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Rotstift! Diese Firmen bauen jetzt massenhaft Personal ab

Tausende Arbeitsplätze fallen allein in diesen Firmen weg
Tausende Arbeitsplätze fallen allein in diesen Firmen weg ©APA-VOL.AT
Zunehmend streichen Unternehmen im großen Stil Jobs. Im Folgenden eine Auswahl an österreichischen Flaggschiffen, die jetzt en masse Mitarbeiter einsparen.

Die Wirtschaftskrise schlägt sich seit Monaten deutlich am Arbeitsmarkt nieder. Viele Firmen haben zunächst die Auftragsrückgänge mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen abgefangen. Zunehmend streichen aber Unternehmen im großen Stil Jobs. Im Folgenden eine Auswahl an Firmen:

AVL List kündigt 220 Mitarbeiter in Graz

Die AVL List GmbH in Graz mit rund 4.000 Mitarbeitern wird bis Jahresende 220 Mitarbeiter wegen der Coronaviruskrise kündigen. Der Schritt müsse trotz Kurzarbeit, Reduktionen und anderer Anpassungen gesetzt werden, "um sich für die Zukunft gut aufzustellen", sagte ein Sprecher. Paradox seien die Kündigungen deshalb, weil die AVL als "gut aufgestelltes Unternehmen mit Zukunftsthemen" gelte.

Graz. Die Kündigungen waren am Mittwoch den Mitarbeitern der AVL in einer Videobotschaft von CEO Helmut List mitgeteilt worden. Dem Unternehmenssprecher zufolge sollen dadurch "die Zukunftsthemen abgesichert werden". Ursache für den Stellenabbau sei eine "verhaltene Auftragslage der Automobilindustrie", eine "Delle", obwohl man gerade für den Mobilitätssektor die Technologien der Zukunft entwickle. Die Kündigungen finden in allen Bereichen statt. Die betroffenen Mitarbeiter sollen in den kommenden Wochen informiert werden.

Seit dem Frühjahr waren rund 2.000 Mitarbeiter der AVL in Graz, damit etwa die Hälfte der Belegschaft, in Kurzarbeit. Zusätzlich gab es Überstundenabbau und einen freiwilligen Gehaltsverzicht bei Führungskräften, doch das alles habe nicht gereicht, um die Jobs zu retten. Der Sprecher kündigte an, dass die Kurzarbeit für viele der übrigen Mitarbeiter auch verlängert werde. Wie viele es genau sein werden, sei noch offen, weil das am Donnerstag erst in Planung war. Wie sich die Coronaviruskrise auf Umsatz und Gewinn auswirke, könne noch nicht abgeschätzt werden.

Erst im Vorjahr seien 300 Mitarbeiter neu bei dem Grazer Antriebsstrangentwickler aufgenommen worden, so der Sprecher. Im Geschäftsjahr 2019 war der Umsatz um 12,6 Prozent von 1,75 auf 1,97 Mrd. Euro gestiegen und auch in den Jahren davor hatten die Zahlen stets ein sattes Plus davor stehen. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 11.500 Mitarbeiter.

Casinos Austria wollen rund 350 Vollzeitstellen einsparen

Ende September hatten die teilstaatlichen Casinos Austria 600 ihrer rund 1.700 Mitarbeiter im Inland beim AMS zur Kündigung angemeldet - nun steht fest, dass rund 350 Vollzeitstellen tatsächlich eingespart werden sollen. Das hat der Casinos-Aufsichtsrat am Dienstag beschlossen. In Summe sollen 45 Mio. Euro eingespart werden.

Die genaue Anzahl der Stellenstreichungen richte sich nach den Ergebnissen der konkreten Gespräche mit den Mitarbeitern, teilten die Casinos mit. "Ein Großteil der Einsparungen soll über einvernehmliche Lösung, Pensionierungen oder Teilzeitmodelle erreicht werden", heißt es in der Mitteilung.

"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben ein Paket in dieser Größenordnung nötig gemacht, um mit der Umsetzung die Unternehmensgruppe fit für die Zukunft zu machen", sagte der Chef des Mehrheitseigentümers Sazka, Robert Chvatal, laut Mitteilung.

Swarovski - 1.000 Stellen

Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern. Allerdings gibt es unter den Mit-Eigentümern Widerstand gegen das Sparprogramm.

voestalpine - Über 500 Stellen

Der Stahlkonzern streicht in der Steiermark 500 bis 550 Stellen. Betroffen sind etwa 250 Mitarbeiter in Kindberg und rund 250 bis 300 Arbeitnehmer in Kapfenberg, wurde am 5. August bekannt. Die voestalpine beschäftigt insgesamt 9.100 Mitarbeiter in der Steiermark.

