina Schumilina vom Biomedizinischen Institut, das die russischen Kosmonauten betreut.

Selbst wenn die Geschlechtergrenzen bei erdnahen Flügen fallen – zumindest auf russischer Seite werden Langstreckenexpeditionen wohl noch für Jahre eine Männerdomäne bleiben. Ein Experiment, das die Langzeitisolation bei möglichen Flügen zum Mars simulieren sollte, brachte Moskauer Wissenschafter vor mehreren Jahren zu dem Ergebnis, dass die Gegenwart von Frauen „das Konfliktpotenzial an Bord erhöht“.

Ansaris Mitreisende scheinen sich darüber keine Sorgen zu machen. Die Unternehmerin wurde vergangenen Monat an Stelle des japanischen Geschäftsmanns Daisuke Enomoto auf die Passagierliste gesetzt, der aus gesundheitlichen Gründen nicht starten durfte. „Wir freuen uns immer, wenn etwas Neues, Unerwartetes passiert. Es gibt keinen Zweifel, dass Anousheh in unser Team passen wird“, sagte Kosmonaut Michail Tjurin, der gemeinsam mit Ansari und dem NASA-Astronauten Michael Lopez-Alegria zur ISS©fliegen wird.

Am 28. September soll die Weltraumtouristin dann an Bord einer Sojus-Kapsel gemeinsam mit Pawel Winogradow und Jeffrey Williams zur© Erde zurückkehren, die beide sechs Monate auf der ISS waren.

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