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Rotterdam im Wandel der Zeit

Wolkenkratzer und ein muslimischer Stadtchef prägen das "Manhattan an der Maas".
Impressionen aus Rotterdam

Kaum eine andere europäische Großstadt hat ihr Gesicht so schnell verändert. Aus der tristen Industrie- und Hafenstadt Rotterdam, wo noch vor Jahrzehnten Kriminalität und Verwahrlosung Schlagzeilen machten, ist eine moderne Metropole geworden. „Manhattan an der Maas“ nennt sie sich heute selbstbewusst. Anfang Juli war man sogar Startplatz der „Tour de France“, dem wichtigsten Radrennen der Welt – mit dem Sportspektakel erhoffen sich Rotterdams Marketing-Spezialisten einen neuen Image-Schub.


Ein Palast aus Stahl

Railz Miniworld heißt die größte Modelleisenbahn der Niederlande. Nur ein paar Schritte vom Hauptbahnhof weg drehen gut 100 Züge ihre Runden. Mehr als die Bahnen faszinieren die kleinen Miniwelten. Grüne holländische Landschaften und die Großstadt Rotterdam – zu sehen ist auch der neue Bahnhof, der ab 2013 Hollands modernster Verkehrsknotenpunkt sein soll. Ein Palast aus Stahl und Glas mit großen Ladenstraßen und 5000 Fahrradstellplätzen. Die unterirdische Metrostation ist schon in Betrieb. Mit der neuen Centraal Station markiert Rotterdam für jeden Reisenden sichtbar seinen neuen Status, den weltberühmte Architekten wie Norman Foster, Renzo Piano oder Rem Kohlhaas entscheidend geprägt haben. Hollands höchste Wolkenkratzer, neue Konzertarenen und frisch gestylte alte Lagerhallen entlang der ehemaligen Hafenkais lassen vergessen, dass Touristen noch vor Jahren einen Bogen um die Stadt machten. Inzwischen mischt sich in Rotterdam mediterrane Leichtigkeit mit weltstädtischer Geschäftigkeit, Lebenslust mit Big Business. Und keine andere niederländische Stadt fühlt sich so jung an, sind mehr als die Hälfte der gut 600.000 Einwohner doch unter 40 Jahren.

Übersichtliche Planung

Touristisch ist die Stadt sehr übersichtlich: Keine Stunde braucht es, um die City von Ost nach West oder von Nord nach Süd per Fuß zu queren. Rathaus, Börse und die dem heiligen Laurentius geweihte größte Kirche der Stadt sind ihr historischer Kern, um den sich auch die meisten Geschäfte und Läden scharen. So wie in der Lijnbaan, Europas erster Shopping Mall. Inzwischen haben sich um die unter Denkmalschutz stehende Fußgänger- und Einkaufszone viele hundert neue Geschäfte und Kaufhäuser angesiedelt, ballen sich die Läden so dicht wie sonst nur in den ganz großen Metropolen. Zum Einkauf bleibt viel Zeit, öffnen die meisten Läden inzwischen auch Freitagabends und Sonntags.

Nur einen Katzensprung ist es von den Einkaufstempeln in der City ins Museumsviertel, wo sich mit Kunsthalle, dem Niederländischen Architektur-Institut und dem Museum Boijmans Van Beuningen die wichtigsten Kulturadressen Rotterdams finden. Bilder von Hieronymus Bosch und Pieter Breughel hängen dort neben denen von Dali oder Warhol. Galerien und zeitgenössische Museen ballen sich in der benachbarten Witte de Withstraat neben Cafés und Restaurants, Imbissbuden und Coffeeshops.

 
Vorzeigeviertel und Hafen

Im Scheepvaartskwartier, dem eleganten Vorzeigeviertel rund um den Veerhaven, finden sich viele trendige Lokale, in denen inzwischen auch die ersten Sterne-Köche zuhause sind. Etwas rustikaler geht es um den Alten Hafen zu, um den sich Cafés und Restaurants scharen – und die weltberühmten Kubushäuser, in denen seit Kurzem auch eine Jugendherberge Unterschlupf gefunden hat. Rotterdams Wahrzeichen aber ist die Erasmusbrücke, ein architektonisches Schmuckstück, das den Städtereisenden zum Wilhelmina-Pier bringt, dessen Hochhäuser Rotterdam seinen Ruf als „Manhattan an der Maas“ verdankt. Vor allem hier zeigt sich das Rotterdam der Moderne, die Stadt der Wolkenkratzer. Im Vorort Delfshaven scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In den alten Lagerhäusern haben Antiquitätenläden und kleine Shops Unterschlupf gefunden. Als sei fast keine Zeit vergangen, steht die alte Kirche noch immer am Ufer des Hafens, von dem 1620 die Pilgerväter nach Amerika aufbrachen.

