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Rechtschreibrat: "Dem Volk aufs Maul schauen"

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat weitere Vorschläge für eine Vereinfachung der Schriftsprache vorgelegt. Eine Tendenz zu mehr Zusammenschreibung und keiner Abtrennung einzelner Silben.

In seiner letzten Sitzung vor der verbindlichen Einführung von Teilen der Rechtschreibreform in Schulen und Behörden am 1. August sei das Expertengremium weiter seiner Grundphilosophie gefolgt, nicht das Regelwerk, sondern den Sprachgebrauch in den Mittelpunkt zu rücken, sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair am Freitag in Mannheim. „Im Rat ist der Konsens da, dass man dem Volk aufs Maul schauen muss.“

In seiner fünften Sitzung schloss der Rechtschreibrat den Komplex der Getrennt- und Zusammenschreibung ab. Dabei seien vor allem genauere Definitionen erarbeitet worden, wann getrennt- und wann zusammengeschrieben werden soll, sagte der ehemalige bayerische Kultusminister. Es sei ein Unterschied, von einem viel versprechenden Kanzler oder von einem vielversprechenden Kanzler zu reden, erklärte der Vorsitzende. Neue Wortlisten wurden nicht präsentiert.

Bei der vergangenen Sitzung Anfang Juni hatten die Sprachexperten einen Durchbruch in der kontroversen Debatte um Änderungen der Rechtschreibreform erzielt. Der Rat verständigte sich darauf, dass sich die Schriftsprache künftig wieder mehr nach dem Sprachgebrauch der Menschen richten und damit auch wieder mehr zusammengeschrieben werden soll. Als Beispiele nannte der Rat eislaufen, fertigmachen, heiligsprechen und leidtun.

Der Rat habe sich am Freitag zudem mit dem Komplex der Silbentrennung befasst, sagte der Ex-Minister. Zwar seien keine Beschlüsse gefasst worden. Es gebe aber eine eindeutige Tendenz, dass keine einzelnen Vokale abgetrennt werden sollen. Verhindert werden solle bei der Trennung auch, dass es zu Sinnentstellungen kommt. Als Beispiel nannte Zehetmair das Wort Urinstinkt, das bei der Trennung Urin- / -stinkt nicht mehr den Sinn des Wortes wiedergebe.

Ein Beschluss soll bei der nächsten Sitzung am 28. Oktober fallen. Das darauf folgende Treffen am 25. November soll das letzte Treffen in diesem Jahr werden. Neben der Silbentrennung will sich der Rat dabei mit der Zeichensetzung befassen. Der Vorsitzende betonte, dass sich der Rat auch in der Folgezeit mit strittigen Fällen der Schriftsprache befassen werde. „Die Sprache ist ein lebendiger Organismus“, betonte der CSU-Politiker. „Der Rat klammert keine Themen aus. Es darf keine Tabus geben.“

www.rechtschreibkommission.com

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