Reif für die Insel: „Far Cry 6“ im Game-Test

Hochwertiger Genuss ohne viel Schnickschnack.
Hochwertiger Genuss ohne viel Schnickschnack. ©Ländle-Gamer
Im neuen Teil der Shooter-Serie dürfen wir wieder einen Diktator stürzen: Hollywood-Bösewicht Giancarlo Esposito.

(PC, PS4/5, XB1/XSX/S) Sich ein „Far Cry“ von Ubisoft zu holen ist wie Kässpätz:knöpfle im Bregenzerwald zu bestellen. Da kann man kaum etwas falsch machen, die Leute haben‘s ja praktisch erfunden. Sprich: Du kriegst genau das, was du erwartest, absolut hochwertigen Genuss ohne Experimente und zu viel Schnickschnack.

Shooter-Action

Im Fall von Ubisoft „Far Cry“ reden wir von spannender und unterhaltsamer Shooter-Action in einer sehenswerten offenen Welt. Diesmal geht‘s auf die Insel Yara und alles dreht sich um die Revolution.

Ubisoft hat einst mit dem ersten „Far Cry“ (2004) dank grafischer „Weitsicht“ offene Welten erst richtig erlebbar gemacht. Damals war die Spielwelt eine Insel. Mit dem sechsten Teil der Serie geht‘s diesbezüglich „back to the roots“: Wir sollen als Rebell:in ohne nachvollziehbare Motivation, aber dafür mit nervösem Abzugsfinger dem lokalen Despoten das Handwerk legen. In Sachen Gamedesign hakt Ubisoft dabei alle Vorgaben der eigenen, berüchtigten „Open-World-Formel“ ab:

  • Große und grafisch extrem schön inszenierte Welt
  • Vielfältiges aufrüstbares Waffenarsenal mit den aberwitzigsten Schießprügeln, die man sich vorstellen kann („Discos Locos“ verschießt beispielsweise tödliche CDs)
  • Griffiges Gunplay mit wuchtigen Waffen (jetzt auch mit mehreren Munitions-Arten!)
  • Gehirnamputierte Gegner, die sich gerne über den Haufen schießen lassen
  • Mehrere Fraktionen, deren Unterstützung gewonnen werden muss
  • Feindliche Forts zum Einnehmen – wahlweise zum Schleichen oder Stürmen
  • Hunderte über die Map verteilte Aktivitäten – leider wieder etwas zu viel des Guten
  • Tierische „Amigos“, die im Kampf unterstützen (Dackelwelpe Chorizo lenkt z.B. Gegner ab)
  • Ein charismatischer Oberboss, von dem man gerne mehr gesehen hätte (gespielt von Giancarlo Esposito aus „Breaking Bad“ & „The Mandalorian“)
  • Verstörend wechselhafte Tonalität zwischen explosivem Shooter-Gameplay, schrägem Humor und bitterernsten, brutalen Revolutionstragödien

Fazit

Wohl kaum einer der genannten Punkte wird Fans der Reihe überraschen –  und das spricht eine klare Sprache: Mit „Far Cry“ kann man rechnen. Man kriegt, was drauf steht. Das heißt aber auch, dass das Rad nicht neu erfunden wird. Trotzdem kommen einige wenige unschöne Nebenerscheinungen. So gibt‘s keine Charakterentwicklung im Rahmen eines Fähigkeitenbaums mehr – die Waffen definieren einzig die Wehrhaftigkeit unserer Spielfigur. Und obwohl die Vielfalt an fantasievollem Feuerwerkzeug freut, verpufft der praktische Nutzen. Denn: Man hat zu rasch ein durchschlagendes Arsenal zusammen und ist damit die/der Rebellen-Rambo. Sich an Gegner anzuschleichen ist dann nicht mehr notwendig, man ballert sich einfach durch. Weiteres Abgrasen der Welt nach neuem Equipment braucht‘s auch nicht mehr. So schießt sich das Game bei der Langzeitmotivation selbst ins Knie. Schade. Denn: „Far Cry 6“ ist großartig und bietet gut 30 Spielstunden lang beste Unterhaltung. Aber da wäre zweifellos noch mehr drin gewesen!

(VOL.AT)

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