RhB-Zug in Graubünden entgleist: 140 Passagiere entgehen knapp Katastrophe

Schweres Zugunglück in Graubünden fordert fünf Schwerverletzte.
Schweres Zugunglück in Graubünden fordert fünf Schwerverletzte. ©EPA
Wer die Bilder sieht, denkt an das Schlimmste. Doch dieses Zugunglück in den Schweizer Alpen im Kanton Graubünden ging weit glimpflicher aus, als die Aufnahmen befürchten lassen. Wenn auch nur um Haaresbreite.
Erste Bilder: Rettungskräfte im Einsatz
Waggon stürzte beinahe in Schlucht

In diesem Zug fuhr ein Schutzengel mit. Darin waren sich geschockte Passagiere und erschöpfte Rettungskräfte nach Momenten voller Dramatik einig.

Die Zuggarnitur auf dem Landwasserviadukt, kurz bevor sie entgleiste. (APA/Webcam RhB)
Die Zuggarnitur auf dem Landwasserviadukt, kurz bevor sie entgleiste. (APA/Webcam RhB) ©Die Zuggarnitur auf dem Landwasserviadukt, kurz bevor sie entgleiste. (Kurt Caviezel/Webcam RhB)

Schweres Zugunglück fordert elf Verletzte

Ein paar Kilo Geröll mehr, ein paar Bäume am Steilhang weniger – und die Schweiz hätte am Mittwoch wohl ein weitaus schwereres Zugunglücke zu beklagen gehabt. Elf Verletzte, fünf davon schwer – das ist schlimm genug. Doch es gleicht einem Wunder, dass es nicht viel mehr und auch Tote gab.

140 Menschen sind an Bord (Zahl der Passagiere von der Polizei nach unten berichtigt; Anm.), als der Zug nach dem Ort Tiefencastel einen der vielen Tunnel der Bündner Alpen verlässt. Es ist eine der schönsten Schienenstrecken der Welt, vorbei an der Albulaschlucht nach St. Moritz.

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Der berühmte Bernina-Express mit seinen Panorama-Fenstern fährt hier entlang. Gern nehmen Touristen aus aller Welt auch einen der preiswerteren normalen Personenzüge der Rhätischen Bahn, einen wie diesen.

Erdrutsch verschüttet Gleise

Dann geschieht es: “Ein furchtbares Rumpeln und Schürfen”, schildert später ein Reisender. Ein Erdrutsch. Kurz bevor der Zug wieder einen der schmalen dunklen Tunnel erreicht, wird der erste Wagen hinter der Lokomotive aus den Schienen gedrückt. Gleich daneben ein Steilhang. Tief unten die Schinsschlucht mit dem nach langen Regenfällen reißenden Albula-Fluss.

Glücklicherweise fahren die leuchtend roten Züge der Rhätischen Bahn, die in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag feiert, wegen der vielen Kurven ohnehin nur recht langsam. Und glücklicherweise ist der Erdrutsch nicht so schwer wie jener, der im April 2010 im benachbarten Südtirol einen Regionalzug zwischen Mals und Meran von den Schienen riss. Neun Menschen wurden dabei getötet, 28 verletzt.

Waggon hängt über Abhang

Doch gefährlich ist auch dieser kleinere Erdrutsch in Graubünden. Drei Waggons werden aus dem Gleisbett gehebelt. Der erste wird – so berichtet später ein Fahrgast – um bis zu 20 Meter in Richtung Abhang geschoben. “Aber dann blieb er an den hohen Bäumen hängen.”

KaPo Graubünden
KaPo Graubünden ©KaPo Graubünden

Großaufgebot der Rettungskräfte

Für Notfälle in den Bergen ist das Alpenland Schweiz gut gerüstet. Schon bald sind Rettungshubschrauber und Feuerwehren zur Stelle. Alle Verletzten werden geborgen. Rettungskräfte und die Rega waren mit einem Großaufgebot von bis 100 Kräften im Einsatz, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda. Auch mindestens vier Rettungshelikopter etwa zwei Dutzend Rettungsfahrzeuge sowie Taucher seien im Einsatz. Das Zugpersonal – offenkundig gut geschult für den Katastrophenfall – sorgt dafür, dass sich die anderen Fahrgäste so geordnet es eben geht in den hinteren Teil des Zuges begeben, immer weiter weg von der Absturzstelle.

Anschließend wurden die Fahrgäste durch den hinteren der zwei Tunnels geführt, zwischen denen sich der Unfall ereignet hatte, und von Postautos nach Tiefencastel gefahren.

“Wir hatten verdammtes Glück im Unglück”

Schließlich erreichen sie den Tunnel und dahinter bald Busse, die sie nach Tiefencastel bringen. Manche sind verstört, immer noch fassungslos. “Glück im Unglück”, das sind die Worte dieses Tages. “Wir hatten verdammtes Glück im Unglück”, berichten Reisende ihren Freunden und Angehörigen am Handy.

Kein Verletzter in Lebensgefahr

Das gilt in gewisser Weise auch für die Verletzten. Keiner von ihnen schwebe in Lebensgefahr, meldet am Abend die Kantonspolizei. Die Strecke bei Tiefencastel werde mindestens für drei Tage gesperrt bleiben, teilt die Bahngesellschaft mit. Aber was macht das schon. Gemessen an dem jedenfalls, was hätte geschehen können. (dpa/red)

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