Ruf nach Kirchensanktionen wird lauter

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Damit wächst der Druck auf den Papst, einen Ausweg aus der Krise zu suchen, nachdem das israelische Großrabbinat die offiziellen Beziehungen zum Vatikan eingefroren hat.

Die päpstliche Entscheidung, die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben, belastet massiv das Verhältnis zwischen den Juden und der katholischen Kirche. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, fordert, dass der britische Traditionalisten-Bischof “seine Funktionen als Kirchenmann, der ja dem Ausgleich verpflichtet sein sollte, nicht mehr wahrnimmt”. Die von Papst Benedikt XVI. beteuerte “volle Solidarität” mit den Juden “würde ich erst dann akzeptieren, wenn dieser Holocaust-Leugner zur Rechenschaft gezogen wird”, sagte Knobloch der Zeitung “Münchner Merkur”.

Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte am Freitag, wer den Holocaust leugne, “der leugnet den christlichen Glauben selbst”. “Und das ist umso schwerwiegender, wenn es aus dem Mund eines Priesters oder eines Bischofs kommt.” Die argentinische Zeitung “La Nación” schrieb, Williamson könnte die Leitung des Priesterseminars nahe Buenos Aires entzogen werden. Das hätten Priester der Bruderschaft und Personen aus dem Umfeld des Bischofs bestätigt.

Kardinal Christoph Schönborn erklärte in einem ORF-Interview am Donnerstagabend: “Wer die Shoah leugnet, kann nicht in seinem kirchlichen Amt rehabilitiert werden”. Der Wiener Erzbischof betonte, dass die Absicht des Papstes “eine Versöhnung mit dieser Gruppe” (der traditionalistischen Bruderschaft St. Pius X., Anm.) und eine “Geste des Entgegenkommens” gewesen sei. Die vier Bischöfe seien allerdings “noch nicht in Amt und Würden”. Solange sie “das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkennen, wird es keine Versöhnung geben”.

Nach dem britischen Traditionalisten-Bischof hat auch der Leiter der Pius-Bruderschaft in Nordostitalien, Don Floriano Abrahamowicz, gebürtiger Österreicher und Sohn des ehemaligen reformierten Pfarrers (Evangelische Kirche H.B.) Alexander Abrahamowicz in Wien, infrage gestellt, dass die Gaskammern der Juden-Vernichtung dienten. “Ich weiß, dass die Gaskammern zur Desinfektion benutzt wurden”, er wisse nicht, ob darin getötet worden sei, wurde der Priester zitiert.

Trotz der anhaltenden Empörung sehen italienische Medien Zeichen einer Entspannung zwischen dem Vatikan und Israels Großrabbinat. Dieses habe einen Brief des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper positiv aufgenommen, der für den interreligiösen Dialog mit dem Judentum zuständig ist. Der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beziehungen in Jerusalem, Rabbiner David Rosen, hatte am Donnerstag erklärt, der Papst wäre weiter in Israel willkommen. Die jüngste Solidaritätserklärung von Benedikt XVI. gegenüber den Juden vom Mittwoch sei “sehr wichtig und hilfreich” und ein “guter erster Schritt”. Der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, hat allerdings mehrmals betont, eine solche Reise sei erst dann möglich, wenn es große Fortschritte im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern gebe; auch müsste sich die Situation der Christen dort deutlich verbessern. Vertreter der israelischen Friedensbewegung hatten zuletzt erklärt, sie hielten es für nicht vorstellbar, dass der Papst nach dem Gazakrieg der Einladung einer Regierung folge, die “ohne moralische Einschränkung” den Befehl zu einer Militäroffensive mit solch rücksichtslosen Methoden in einem dicht bevölkerten Gebiet gegeben und “das Leben der Bevölkerung in eine Hölle verwandelt” habe.

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