Raststättenprojektplanung Hörbranz bliebe nicht auf den brachliegenden Flächen

Bedrohte Flächenwidmung rund um das ehemalige Autobahnzollamt Hörbranz
Bedrohte Flächenwidmung rund um das ehemalige Autobahnzollamt Hörbranz

Am vergangenen Donnerstag wurde anläßlich einer Gemeindeausschußsitzung in Hörbranz der von der Betreibergesellschaft Raststation Hörbranz GmbH in Auftrag gegebene Umweltbericht durch den Ziviltechniker Josef Galehr (Verfasser) präsentiert.

Die einleitenden Worte dazu sprach Joachim Negele der Baufirma Rhomberg. Dass Hörbranz durch eine Autobahnraststätte (?) eine Wertsteigerung der gesamten Umgebung – ja sogar die Attraktivitätssteigerung in Hörbranz überhaupt – möglich sein soll, hat selbst den überzeugtesten Gemeindevertreter, der eine Nachnutzung unter allen und/oder vielen Umständen unterstützt, irritiert. Ortsfremde Personen erlauben sich ein Urteil über eine kleine Wohnsitzmarktgemeinde im Leiblachtal zu fällen, die zwar keine Tourismusgemeinde oder herausragend wichtiger Arbeitsplatzgeber ist, aber für viele Bewohner Heimat zw. Berg und See darstellt, über ein vielfältiges kulturelles, soziales, kirchliches und sportliches Gemeindeleben verfügt und ganz bestimmt nicht auf den Tanktourismus-Stau in dieser Ecke und ein heruntergekommenes verpinkeltes und vermülltes ehemaliges Zollamtsareal reduziert werden kann. Außer halt, man kommt nur spät abends nach Einbruch der Dunkelheit zu einem Termin ins Gemeindeamt. Da kann dann schon einmal sein, dass man die Schönheit unseres Dorfes nicht erkennt.

Dass die Stimmung nach dieser Einleitung bei den Hörbranzer/innen (es waren 5 Anrainersprecher zugelassen) nach wenigen Minuten getrübt war, versteht sich von selbst. Der Umweltbericht war es aber dann, der besonders erstaunte.
Die Spezialisten und Verantwortlichen der BH Bregenz können die Auswertungen der Betreiber derzeit nicht überprüfen. Es wurden eigene Messreihen in Auftrag gegeben. Obwohl die angestrebte Flächenumwidmung eine SUP zwingend machte, wundern sich Anrainer sehr, dass eine Öffentlichkeitsbeteiligung vom Start weg nicht vorgesehen ist. Nur 1 Veranstaltung war öffentlich, wobei zu betonen ist, dass das Hörbranzer Gemeindeamt nur die nächsten Anrainer um das bestehende Areal auch dazu schriftlich eingeladen hat.
Bei der Präsentation des Umweltberichts wurde übrigens keine einzige Meßzahl genannt.
Man räumt ein, dass Pflanzen und Tiere sich einen neuen Lebensraum suchen müssen. Das vorliegende Projekt Raststätte (und Großtankstelle) habe keine relevanten Auswirkungen auf die Leiblachtaler Umwelt. Im Gegenteil, die Luft, der Lärm und das Abwasser in die Leiblach würden sich verbessern.
Interessant war auch, dass die Differenzlärmkarte 2012 (= nächstes Jahr!) keine Zunahme von Lärm und anderer Belastung zeigt. Die prognostizierten Fahrzeugzahlen der Asfinag nach der Öffnung der zweiten Pfändertunnelröhre werden nicht berücksichtigt. Der Lärmschutz derzeit ist veraltet und nicht mehr gesetzeskonform. Dies bedeutet die Istdaten sind schlechter als sie sein könnten. Eine Veränderung dazu schaut auf den ersten Blick betrachtet gleich einmal harmloser aus, als sie vielleicht ist.
Nein, CO2 sei in der Relevanzmatrix des SUP-Protokolls nicht berücksichtigt. “CO2 müsse man global sehen.” Das Zu- und Abfahrtslabyrinth der vorliegenden Planung nimmt bewusst kilometerlange Leerfahrten in Kauf. Während man in Hörbranz motiviert mit dem Fahrrad durchs Dorf fährt, solle man beim Ab- und Auffahren auf die Autobahn nicht so genau hinschauen?
Der von den Anrainern am meisten kritisierte Punkt, dass das Raststättenprojekt nicht am Ort des bisherigen Autobahnzollamtgeländes verbleiben würde, konnte nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Auf den Wegfall von Freifläche zwischen Wohngebiet und Autobahn können sich die Hörbranzer nicht berufen, denn diese Fläche könne man sowieso nicht nützen. Da seien immer Büsche und Bepflanzung, da könne man auch heute “nicht laufen darauf”. Ob die Verantwortlichen der Raumplanungskommission beim Land Vorarlberg den Wegfall der grün eingezeichneten Freifläche (einer sinnvollen Widmung!) auch so “mir nix-dir nix” tolerieren und die Umwidmung zulassen würden, wird gespannt erwartet. Selbst bei Industrieanlagen nahe der A14 werden Pufferzonen ausgewiesen. “Sind Sie froh, dieser Amerikaweg, der ist eh so hässlich, diese alte Unterführung! Sie bekommen dafür einen sehr schönen Radweg direkt in (!) der Leiblach…” Beim Bau der A14 vor Jahrzehnten wurde ein ganzes Dorf in 2 Teile getrennt. Diese Unterführung Amerikaweg wurde für die Verbindung der Parzellen extra errichtet. Es ist nicht anzunehmen, dass 27 Hörbranzer Gemeindevertreter dem Verschenken des Amerikawegs ein 2tes Mal so leicht zustimmen werden können. Die vorliegende Planung weist zu viele Fragen auf. Ein alternatives Verkehrsleitsystem wurde von den Betreibern als schlimmerer Eingriff für das Natura 2000 Gebiet wegen einer Brücke abgetan. Gerade vor kurzem wurde im selben Natura 2000 Gebiet die Eisenbahnbrücke einige Meter weiter flußabwärts behutsam erneuert. Die von Hörbranzern in Auftrag gegebene Alternative bietet aber ungemein weitreichende Chancen: Die Tanktourismus-durchfahrenen Stadtgebiete Lindau Oberhochsteg und Lindau Zech könnten beträchtlich (Seestraße) entlastet werden.
Dieses Projekt eignet sich wohl wie kein anderes ideal für eine umweltverträglichere, raumsparendere, grenzüberschreitende Lösung, vorausgesetzt man bemüht sich endlich auch die Flächen mit einzubeziehen, die man bisher tunlichst zu umgehen scheint (alter Parkplatz, dt. Zollgebäude, verschimmeltes Speditionsgebäude).

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