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"Rauch, du A....": Umgangston gegenüber Politiker in Vorarlberg wird rauer

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Bregenz - "Rauch, du A...", so wurde Grünen-Landesrat Johannes Rauch laut seinem Facebook-Posting Montagabend auf der Straße angesprochen. Wir sprachen mit Landespolitikern, ob der Ton gegenüber Politikern rauer wurde.

Als Politiker ist man laufend der Kritik der politischen Gegner und der Öffentlichkeit ausgesetzt. Dass diese nicht immer konstruktiv ist, kann Landesrat Johannes Rauch bestätigen, wie er über Facebook mitteilt.

“Rauch, du Arschloch, dir sollte man auch die Fresse polieren mit deiner Scheiß-Flüchtlingspolitik!”…Nette Ansprache hat man heutzutage auf dem Nachhauseweg…

Posted by Johannes Rauch on Montag, 19. Oktober 2015

“Mittelfinger feiert fröhliche Urstände”

Das der Ton rauer wird, kann auch Bernhard Amann bestätigen. “Der Mittelfinger feiert fröhliche Urstände”, berichtet der Hohenemser Vizebürgermeister. Seine Person habe zwar immer schon polarisiert, aggressives Verhalten nehme jedoch zu. “Dass der Umgangston rauer wird, ist schon klar”, vor allem Modernisierungsverlierer würden ihren Zorn oft freien Lauf lassen. So seien laute Szenen bei Wohnungsvergaben bereits beinahe Standard.

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Auch von Angriffen über die sozialen Medien und anonyme Anrufe könne er berichten. Davon dürfe man sich jedoch nicht abschrecken lassen. “Genau die, die links liegen bleiben, muss man unterstützen”, betont Amann – auch wenn diese nach seiner Erfahrung meist eher nach rechts tendieren. Man dürfe sich jedoch auch nicht alles gefallen lassen und müsse das Gespräch mit den Leuten suchen.

Linhart: Unwahrheiten gehen stärker unter die Haut

“Generell gibt es einen allgemeinen Trend zu einer Verrohung der Sprache”, bestätigt auch der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart. Die Obrigkeitshörigkeit nehme ab, die Politik wäre heutzutage auch näher am Bürger. Dies sei an sich zwar positiv, gerade als Politiker sei man jedoch auch öfter Zielscheibe als vielleicht andere Berufsgruppen. “Bis zu einem gewissen Grad muss man damit umgehen können”, betont Linhart.

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An direkte Beleidigungen kann sich der ÖVP-Politiker nicht bewusst erinnern. Persönliche Verunglimpfungen und verfälschte oder ihm in den Mund gelegte Aussagen würden ihm jedoch auch unter die Haut gehen. “Deswegen zweifle ich jedoch nicht an der Menschheit”, betont Linhart.

Politiker rund um die Uhr

“Sieben Tage die Woche kommen rund um die Uhr Leute auf dich zu, um über Politik zu reden”, kennt auch SPÖ-Klubobmann Michael Ritsch die Situation. Das sei zwar an sich gut, seine Frau habe sich aber erst daran gewöhnen müssen. Wenn diese Personen jedoch am Abend im angetrunkenen Zustand das Gespräch suchen, wiegelt Ritsch meist ab. Diese lade er dann lieber für den nächsten Tag auf einen Espresso in sein Büro ein. “Das versteht jeder”, erklärt der SPÖ-Politiker.

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Eine Anpöbelung in der Dimension von Rauchs Posting habe er noch nie erlebt. Dass der Ton rauer geworden sei, kann Ritsch ebenfalls nicht bestätigen. Dies könne jedoch auch am Thema liegen. “Das Asylthema spaltet vielleicht mehr als andere Themen”, vermutet er. Hier spiele auch die starre rechte Haltung vieler Vorarlberger eine Rolle.

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Auch der Klubobmann der Freiheitlichen Dieter Egger hat im direkten Kontakt bisher kaum negative Erfahrungen gemacht. Zwar sei die Bevölkerung kritischer geworden und sage ihre Meinung, was er ausdrücklich begrüßt. Dies müsse jedoch mit einem gewissen Respekt erfolgen. “Im direkten Gespräch ist diese zum allergrößten Teil sehr sehr sachlich und respektvoll”, erklärt Egger. Beschimpfungen und unsachliche Kritik erlebe er eher im indirekten Kontakt, beispielsweise in Foren oder sozialen Medien – aber laut eigener Aussage auch durch die politischen Mitbewerbern.

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