Das moderne Rotterdam

Der Puls Rotterdams schlägt heute auf dem Kop van Zuid, dem Süden der Stadt, wo Zehntausende Wohnungen entstanden, Universitäten, Einkaufszentren und ganz neue Stadtviertel. So temporeich wie die Stadtentwicklung hat sich auch Rotterdams Bevölkerung gewandelt. Von den knapp 600.000 Einwohnern sind nur noch die Hälfte geborene Niederländer. Hinzu kommen Surinamesen, Menschen aus der ehemaligen niederländischen Kolonie in Südamerika, Türken, Marokkaner und Zehntausende von den Antillen oder den Kapverdischen Inseln. So verwundert es niemand, dass erstmals in der Stadtgeschichte seit 2009 ein Moslim die Stadt regiert. Ahmed Aboutaleb heißt der Sohn eines marokkanischen Imans, der Rotterdams Bürgermeister ist.

Rotterdam mit dem drittgrößten Hafen der Welt
Seehafen: Rotterdam ist nach Amsterdam die zweitgrößte Stadt in den Niederlanden und besitzt verkehrstechnisch große Bedeutung durch den größten Seehafen Europas (der drittgrößte der Welt). Die Metropole verfügt über eine Universität, mehrere Fachhochschulen, eine Musikhochschule und eine Kunstakademie. Sie ist die führende Industrie- und Handelsstadt der Niederlande.

Hochäuser und Grünflächen für die grünste Stadt
Grün: Nach dem katastrophalen deutschen Bombenangriff 1940 baute man statt in die Breite in die Höhe. Den Raum nutzte man für Grünflächen. So wollen Statistiker heute mehr als eine halbe Million Bäume in Rotterdam gezählt haben, das sich selbstbewusst die grünste Stadt der Niederlande nennt. Mehr als 75 Quadratkilometer umfassen die Parks und öffentlichen Gärten.

Sechs Meter unter dem Meeresspiegel liegt in Rotterdam der tiefste bewohnte Punkt der Niederlande. Die Metropole im Rhein-Maas-Delta wird durch Deiche geschützt, muss beständig durch Pumpen entwässert werden, da der natürliche Grundwasserspiegel sonst oberhalb der Straßen liegen würde.

Nachhaltige Öko-Disco
Disco: Sogar einen “nachhaltigen Tanzklub” hat die Stadt, eine Öko-Disco mitten im Chinesenviertel. Um die Stromkosten so niedrig wie möglich zu halten, ersannen die Planer des WATT zusammen mit Wissenschaftlern eine Tanzfläche, welche die dort entfesselte Energie in Strom umwandelt. Je wilder die Party, desto besser für die Umwelt, geben die Fußbodenplatten doch bei jedem Schritt bis zu einem Zentimeter nach und wirken wie ein Dynamo. 2000 Tänzer können so Strom für das Mischpult der Diskjockeys und die Beleuchtung der Tanzfläche schaffen. Ganz nachhaltig geht es auch auf den Toiletten zu, die mit Regenwasser gespeist werden.

Neue Generation von “Riesen”
Hochhäuser: “Maastürme” heißt der höchste Wolkenkratzer, ein 165 Meter hoher Büroturm. Nur ein paar Fußminuten weiter flankieren zwei andere Riesenbauten das Hotel New York.

Der Tierpark als Besuchermagnet
Zoo: Mit mehr als eineinhalb Millionen Gästen ist der Tierpark Rotterdams größter Besuchermagnet. Im Aquarium mit seinen Glastunneln begegnet man Haien und anderen Fischen fast hautnah.

Der Karneval steigt im Sommer
Karneval: Der Karneval findet in Rotterdam immer am letzten Wochenende im Juli statt. Freitags ist die Battle of Drums, Samstag die große Kostümparade (www.zomercarnaval.nl).

REISEINFOS:
Anreise: Aus Deutschland führen Autobahnen und Gleisverbindungen in die Niederlande, zudem gibt es Direktflüge nach Amsterdam.
Klima: Aufgrund der Nähe zur Nordsee herrscht ein Seeklima mit kühlen Sommern und milden Wintern.
Rauchen: Seit Juli 2008 darf in Restaurants und Cafés in den Niederlanden nicht mehr geraucht werden.
Währung: Mit der EC-Karte kann man an den Geldautomaten Geld abheben, wenn die Karte das Cirrus-Logo trägt. An manchen Automaten der ABN/AMBRO Bank wird auch das PLUS-Logo akzeptiert. Überprüfen Sie auch, ob auf Ihrer Karte EDC-, EC- und Maestro-Logos abgebildet sind.
Allgemeine Infos: VVV Rotterdam, Coolsingel 197, im Internet unter www.rotterdam.info ; Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 270580, 50511 Köln, Tel. 02221-9257170, Internet www.niederlande.de

 

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