Rhein-Mündung eine "ewige Baustelle"

Hard, Fußach - Andere Kriterien als auf der Fließstrecke durch das Rheintal gelten für die Sicherheit und Entwicklung der Mündungszone. Der Gefälleknick und die Anlandungen stellen die Rheinbauleiter vor eine "ewige" Aufgabe.

Das in diesem Bereich sich vermindernde Gefälle bedeutet auch weniger Schleppkraft und damit eine Ablagerung vor allem von Feinsedimenten, dem bekannten Rheinsand. Im Regeljahr trägt der Fluss zwischen 2,5 und drei Millionen Kubikmeter Material an den See. Der Großteil wird vom Rhein ins Bodenseebecken transportiert, der Rest lagert sich aber in der Vorstreckung ab.

Bei Kilometer 90

Der kritische Punkt befindet sich bei Kilometer 90, etwas unterhalb der seeseitigen Uferbegrenzung der Harder Schleienlöcher. Während der Rhein noch im Fußacher Durchstich 1 Promille Gefälle und damit eine für den Materialtransport ausreichende Fließgeschwindigkeit aufweist, verringert sich ab dem Gefälleknick die Sohlneigung auf nur mehr 0,25 Promille. Starke Anlandungen sind die Folge. Wenn auch das Unternehmen Zech jährlich um die 40.000 Kubikmeter Kies und Sand dem Rheinbett entnimmt, droht trotzdem ein Ansteigen der Sohle. Erhöht sie sich weiter, sind bei Hochwässern Ausbrüche nach links, in die Fußacher Bucht, oder nach rechts, in die Flachwasserzone vor Hard, zu befürchten. „In diesem Bereich muss sozusagen ewig gebaggert werden“, lässt Rheinbauleiter DI Martin Weiss keine Illusionen aufkommen. Fischer beklagten die verursachten Trübungen des Rheinwassers, der Lärm der Kieswaschanlage auf dem Schwimmponton ist auch nicht im Sinne der Naturschützer und Erholungssuchenden.

Bagger wären gefordert

Besonders bei hohem Seestand, und der fällt nicht selten mit Hochwässern zusammen, wird die Ablagerungstendenz in der Vorstreckung verstärkt. Im Rhein bildet sich ein Rückstau aus, die Sedimente werden früher abgelagert. Die noch vor kurzer Zeit angekündigte Aufweitung des Mittelgerinnes im Fußacher Durchstich wurde wegen der Unwägbarkeiten des Geschiebehaushalts „verschoben“. Zu befürchten ist, die Sohle könnte sich durch die Aufweitung und damit Schleppkraftverlust bis ins Gebiet von Lustenau erhöhen, letztlich müssten in diesem Bereich Bagger im Dauereinsatz stehen. Willkommen wäre eine Erhöhung der Sohle erst im Diepoldsauer Durchstich, weil dort die Kiesauflage mit weniger als einem Meter bereits kritisch dünn ist. Würde die schützende Sohlschicht mitgerissen, könnte es zu einer Unterspülung der Uferbefestigung und letztlich der Dämme kommen. Nicht umsonst hatten sich die Schweizer einst gegen die Trassierung des Durchstichs in den instabilen Torfböden gewehrt. Letztlich stimmten sie aber dem „Deal“ zu, wenn die Vorarlberger dafür die vehement geforderte Begradigung erst ab dem „Eselschwanz“ aufgeben und dafür den Durchstich nach Fußach „schlucken“ wollten.

See wird aufgefüllt

Nicht zu verhindern ist, dass der Rhein mit der Auffüllung des Bodensees weitermacht, der irgendwann in 10.000 bis 15.000 Jahren verschwunden sein wird. Vergessen wird in diesem Zusammenhang oft die Bregenzerache. Sie schüttet jährlich immerhin rund 250.000 Kubikmeter Feststoffe in den See und könnte damit in 4000 Jahren die Bregenzer Bucht allein auffüllen. Nach der weiteren Vorstreckung der Rheindämme, rechts sind noch 150, links noch 50 Meter Verlängerung geplant, betrachtet die Rheinbauleitung die Mündungsgestaltung als abgeschlossen. „Weiter kommt aber auch die Schweiz für die Folgekosten zur Hälfte auf“, bestätigt der eidgenössische Rheinbauleiter DI Daniel Dietsche. „Und zwanzig Prozent des Schweizer Anteils trägt wie bisher der Kanton St.Gallen.“ Bis 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann wird die Gestaltung der Mündung der Rhein in „Eigenregie“ übernehmen.

Trübes Wasser

Als gelungen und seit ­einigen Jahren deutlich wirksam bezeichnen die Rheinbauleiter die s-förmige Dammführung der Vorstreckung, damit das Material in tiefere Bereiche in der Längsachse des Bodensees geschwemmt wird. Dies konnte, wie die alle zwei Jahre erfolgenden Profilvermessungen zeigen, erreicht werden. Die Auflandung eines Sanddeltas vor der Rheinmündung wird dadurch aber nur ver­zögert. Weniger glücklich über weiter verschleppte Sedimente sind die deutschen Anrainer, die darüber klagen, dass trübes Wasser bis vor Langenargen vordringt und etwa Fischernetze mit Schwebstoffen beschlagen werden, so dass sie keine Fische mehr fangen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Rhein-Mündung eine "ewige Baustelle"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen