Rüsten die USA in Syrien Al-Kaida-Verbündete aus?

Nusra-Front auf dem Vormarsch.
Nusra-Front auf dem Vormarsch. ©AP
Syriens Machthaber Bashar al-Assad ist in den letzten Wochen in die Defensive geraten. Die Rebellen eroberten weite Landstriche im Norden des Landes. Federführend bei den Angriffen ist dabei der örtliche Ableger von Al-Kaida. Der Erfolg der Jihadisten kommt allerdings nicht von ungefähr.

2011 starb der damals wohl meistgesuchte Terrorist im pakistanischen Abbottabad im Kugelhagel amerikanischer Navy Seals. Osama Bin Laden, verantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001, lebte bis dahin recht unbehelligt und abgeschieden von der Außenwelt. Seit dem Zeitpunkt des Ablebens des Terrorfürsten ist es recht ruhig geworden um “seine” Al-Kaida. Neue, extremistischere jihadistische Akteure, allen voran der IS, betraten die Bühne. Doch nun könnte sich das Blatt wieder wenden.

Assad gerät in die Defensive

Der Bürgerkrieg in Syrien geht nun in das fünfte Jahr. Er hat laut neuesten Schätzungen bereits einer Viertelmillion Menschen das Leben gekostet. Vom Ziel, Machthaber Bashar al-Assad zu entthronen, schienen die unterschiedlichen Rebellen-Fraktionen so weit weg wie nie zuvor. Assad konnte seine Herrschaft festigen, teils verlorene Gebiete zurückerobern. Dies verdankte er vor allem der Hilfe des Verbündeten Iran und der Hisbollah. Doch in den letzten Wochen wendete sich das Blatt dramatisch. Die Rebellen eroberten die Städte Idlib und Jishr Shughur. Beide fielen während des jahrelangen Ringens niemals zuvor in Rebellenhände, beide liegen nahe an den alawitisch besiedelten Küstenregionen des Landes. Diese könnten nun als nächstes ins Visier der Rebellen geraten, welche zumeist dem sunnitischen Islam angehören und die Alawiten als Ketzer betrachten.

Rebellen “vereinen” sich

Doch wie gelang es den Rebellen, den Umschwung herbeizuführen? Zudem sie untereinander noch als verfeindet gelten? Nicht unbedeutend dürfte dabei gewesen sein, dass die Rebellen beim Sturm auf Idlib und Jishr Shughur konzertiert vorgingen. Dies ist sicher ein “Verdienst” der Türkei, Katars und Saudi-Arabiens. Jeder dieser Staaten hält sich in Syrien eine eigene Rebellengruppe. Ahrar al-Sham soll maßgeblich von Katar unterstützt werden. Saudi-Arabien setzt laut Berichten auf die Fundamentalisten von Jaysh al-Islam. Der Türkei wird, nicht zuletzt von kurdischen Aktivisten, vorgeworfen, der Al-Nusra-Front zu helfen – jener Al-Nusra, die ein Ableger von Al-Kaida ist. Das Kalkül ist recht einfach: Siegt die jeweils unterstützte Rebellenfraktion, steht das künftige Syrien unter Einfluss des eben jene unterstützenden Staates.

Nach dem Machtwechsel in Saudi-Arabien jedenfalls setzte auf diplomatischer Ebene ein reges Treiben ein. Die Türkei, Saudi-Arabien und Katar begannen, ihre Rebellen besser aufeinander abzustimmen, und Aktionen zu koordinieren. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Doch nicht nur die verbesserte Koordination ist ausschlaggebend. Die Rebellen wurden in den letzten Wochen massiv aufgerüstet. Laut “debka.com” erhielten sie T-55, T-62 und T-72-Panzer. Zudem mehrere Truppentransporter, sowie Panzerabwehrwaffen – etwa TOW-Raketen aus US-Produktion.

Der Feind meines Feindes…

Doch was bewegt gerade die USA dazu, die Aufrüstung von Al-Kaida-Verbündeten mit hochmodernem Kriegsgerät zuzulassen? Laut “debka.com” wollen die Vereinigten Staaten verhindern, dass Assad den Krieg gewinnt. Würde dieser Fall eintreffen, würde dies eine deutliche Stärkung des Irans und der Hisbollah bedeuten. Zwar haben die USA nie offiziell eingestanden, den Al-Kaida-Ableger, der zudem die kampfstärkste Einheit unter den Rebellen bildet, zu unterstützen. Bilder, welche auf Twitter kursieren, sprechen aber eine eindeutige Sprache. Washington hält sich trotzdem bedeckt, spricht davon, dass man “moderate” Rebellen ausrüste. Eines ist jedenfalls klar: Siegen die Jihadisten, wäre Syrien das erste arabische Land, das direkt von Al-Kaida regiert würde.

Proteste in der Türkei

Die Folgen für die Region sind unabsehbar. Zumal zu befürchten ist, dass Al-Nusra-Kämpfer unter den Minderheiten Massaker anrichten werden. Bei der Einnahme Ishtabraqs, welches direkt bei Jisr Shughur liegt, sollen die Rebellen dutzende Alawitische Bewohner hingerichtet haben. In der benachbarten türkischen Provinz Hatay, welche alawitsch geprägt ist, kam es deshalb bereits zu Protesten.

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