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Riesen-Hilfsaktion gegen Seuchen und Hunger

Eine Woche nach der Flutkatastrophe in Südasien versucht die internationale Gemeinschaft, mit einer gigantischen humanitären Hilfsaktion den Kampf gegen Seuchen, Hunger und Durst zu gewinnen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan sprach angesichts von möglicherweise deutlich mehr als 165.000 Toten von dem „schlimmsten Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten“.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bis zu fünf Millionen Menschen in dem Krisengebiet am Indischen Ozean von jeglicher Grundversorgung abgeschnitten sind. Die internationalen Hilfszahlungen und Zusagen an Finanzmitteln sind auf mehr als zwei Milliarden Dollar (1,47 Mrd. Euro) gestiegen. Am Donnerstag (6. Jänner) soll in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Geberkonferenz für die Überlebenden der Flutkatastrophe mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan stattfinden.

Millionen Überlebende in einigen Gebieten warteten aber sieben Tage nach der Flut noch auf Hilfe. Viele Regionen seien weiter von den Versorgungsrouten abgeschnitten, berichten Sprecher von Hilfsorganisationen. Das Problem der Verteilung von Hilfsgütern habe sich aber entspannt, betonte UNICEF-Sprecher John Budd. Es gebe keine Gefahr einer Hungersnot. „Aber es gibt ein Risiko von Krankheiten, wenn wir nicht die Wasser- und Sanitärprobleme lösen können.“ Besonders groß sei die Gefahr in Sri Lanka.

Berichte, wonach in Sri Lanka erste Fälle von Cholera ausgebrochen sind, wurden aber offiziell dementiert. Heftige Regenfälle erschwerten dort schon den zweiten Tag in Folge die Hilfsarbeiten und ließen die Gefahr von Seuchen weiter steigen. Hunderttausende Verletzte und Obdachlose in dem indonesischen Katastrophengebiet Aceh im Norden der Insel Sumatra sind nach Angaben von Helfern so geschwächt, dass sie bei dem derzeitigen Ausbruch von Durchfall- und Infektionskrankheiten kaum eine Chance haben.

Für die WHO ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser vordringlich. Sie hat nach Angaben von WHO-Sprecherin Fadela Chaib Millionen von Wasserreinigungstabletten in die betroffenen Gebiete geschickt. „Fälle von Cholera oder Typhus sind bisher jedoch nicht bekannt“, sagte Chaib am Sonntag in Genf.

Viele Betroffene in Aceh können nur aus der Luft erreicht werden. Vom US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ aus werden seit Samstag Hungernde über Marinehubschrauber mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe versorgt. Am Sonntag sollte eine Luftbrücke für die Nothilfe in der Region beginnen. Die Federführung hat das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR).

Angesichts der konstant hohen Vermisstenzahlen scheinen sich Befürchtungen zu bewahrheiten, dass die Flutwelle deutlich mehr als 165.000 Menschen den Tod gebracht haben könnte. Allein die indonesische Regierung rechnet mit 100.000 Toten, offiziell bestätigt waren knapp 80.000 Opfer. In Sri Lanka wurden 28.475 Tote gemeldet, Helfer befürchten dort mehr als 42.000 Opfer. Die beiden Länder sind am schwersten betroffen.

In Thailand lag die bestätigte Zahl der Todesopfer am Sonntag bei 4.985, davon etwa die Hälfte westliche Ausländer. Mehr als 6.000 Menschen gelten als vermisst. Bei den Bergungsarbeiten in den zerstörten Ferienzentren setzt Thailand Arbeitselefanten ein.

„Nach sieben Tagen gibt es nur noch eine sehr kleine Chance, Überlebende zu finden“, sagte ein Einsatzleiter auf Sumatra. „Wir sind kurz davor, den Such- und Rettungseinsatz zu beenden.“ Seit Freitag seien keine Überlebenden mehr geborgen worden.

Außenministerin Ursula Plassnik (V) gab in Wien bekannt, dass nunmehr 490 Österreicher offiziell als vermisst gelten. Diese Personen hätten sich in den am stärksten betroffenen Gebieten in Sri Lanka und Thailand befunden. „Bei ihnen gibt es keinen Anlass zur Entwarnung.“ Insgesamt besteht zu 723 Österreichern kein Kontakt, bei den übrigen 233 Personen habe man aber keinen Hinweis, dass sie zu Schaden gekommen seien.

Die Zahl der identifizierten deutschen Flut-Toten erhöhte sich bis Sonntag auf 60. Die Zahl der Vermissten steige weiter und liege sehr deutlich über 1.000.

Die Direktorin des Kinderhilfswerkes UNICEF, Carol Bellamy, flog am Samstag nach Asien, um sich in Sri Lanka und Indonesien ein Bild vom Ausmaß der Flutkatastrophe zu machen. US-Außenminister Colin Powell wurde noch am Sonntag in der Region erwartet. Sein deutscher Amtskollege Joschka Fischer will Ende der Woche in die Katastrophenregion reisen. Außenministerin Plassnik plant derzeit keinen Besuch in der Krisenregion.

Der Meeresgrund im Indischen Ozean westlich von Sumatra ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Mehrere Nachbeben erschütterten am Sonntag die indische Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren. Der heftigste Erdstoß erreichte eine Stärke von 5,9.

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