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Rogge vorsichtig optimistisch

„Die größten Hindernisse sind erst in den nächsten zwei Wochen zu überwinden. Athen hat gezeigt, dass es Rückstände aufholen kann“, so IOC-Präsident Jacques Rogge.

Es ist erst vier Jahre her, da zeigte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Athen die Gelbe Karte. Und dies auf Drängen von Jacques Rogge, der damals der Prüfkommission für die Spiele 2004 vorstand. Als IOC-Präsident sagte er am Donnerstag: „Die größten Hindernisse sind erst in den nächsten zwei Wochen zu überwinden. Athen hat gezeigt, dass es Rückstände aufholen kann.“

Die Strategie des 62-jährigen Belgiers vor seiner ersten Herausforderung als Olympia-Chef ist klar: Keine Euphorie zeigen wie sein Nachfolger als oberster IOC-Prüfer, Denis Oswald, sondern die Spiele mit Vorsicht angehen. Der Schweizer hatte gesagt: „Es ist ein Wunder geschehen, ein wirkliches Wunder.“

Zu hoch sind die Risiken der bevorstehenden 17 olympischen Tage. 70.000 Sicherheitskräfte und 1,2 Milliarden Euro Ausgaben für die Schutzmaßnahmen sind keine Garantie für Terror-freie Spiele. So sagte Rogge am Donnerstag bei seiner Schlusskonferenz zur 116. Vollversammlung zwar: „Die griechische Regierung hat alles Denkbare getan. Wir haben volles Vertrauen.“ Doch er fügte hinzu: „Fragen sie mich erst am Ende, ob alle Sicherheitsmaßnahmen gegriffen haben.“

Seine Zurückhaltung gab er nur auf, nachdem Gianna Angelopolous-Daskalaki vor der Session ihren Schlussbericht zu den Vorbereitungen mit dem Satz beendet hatte: „Wir alle wollen magische Spiele genießen, getreu ihrer Geschichte und mit stolzem Blick in die Zukunft.“ Rogge nannte die 48-jährige Frau, die sein Vorgänger Juan Antonio Samaranch eine First-Class-Lady genannt hatte, „charismatisch“. Damit würdigte er ihren aufopfernden Einsatz seit April 2000. Bis September 1997 hatte sie das erfolgreiche Bewerbungskomitee angeführt. Drei Jahre später, als die Rote Karte drohte, hatte sie das Land zurückgerufen.

Nicht nur die Sicherheitsrisiken machen Rogge vorsichtig. Bisher sind nur die Hälfte der 5,3 Millionen Eintrittskarten für die 301 Wettbewerbe verkauft worden. Halbleere Arenen, das wäre ein Armutszeugnis für Olympia. Und die gerade noch rechtzeitig fertig gestellten Arenen sind weitgehend ungetestet. Noch weiß niemand, wie belastbar die Infrastruktur und wie ausreichend die Organisation ist, wenn die Spiele in Athen richtig losgehen. Und sollte es Dopingfälle en masse geben, dann würde beim größten Sportereignis nur schwer verständlich zu machen sein, dass jede positive Probe als ein „außerordentlicher Erfolg“ (Rogge) der verschärften Maßnahmen zu werten sei.

Somit wird auch spannend sein, welches Prädikat Rogge den Athen-Spielen bei der Schlussveranstaltung am 29. August geben wird. Vorgänger Samaranch hatte Sydney 2000 die „besten Spiele bisher“ genannt. Rogge sagt: „Im Gegensatz zu meinem Vorgänger werde ich während meines Mandats niemals sagen, dass irgendwelche Spiele die bisher besten waren“ – weil sie in verschiedenen Zeiten, in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen kulturellen, politischen und sozialen System einfach nicht vergleichbar seien. „Ich werde mein Gefühl ausdrücken“, betont Rogge.

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