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Rund 60.000 Euro verzockt: Wie es ist, süchtig nach Online-Casinos zu sein

©VOL.AT/Mayer, Symbolbild: Pixabay
Er ist Mitte zwanzig und war rund vier Jahre süchtig nach Online-Casino-Spielen. Im VOL.AT-Gespräch erzählt ein Ex-Spielsüchtiger von seinem Weg.

"Ich war vier Jahre lang spielsüchtig", gibt ein junger Vorarlberger im Interview mit VOL.AT zu. Er ist Mitte 20 und möchte lieber anonym bleiben. Nicht jeder in seinem Umfeld soll von seiner Sucht wissen. Nach eigener Aussage verspielte er rund 60.000 Euro, nahm mehrere Kredite auf und baute dementsprechend Schulden auf. Jahrelang habe er sich dafür geschämt, erklärt er. Jetzt ist er an einem Punkt angelangt, an dem er mit seiner Geschichte anderen helfen möchte. Das Thema Glücksspiel werde leider viel zu wenig diskutiert, es erfolge so gut wie keine Aufklärung an Schulen. Junge Menschen sollen sich ihr leben nicht aus jugendlichen Leichtsinn verbauen, wie er es getan habe.

"Das ist ein Teufelskreis"

Doch wie kam es dazu? "Angefangen hat das bei mir schon mit 15 oder 16 Jahren, als ich auf solche Seiten gestoßen bin, um online zu spielen", erzählt er. Damals spielte er ohne echtes Geld um Chips und Punkte. "Dann habe ich immer gesagt, sobald ich 18 bin, spiele ich mal mit echtem Geld und gehe ins Casino." Das habe er dann auch gemacht. Am Anfang sei es noch relativ gut gegangen. "Wenn du das erste Mal mehr Geld gewonnen hast, dann merkst du, wie viel da möglich ist, denkst dir dann, dass du noch viel mehr gewinnen kannst", gibt er zu verstehen. Doch, wer öfter spielt und mehr setzt, kann auch mehr verlieren. Am Anfang habe er sich noch Geld von Freunden und Bekannten ausgeliehen. Als das nicht mehr reichte, habe er seinen ersten Kredit aufgenommen. Doch auch dieses Geld habe er dann zum Großteil verspielt. "Das ist ein Teufelskreis", meint er.

Der Weg aus der Sucht

"Ich selber habe es eigentlich richtig bemerkt", gibt er im Hinblick auf die Online-Casino-Sucht zu. Er habe gewusst, dass er ein Problem habe, habe es sich aber nicht eingestehen können. Als er dann immer mehr Briefe von verschiedenen Banken bekommen habe, habe ihn seine Mutter darauf angesprochen - ihr und seinen Kollegen erzählte er dann alles. "Und so hat's dann angefangen, dass ich herausgekommen bin, weil man eigentlich draufgekommen ist", versteht er heute. Am Anfang sei es sehr schwer gewesen, aufzuhören. "Das, was man tagtäglich gemacht hat, nicht mehr zu machen", erklärt er. Ihm habe es geholfen Sitzungen bei einer Beratungsstelle zu machen. "Das hat dann richtig gut getan. Mit jemandem richtig darüber zu reden und herauszufinden, warum ich gespielt habe und warum sich das so gezogen hat", meint er.

Die Schulden sind geblieben

Auch, wenn er nicht mehr süchtig ist, die Schulden und das Verlangen zu spielen sind ihm bis heute geblieben. Mittlerweile ist er auf allen Seiten, auf denen er gespielt hat, gesperrt. "Ich wurde zum Glück darauf aufmerksam, dass alle Online-Casinos außer 'win2day' in Österreich illegal sind", meint er. Dass man auf diesen Seiten in Österreich spielen darf, hätten die anderen Online-Casino-Seiten nicht anbieten dürfen. Derzeit ist er mit seinem Anwalt und einem Prozess-Finanzierer in mehreren Verhandlungen, um das verspielte Geld zurückzuerhalten. "Da kann man die ganzen Verluste, die man gehabt hat, zurückfordern. Und da sind wir gerade dran."

(VOL.AT)

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