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Reisebüros wollen "Verschleuderung" der AUA verhindern

Österreichs Tourismus braucht seine eigene nationale Airline, betonte der Berufsverband für mittelständische Reiseunternehmen (ÖVT).

Das äußerte der ÖVT heute auf einer Pressekonfernz.

Die Austrian Airlines sollen nicht an die deutsche Lufthansa “verschleudert” werden, da Wien dann über kurz oder lang international nur noch über den Hub München erreichbar wäre, befürchtet ÖVT-Präsident Joseph Reitinger-Laska. Die Reisebüros verkaufen den Angaben zufolge rund 85 Prozent aller Flugtickets.

 Ihre Befürchtung: Die Lufthansa sieht Frankfurt und München als ihre Key Hubs, also wichtigsten Flughafen-Drehscheiben, und wird Wien nicht als Konkurrenz wachsen lassen, sagte der Präsident des kanadischen Reisebüroverbands (CTC), Bruce Bishins. Die AUA werde nach einer Lufthansa-Übernahme in einem ersten Schritt zur “Austrian Arrows” und längerfristig dann komplett verschwinden. Die CEE-Länder seien dann künftig möglicherweise nur noch über München erreichbar, nicht mehr über Wien. “Einmal verkauft, gibt es in zwei Jahren keinen österreichischen Carrier mehr – das wäre schrecklich für Österreich, das doch so stark vom Tourismus abhängt”, meinte Bishins.

Es bestehe kein Grund zur Eile: Der Reisebüro-Verband versteht nicht, warum die AUA jetzt so schnell verkauft werden soll. “Die AUA wäre durchaus sanierungswürdig, sie ist nicht der hoffnungslose Fall, als der sie oft dargestellt wird”, so Reitinger. Auch eine Stand-alone-Lösung mit einem guten strategischen Partner sei denkbar.

“Die AUA zu sanieren, ist ganz billig und ist ein ganz einfacher Job, sie muss privatisiert werden – der Staat muss dort umgehend raus”, empfahl ÖVT-Präsident Reitinger. Mit 24 hochrangigen Managern beschäftige die Airline beispielsweise viel zu viele sogenannte Vize-Präsidenten. Zum Vergleich: British Airways mit dem 15-fachen Umsatz habe nur 6 Manager auf dem gleichen Level.

“Die AUA wird verramscht aus einer Not heraus, die eigentlich nicht nötig ist”, ist auch Managing Director Peter Oncken von der deutschen Intro Aviation GmbH überzeugt, die auf Airline-Sanierungen spezialisiert ist – auf ihrer Referenzliste stehen Eurowings, ehemals Nürnberger Flugdienst, die Deutsche BA sowie LTU. “Wir haben hier eine gut funktionierende Airline, die ein Ertrags- und Kostenproblem hat, aber durchaus sanierungsfähig ist”, so der Luftfahrtexperte.

Die Stärken des Unternehmens – etwa ihre Kernkompetenz in Osteuropa und im Mittleren Osten – müssten viel besser herausgearbeitet werden. Die AUA müsse ihre Erträge steigern und sich im Geschäftsreisebereich intensiver positionieren. “In dieser Airline ist großes Potenzial da, einzusparen – sicherlich auch mit Personalkonsequenzen, aber nicht primär”, so Oncken.

Er attestierte dem Management dabei allerdings gewisse Beschränkungen: “Wie soll das bestehende Management eine Airline sanieren, wenn ihm die Politiker sagen, was es zu tun hat?” Die AUA müsse “aus dem politischen Zugriff herausgenommen” werden. Oder die politischen Parteien sollten sich durchringen, einen Verkauf auf Eis zu legen.

Reitinger hegt die Hoffnung, dass der Verkauf noch platzen könnte. Die Veräußerung an die deutsche Lufthansa gelte als abgekartetes Spiel, das die EU (unter französischer EU-Ratspräsidentschaft) nicht durchgehen lassen werde. Die französische Air France war eine der Mitbieterinnen für die AUA und hat bei der EU mittlerweile Einspruch gegen das Verkaufsprozedere und eine angebliche Bevorzugung der Lufthansa eingelegt.

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