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Reif für die Insel

Skurrile Gestalten in Runway 2.
Skurrile Gestalten in Runway 2. ©Waibel
Bereits der Vorgänger war für Adventure und Knobelfans eine Offenbarung. Mit „the Dream of the Turtle“ schickt sich Runaway 2 an, die grauen Zellen des Durchschnittsabenteurers zu quälen.  

Kaum ein Adventure war mit solchen Erwartungen gefordert wie das Sequel zum beliebten Runaway, das 2002 erschien und neue Maßstäbe setzte. Wer sich mit der Art von Games, in dem man zum Teil bockschwere Rätsel lösen muss, und den Bildschirm in Point and Click Manier Pixel um Pixel absuchen muss, nicht anfreunden kann, sollte um Runaway 2 einen Riesenbogen machen. Fans des Genres kommen jedoch voll auf ihre Kosten.

Das Prequel konnte mit den Tugenden einer mysteriösen Story, witzigen Figuren und Comic-Look aufwarten und servierte geniale Unterhaltung. Das Genre war wieder belebt. Doch die Uhren sind nicht stehengeblieben, mittlerweile gibt es einige gute Adventures am Markt. Kann sich Runaway 2 erneut absetzen?

Brian und Gina hat es diesmal auf eine einsame Insel verschlagen, die bei näherer Betrachtung eigentlich recht belebt ist. Die beiden verlaufen sich und verlieren sich aus den Augen. Dabei stößt Brian auf der Suche nach Gina auf eine Menge Militärs. Natürlich muss der Frage auf den Grund gegangen werden, was die Armee an einem solch abgeschiedenen Ort zu suchen hat. Aber noch allerhand andere abstruse Typen treiben sich auf dem Eiland herum. Da wären noch die sexy Lokelani aus der Strandbar, zwei braungebrannte Surfer in der Bucht, die kaum im Meer anzutreffen sind. Einer davon weiß etwas über die Wiederbelebung von Hühnern. Und dieser steinalte Pilot, der das Paar in seiner Nachkriegsmaschine auf die Insel geflogen hat, ist nach der Landung verschwunden.

Auf der Suche nach all diesen offenen Fragen entdeckt man während seiner Reise durch sechs Kapitel noch zahlreiche weitere, die Rätsel sind dabei nicht nur bockschwer, sondern selten aber doch auch unlogisch und unnötig versteckt. Damit sollten selbst die gut geölten Gehirnwindungen von Genreprofis ins Qualmen geraten. Vieles ist hart an der Schmerzgrenze und geht bisweilen darüber hinaus. Ein Adventure dieses Kalibers sollte nicht mit Logikfehlern und Ungereimtheiten aufwarten. Ein Problem sind auch gut versteckte Orte, die selbst für ausgefuchste Profis nicht leicht zu finden sind.

Mit den 20 NPCs kann man sich, und das zeichnet Runaway 2 aus, im Multiple Choice Verfahren sehr geistreich und witzig unterhalten und erfährt dabei viele interessante Dinge über die mysteriöse Insel und die Geschichte der NPCs. Genau genommen ist man gezwungen, sich zu unterhalten, will man auf der Suche nach der Wahrheit weiterkommen.

Technisch und künstlerisch ist Runaway 2 ein Meisterwerk. Die bunte Comic-Optik ist rundum gelungen, wurde sie doch auch gegenüber dem ersten Teil noch aufgewertet. Die Charaktere haben ihr bekanntes Gesicht behalten und werfen nun einen Schatten. Jedes Kapitel beginnt und endet mit einer Zwischensequenz in beeindruckender Qualität, die die des Vorgängers noch in den Schatten stellt. Akustisch stimmt eigentlich alles bei Runaway 2, was in erster Linie die Sprachausgabe widerspiegelt. Nicht nur optisch feiert man also ein Wiedersehen mit manch einem Charakter aus Teil 1, sondern auch in punkto Stimme: Brian und Gina haben exakt die deutschen Sprecher verpasst bekommen, die sie auch schon beim erste Teil hatten. Die Sprachausgabe passt sich der Umgebung an. So gibt es die typischen Urwaldgeräusche, im Tempel prägt mystisches Gemurmel das Bild. Auch die musikalische Vertonung ist auf einem hohen Niveau.

Fazit:

Runaway 2 ist für Freunde des knackigen Point and Click Adventures eine Offenbarung mit Frustmomenten: Künstlerisch und als Gesamtwerk unübertroffen, doch vielerortens unnötig schwer. Witzige Dialoge, stundenlanges Absuchen des Bildes nach einem versteckten Gegenstand, Geduld müssen Fans jedenfalls mitbringen. Die Abenteuergeschichte mit reichlich Mystery-Flair ist sehr unterhaltsam: Uralte Artefakte, zwielichtige Forschung und Militärgeheimnisse wecken die Neugier. Auch die seltsamen Typen, mit denen man sich über Gott und die Welt unterhalten kann – Seitenhiebe auf Filme, Spiele und Sex inklusive, tragen viel zur Atmosphäre bei. Runaway 2 krankt eigentlich nur einer Sache, die es von der Krone des Genreprimus trennt: Zugang. Anfängern und nicht sonderlich belastbaren Zockern sei dieses Game nicht angeraten. Tüftler mit viel Geduld kommen jedoch voll auf ihre Kosten.

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