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Raphaela Vogel kommt im Kunsthaus Bregenz auf den Hund

Junge Berliner Künstlerin bringt mit "Bellend bin ich aufgewacht" hängende Löwen und Miniatur-Sehenswürdigkeiten ins KUB -
Junge Berliner Künstlerin bringt mit "Bellend bin ich aufgewacht" hängende Löwen und Miniatur-Sehenswürdigkeiten ins KUB - ©VOL.AT/Hartinger
Die junge Berlinerin Raphaela Vogel zeigt mit der Ausstellung "Bellend bin ich aufgewacht" im Kunsthaus Bregenz einen Querschnitt ihres Schaffens.

Man wolle mit der Schau eine andere Generation ansprechen, andere Bildrealitäten und Mindsets zeigen, so KUB-Direktor Thomas D. Trummer am Donnerstag bei der Presseführung. Die Schau unter dem Titel "Bellend bin ich aufgewacht" läuft bis 6. Jänner 2020.

Der Name der Ausstellung ist Programm: Raphaela Vogels Pudel "Rollo" begleitet nicht nur die Künstlerin, sondern auch den Besucher durch die Schau. "Er hat verschiedene Rollen. Er ist Begleiter und Gefährte, Ersatzfigur und Gegenüber. Er steht aber auch sinnbildlich für Bindung und bedingungslose Liebe", erklärt die 1988 geborene Künstlerin. Keine Freude hätte Rollo aber wohl im Erdgeschoß, wo "In festen Händen" (2016) mit zwei Bronze-Löwen zwei tonnenschwere Katzen von der Decke baumeln. In ihren Nasenringen tragen die Macht demonstrierenden Statuen kugelrunde Lautsprecher, aus denen im religiös anmutenden Singsang die zerbrechlich wirkende Stimme der Künstlerin dringt. Sie interpretiert den Milva-Song "Hurra, wir leben noch": "Wie stark ist der Mensch? Wie stark? Wie viel Ängste wie viel Druck kann er ertragen? Ist er überhaupt so stark wie er oft glaubt?" Das Werk steht programmatisch für das der Künstlerin, die gerne Zerbrechliches, Flüchtiges, Vergängliches gegen Druck, Statisches und Manifestes setzt. "Druck ist ein häufiges Motiv meiner Arbeit, buchstäblich und im übertragenen Sinn", erklärt Raphaela Vogel.

Ausstellung vereint Ängste

Die Künstlerin reflektiert in ihren Arbeiten häufig ihr eigenes Schaffen. So schuf sie über ihr Tun während zweier Jahre eine Soundkollektion, eine "albtraumhafte Rückschau", wie Vogel sagt. Ihre Ausstellung vereint all die Ängste, denen vor allem junge Menschen heute ausgesetzt sind: allgegenwärtige, oft freiwillig gewährte Überwachung, manchmal gar bis ins Bett; die Ohnmacht, unsichtbaren, allwissenden Netzwerken ausgesetzt zu sein und der Eindruck, in einer Welt des Umbruchs zu leben. Die alten Werte verwittern wie Raphaela Vogels Miniatur-Sehenswürdigkeiten: auf der London Bridge liegt ein abgerissener Fuß, das Riesenrad würde als Schmetterling verkleidet am liebsten selbst davonfliegen. Der Siegessäule wird der Sieg, dem Triumphbogen der Triumph durch ein Gestänge in einen laut Vogel "Atomium-ähnlichen Techniktempel" abgesogen. Vogel nutzt gerne Ausrangiertes aus der Unterhaltungs- und Vergnügungsindustrie.

Kunsthaus Bregenz

Arbeit eigens für das KUB

Dagegen setzt sie ein Video, in dem sie auf einen Film von Helke Sander anspielt. Während bei Sander eine wohnungslose Mutter einen Kran mit ihren Kindern beklettert, erklimmt die Künstlerin in ihrer Arbeit selbst das Gestänge. Wirbel und Verzerrungen zermahlen in dem Video die Perspektive, machen orientierungslos und den Absturz wahrscheinlich. Wie aus einem Albtraum erwacht sie vom Bellen eines Hundes. Die Arbeit entstand eigens für das KUB, inspiriert durch ein Gespräch mit KUB-Direktor Trummer. Auf die Netzwerke, in denen wir uns alle befinden, spielt auch eine überdimensionale, sich häutende Spinne an - sie ist durch ihre horizontale Form auch ein Symbol für besetzten Raum. In einem Video wirft eine über die Künstlerin fliegende Drohne ihren Schatten auf ihren Rücken. An der Wand hängen fetzenhafte Bilder aus Ziegen- und Elchleder, einige mit Hunde-Motiv. Ein Gewächshaustunnel-Gestänge bildet für Vogel einen "mobilen Bahnhof". In der Videoinstallation "Tränenmeer" setzt sie einen für Senioren vorgesehenen Duschsessel gegen verzerrtes Baby-Gejammer. Die Künstlerin steht selbst als Hauptfigur vermeintlich verloren auf einem Felsen, umtost vom Meer. Und am 24. November haben alle Pudel-Besitzer beim "Pudel-Tag" freien Eintritt im KUB, die Hunde dürfen mit in die Ausstellung. Dabei kann man dann auch "Rollo" persönlich kennenlernen.

(APA)

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