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Raymond Domenech - Frankreichs "verrückter Professor"

©AP
Der kleine Mann mit dem ergrauten Kraushaar war schon immer ein bisschen anders.

Während seiner aktiven Fußball-Karriere als beinharter Verteidiger mit dem Beinamen “Le Boucher” (“Der Schlächter”) bekannt, machte der französische Teamchef Raymond Domenech als Trainer vor allem mit seiner Vorliebe für Astrologie auf sich aufmerksam.

Als Mitgrund für das Ende der Teamkarriere von Robert Pires galt 2004 dessen Sternzeichen – Skorpione sind Domenech suspekt.

Um die während der EURO 2008 in die Kritik der Medien geratene Equipe Tricolore aus der Schusslinie zu nehmen, ersann der französische Fußball-Professor eine eigenwillige Taktik – er reißt Witze, bis auch die letzte Kritik verstummt. Als seine Spieler nach der tristen Auftakt-Nullnummer gegen Rumänien behaupteten, dass die im Angriff schwächelnde Mannschaft “jederzeit treffen” könne, entgegnete Domenech: “Sie haben nur noch nicht herausgefunden, wann das sein wird.”

Vor allem Innenverteidiger William Gallas, der die auf einer gesicherten Defensive beruhende Taktik Domenechs infrage gestellt hatte, wurde von seinem Teamchef minutenlang aufs Korn genommen. “Auf seiner Pressekonferenz hat er ausgemachten Blödsinn erzählt”, sagte Domenech. Seine Anweisungen, erklärte der 56-jährige “Selectionneur”, sein eigenes Amüsement nur schlampig verbergend, seien nämlich eigentlich ganz einfach.

“Ich habe die Angewohnheit, meine Verteidigern zu sagen, dass es ihre erste Aufgabe ist, zu verteidigen”, führte Domenech aus. “Den Mittelfeldspielern sage ich, dass sie Bälle erobern und die Stürmer einsetzen sollen; und schließlich, den Stürmern, dass sie schnell nach vorne laufen und Tore schießen sollen. Das sind die dummen Anweisungen eines einfach gestrickten Trainers.”

Aber verärgert hätte ihn Gallas nicht, ganz im Gegenteil. “William hat die Gabe, mich immer zum Lachen zu bringen”, sagte Domenech. “Er sagt wahre Dinge, aber die sind schon zuvor gesagt worden. Das beweist, dass er zuhört.” Allerdings kann es für den Zuhörer oft sehr schwer sein, herauszufinden, was der Teamchef denn nun ernst meint und was nicht.

“Wenn auch ein Zuschauer das Abseits aufhebt, muss man es uns sagen. Wir müssen es nur wissen”, kommentierte Domenech etwa Ruud van Nistelrooys umstrittenes Tor im Gruppenspiel der Niederlande gegen Italien (3:0), als der hinter der Touroutlinie liegende Italien-Verteidiger Christian Panucci die Abseitsstellung des niederländischen Torjägers aufgehoben hatte.

Und wie er sich vor den entscheidenden Gruppenspielen gegen die Niederlande und Italien fühle? “Zu sagen, dass wir in diese Spiele mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen gehen und uns sagen, das Leben ist schön – das würde dann etwas zu weit gehen.” Sogar für Raymond Domenech.

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