Rote Karte für Rauchen an Schulen

Der Glimmstengel soll ab dem kommenden Schuljahr komplett von den Schulen verbannt werden.
Der Glimmstengel soll ab dem kommenden Schuljahr komplett von den Schulen verbannt werden. ©HAK/Has Lustenau, Faksimile
Bregenz - Das Schreiben erreichte die Schulen zu einer Zeit, als die meisten Bildungsstätten verwaist und sogar deren Direktoren ausgeflogen waren. Am 6. August verließ das Dokument den Landesschulrat, der auch schon Bildungsdirektion genannt wird – von der Bildungsdirektorin in spe, Evelyn Marte-Stefani (57), gezeichnet.
Frage des Tages: Rauchverbot an Schulen?
Rauchverbot auf 18 Jahre angehoben

Von: Klaus Hämmerle (VN)

Kernaussage: „§ 12 Abs. 1 / 3 TNRSG (Anm.: Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz) verbietet nunmehr ausdrücklich auch das Rauchen auf schulischen Freiflächen. Das Rauchverbot gilt somit zwingend auf der gesamten Schulliegenschaft.“

Die Frage des Tages zum Thema

Strafen angedroht

Durch die Gesetzesänderung sei den schulpartnerschaftlichen Organen die Befugnis entzogen, in Bezug auf das Rauchen standortbezogene Sonderregelungen zu treffen. Hausordnungen, die Rauchen auf bestimmten schulischen Freiflächen erlaubten, seien außer Kraft getreten. Auf den Fuß folgt dabei auch die Drohung des Gesetzgebers: „Sowohl der Raucher/die Raucherin als auch die Schule begehen bei Missachtung des Rauchverbots eine Verwaltungsübertretung und können mit Geldstrafen bestraft werden“, heißt es im Erlass wortwörtlich. „Viele Kollegen und auch ich finden es eigenartig, dass dieser Erlass in den Ferien daherkommt. Man konnte keine Vorkehrungen noch in der Schulzeit treffen, es gab keine Kommunikation. Es werden alle bisherigen Vereinbarungen zum Thema ‚Rauchen an Schulen‘ außer Kraft gesetzt. Das ist kein Stil“, schimpft Lehrervertreter Willi Witzemann (58).

Betont haben will er: „Ich bin natürlich für Nichtraucherschutz. Nicht, dass das falsch verstanden wird. Aber wie passt das zusammen? In der Gastronomie hebt man ein Gesetz zum Nichtraucherschutz auf, in der Schule fährt die Regierung mit solchen Geschützen auf und überrumpelt damit alle in den Ferien.“

Gegen Verbot

Als bekennende Nichtraucherin findet auch AHS-Landesschulsprecherin Alexandra Seybald (18) den Erlass des Bildungsministeriums wenig konstruktiv. „Schülern mit Verboten statt mit Überzeugung zu kommen, ist nie gut. Man wird jenen Schülern, die rauchen, per Erlass nicht das Rauchen austreiben“, steht für die Schülervertreterin fest. „Das Problem wird sich verlagern. Die Jugendlichen werden außerhalb der schulischen Freiflächen rauchen.“ Sehr begrüßen würde es Seybal, würden geschulte Lehrpersonen für den Nichtraucherschutz in den Schulen werben. „Irgendwie finden noch viele das Rauchen cool. Darauf hinzuwirken, dass das nicht so ist, würde Sinn machen.“

Problem verlagert?

Manfred Hämmerle (60), Direktor an der HAK Bregenz, kann einem grundsätzlichen Rauchverbot an den Schulen durchaus etwas abgewinnen. „Im Sinne von Gesundheit und Sauberkeit ist ein absolutes Rauchverbot begrüßenswert. Natürlich wird das dann auch die rauchenden Kollegen betreffen, die ich nun anhalten werde müssen, an der Schule nicht mehr zu rauchen.“ Auch Hämmerle befürchtet allerdings, dass sich das Problem an der größten Schule des Landes in die Nachbarschaft verlagern wird. „Als Bürger erlaube ich mir auch zu bemerken: Warum ist man in der Gastronomie nicht so konsequent?“

„Ich habe das zu exekutieren. Man musste ja damit rechnen, dass das kommt“, gibt sich Hämmerles Direktorkollege vom BRG/BORG Dornbirn Schoren, Reinhard Sepp (54), illusionslos. „Solche Maßnahmen liegen im Trend der Zeit“, meint der Schulleiter weiter. Einig ist er sich mit seinen Kollegen darin, dass es die Anrainer der Schule nun wohl mit den rauchenden Schülern zu tun bekommen. Und das könne ein Problem werden.

Mit Denunziantentum, so glaubt Lehrervertreter Willi Witzemann, werden es die Schulen auch bald bekommen. „Schließlich sollten ja alle Verstöße gegen diesen Erlass angezeigt werden.“

(VN)

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