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Rauslassen

Noch immer sitz ich im Dorf Eili am Ararat und denke nach, ob es denn stimme, dass Noah 500 Jahre alt geworden, wir aber heute nicht einmal die vom Herrn der Genesis verordneten 120 Jahre zusammenbringen. Wir tümpeln nach gut 2000 Jahren immer noch um die 70, 80 Jahre Lebenszeit herum, wackeln manchmal gen 90, wenn uns nicht vorher ein Tod eingelegt hat. Dabei scheinen wir, vom Standpunkt der Jüngeren aus gesehen, auch noch zu verblöden, vergesslich zu werden, blinder, tauber, unbeweglicher, steifer. Demenz, Inkontinenz komplizieren das alte Erleben und das Erleben des Alten überdies. Eben erfahre ich, dass die Welttageverwalter nicht nur einen ziemlich bescheuerten Muttertag und einen total bescheuerten Vatertag ausgerufen, sondern auch einen, man glaubt es kaum, Inkontinenztag: am 30. Juni. Ich kann ihn schon riechen. Gerade haben wir den Muttertag überstanden, der lieben Mama das Sonntagfrühstück gemacht und am Sonntagmorgen frisches Gebäck beim Automatenbäcker an der Hauptstrasse besorgt, was keine Kleinigkeit war, schließlich stand da eine Schlange von 14 tapferen Mamamä vor der Ladenbudel, sprich: am Budele. Eine halbe Stunde später sind es bereits über 20, die für ihre Mama frisches Brot besorgen, weil an Mamas schönstem Tag soll Mama backfrisch sein und nicht aufgetaut. Die ghörigen Männer bilden eine disziplinierte Einerreihe bis auf die Straße hinaus, was Frauen nie tun würden. Mann fügt sich ein. Nur eine Frau geht vor, wahrscheinlich eine Entmannte. Keiner regt sich auf, mann lässt sie gewähren, mann ist ja auch noch nicht ganz frisch am Morgen. „Zum Muttertag, zum Muttertag sag ich dir, dass ich dich mag.“ Das Einkind übt das Gedicht dazu. Die Muttertagstorte (von der Tankstelle) mit eingraviertem Mamasolieb & Marzipanrose, das Mamafrühstück, der Mamablumenstrauß mit dickem rotem Glitterherz (von der Tankstelle), die Mamazeichnung “Mama ist die Beste” und der Mamaausflug zum Flugplatz Hohenems macht so einen Tag richtig familitärisch. Begründet hat ihn eine Methodistin, nazionalisiert der Hitler. Ist das nicht Wiederbetätigung? Aber die sonst den Anfängen wehren (und auch diese Kolumne scharf beobachten), sind heute selber mit der Mama auf dem alternativen Radausflug. Alle noch nicht verstorbenen Gasthäuser sind überfüllt! Tut uns leid, erst wieder um halbzwei vielleicht. Bis am Abend hat Papa soviel angestaut, dass er gleich drei Hülsen kippt zur Sportschau. Dazwischen muss er mal. Damit sind wir mit Contenance zurück bei der Kontinenz. Auf den Muttertag folgt der Vatertag, dann der Inkontinenztag. Inkontinenz, les ich, bezeichne die Unfähigkeit, bzw. das Unvermögen etwas zurückzuhalten. Jetzt ist es heraus: Du sollst es nicht laufen lassen! Lässt du’s raus, bist du krank. So dachte ich auf dem Ararat am 12. Mai 2016 und lass es raus.

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