Sacher - 140 Mitarbeiter

Die Sacher-Hotels kündigten per 15. 9. 140 Mitarbeiter. In Wien sind 105 Menschen betroffen, in Salzburg 35. Der Rest der Belegschaft bleibt in Kurzarbeit. Der Umsatz liegt heuer nur bei einem Viertel des Vorjahreswertes, im kommenden Jahr erwartet Hotelchef Matthias Winkler auch nur ein Drittel des Vor-Corona-Niveaus. "Dramatischer kann eine Situation nicht sein", sagt Winkler.

Mahle - 130 Stellen

Der deutsche Autozulieferer Mahle streicht in seinem Kärntner Werk in St. Michael ob Bleiburg (Bezirk Völkermarkt) 130 Stellen, wie ein Sprecher am 25. September erklärte. Am Tag davor war bekannt geworden, dass Mahle bis 2023 zwei Werke in Deutschland schließen möchte.

BWT - 60 Stellen

Der Wasseraufbereiter BWT will bis Ende September am Standort Mondsee 60 Stellen streichen. Weitere sind von Auslagerungen betroffen. Die 60 betroffenen Mitarbeiter werden vor allem in der Holding in der Zentrale in Mondsee gekündigt, wie am 5. 9. bekannt wurde.

FACC - 650 Stellen

Am 18. September gab das auf Komponenten für die Luftfahrtindustrie spezialisierte Unternehmen bekannt, dass 650 Arbeitsplätze wegfallen. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt damit auf 2.700. FACC müsse sich dem Marktumfeld anpassen und auf die reduzierte Nachfrage reagieren.

ATB - 360 Stellen

Bei der ATB sollen 360 Menschen wegen der Standortschließung ihren Job verlieren. 

Mayr-Melnhof - 130 Stellen

Wegen "Umstrukturierungsmaßnahmen" werden am Standort in Hirschwang a. d. Rax in Niederösterreich rund 130 Jobs wegfallen. Grund ist die Einstellung der Produktion auf der Kartonmaschine. Die Maßnahme soll noch heuer durchgeführt werden, teilte das Unternehmen am 7. September mit.

MAN Steyr - 2.300 Stellen

Der Vorstand des deutschen Mutterkonzerns MAN bestätigte ebenfalls am 16. 9., dass das Werk in Steyr bis 2023 komplett geschlossen wird. Betroffen sind 2.300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Große Teile des Werks Trucks & Bus in Steyr werden nach Polen und in die Türkei verlegt. Die Werksschließung ist Teil eines konzernweiten Sparprogramms, das den Abbau von 9.500 Stellen vorsieht. Außerdem dürfte die Schließung von knapp 50 Service-Niederlassungen für Lkw weltweit weitere 1.300 Arbeitsplätze kosten.

Zehn Jahre vor ihrem geplanten Auslaufen hat der Lkw- und Bushersteller MAN eine Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung gekündigt, teilte MAN diesen Dienstag in München mit. Das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen will mit der Nutzung einer sogenannten Schlechtwetterklausel den bereits angekündigten Abbau von 9500 der rund 36 000 Stellen vorantreiben. Um die geplante Neuausrichtung einzuleiten, sehe sich das Unternehmen gezwungen, die für die Standorte in Deutschland und Österreich geltenden Verträge zum 30. September zu kündigen.

Doka - Bis zu 300 Jobs

Das niederösterreichische Schalungstechnikunternehmen bestätigte am 16. September, dass "angesichts einer anhaltend schwachen internationalen Nachfrage" bis zu 300 Jobs in Amstetten gestrichen werden. Von dem Stellenabbau betroffen seien das "Headquarter" und die Produktion, wo insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt seien, nicht aber die Vertriebsorganisation mit mehreren hundert Arbeitnehmern. Die Firma werde die Kurzarbeit nach dem Ablauf der aktuellen Phase Ende September nicht um eine weitere Periode verlängern.

Wackelkandidaten

Agrana: Der börsennotierte Zuckerverarbeiter wollte ein Werk im niederösterreichischen Leopoldsdorf schließen, das hätte 150 Jobs gekostet. Ein Branchenpakt soll das Werk noch retten. Dazu müssen die Rübenbauern bis Mitte November 38.000 Hektar Anbaufläche zusagen, heuer lag sie bei 26.000 Hektar.

Schaeffler: Der deutsche Automobil- und Industriezulieferer streicht bis Ende 2022 rund 4.400 Stellen. Ob davon auch der Standort im niederösterreichischen Berndorf betroffen sein wird, steht noch nicht fest.

Flaggschiffe der Industrie brechen weg

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Betriebsratschefs von heimischen Industrieunternehmen wie ATB, MAN Steyr und Mayr-Melnhof haben der Bundesregierung Untätigkeit angesichts des massiven Stellenabbaus vorgeworfen. Die Regierung unternehme nichts gegen das Wegbrechen ganzer Flaggschiffe der heimischen Industrie.

(APA) (Red.)

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