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Rassismusverdachts bei Moulin Rouge

Kurz vor dem 113. Geburtstag des weltberühmten Varietes am 6. Oktober wird das Bild von Champagnerkelchen und Showgirls durch einen hässlichen Verdacht getrübt.

Der Pariser Vergnügungsclub soll Schwarze nur in der Küche und nicht als Kellner beschäftigt haben. Gegen die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation SOS Rassismus muss sich die Tanzbar am Freitag im Pariser Justizpalast verantworten.

Sind im Moulin Rouge also nur die falschen Wimpern und die Strumpfbänder der Tänzerinnen schwarz? Nein, sagt auch SOS Rassismus. Immerhin tritt in der neuen Show „Feerie“ auch eine Farbige im busenfreien Glitzerkostüm auf. Versteckter Rassismus ist es, den die Menschenrechtler anprangern. So soll das formell eigenständige Restaurant Kellner unter der Vorgabe angeworben haben: „Keine Schwarzen für den Service im Saal.“

Schwarze Haut im Cancan-Kleid, aber nicht unterm weißen Livre – um diesen Widerspruch aufzudecken, will SOS Rassismus den Richtern die Zeugnisse zweier Männer aus dem Senegal und von den Antillen präsentieren. Als sie sich beim Moulin Rouge als Kellner bewarben, wurden sie kurzerhand abgelehnt – angeblich wegen mangelnder Fremdsprachen-Kenntnisse.

Als Beweis dient auch der Bericht der „Mission Locale“ von Paris, einer Anlaufstelle für jugendliche Arbeitssuchende. Ein Mitarbeiter alarmierte SOS Rassismus, nachdem ihm eine Personalbeauftrage des Moulin Rouge mitgeteilt hatte, in der Küche seien Schwarze durchaus erwünscht – allerdings nur dort. Unsichtbar für die Augen der internationalen Gäste zieht sich durch das Variete den Menschenrechtlern zufolge eine klare ethnische Trennlinie: Am Herd stehen ausschließlich Afrikaner, den Kir Royal hingegen kredenzen nur Hellhäutige.

In Monsieur Henri kocht bei diesen Vorwürfen die Wut: „Ich habe mich niemals des Rassismus schuldig gemacht“, ruft er und sticht seinen Zeigefinger in die Luft, als wolle er alle Anschuldigungen zum Platzen bringen. Henri Poussimour leitet das Restaurant im Moulin Rouge. Als Beweis reicht er seine Mitarbeiterkartei herüber. Die handbeschriebenen Karten zeigen überwiegend Fotos von Menschen mit heller, vereinzelt auch mit dunkler Haut. „Ich habe zwei Farbige im Saal und zwei als Türsteher“, betont er. SOS Rassismus wirft ihm vor, dass er sie erst einstellte, nachdem die Affäre ruchbar wurde.

„Rassismus ist für uns kein Thema“, sagt auch Fanny Rabasse, Sprecherin des Moulin Rouge. Schließlich stammten die 300 Tänzer, Kellner und Köche des Varietes aus 40 Nationen. Allerdings gelten für die Kellner nach ihren Angaben besondere Regeln. „Ein gepflegtes Auftreten, perfektes Französisch und gutes Englisch sind unerlässlich“, betont sie. Die Vorwürfe sind für sie Schandfleck auf der weißen Weste der 1889 gegründeten Cancan-Bar, in der unter anderem Edith Piaf und Yves Montand auftraten und für die der Belle-Epoche-Maler Henri de Toulouse-Lautrec seine berühmten Poster entwarf.

Dass SOS Rassismus den Prozess gewinnt, ist nicht unwahrscheinlich. In den vergangenen Jahren ist die Organisation, die seit 1984 gegen alle Formen der Diskriminierung kämpft, mehrfach vor Gericht gezogen: Zu den Beklagten gehörten Nachtclubs und Campingplätze, zu denen schwarze und arabischstämmige Franzosen keinen Zugang erhielten. Auch IKEA wurde von den Menschenrechtlern beschuldigt, Schwarze systematisch nicht als Katalogverteiler einzusetzen.

„Frankreich hat ein Hass-Liebe-Verhältnis zu seinen Einwanderern“, bilanziert der Präsident von SOS Rassismus, Malek Boutih. Dass seine Vision einer toleranten Gesellschaft wahr werden könnte, darüber macht sich Boutih keine Illusionen: „Es ist sehr viel leichter, Franc und Mark abzuschaffen als etwa Deutsche und Franzosen.“

Homepage: Moulin Rouge
SOS Racisme

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