Rammstein, Adam Green & Co: Auf Tuchfühlung mit Stars

(VN) Rankweil -  Veranstalter Veronika Ess und Hannes Hagen plaudern aus dem Nähkästchen.

Die beiden sind längst alte Hasen im Musikgeschäft: Veronika Ess, seit 32 Jahren für den von ihrem Bruder Josef gegründeten Musikladen Concerts tätig, und Hannes Hagen, seines Zeichens Soundevent-Geschäftsführer und Obmann des Szene-Vereins, der jährlich das Lustenauer Openair veranstaltet. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie gemeinsam mehr als 10.000 Konzerte veranstaltet. Da gibt es doch bestimmt einige witzige Anekdoten zu erzählen. Oder zumindest welche, die man nicht so schnell vergisst.

Von Gekreische. . .

„Klar“, schmunzelt Ess und packt gleich mit der ersten Geschichte aus: „Den Hype um die Kelly Family werde ich mein Leben nicht vergessen“, lacht sie. Man schrieb das Jahr 1999, am 20. März sollte die neunköpfige Familie aus Irland in der Dornbirner Messehalle konzertieren. „Eine Woche vor dem Termin wurde ich informiert, dass bereits die ersten Fans vor der Halle campieren“, erinnert sich die Rankweilerin. Wenige Tage vor dem Konzert zelteten dann schon 600 Kelly-Fanatiker, die den bestmöglichen Platz ergattern wollten. Und man bemerke: Es war kalt und es lag Schnee. Kurzerhand wurde dann für die kreischenden Fans eine weitere Halle gemietet, sodass sie zumindest im Trockenen waren. Die kreischenden Fans sind ein Stichwort für Hannes Hagen: „Bei Tokyo Hotel war das ähnlich“, sagt er. „Ich musste um fünf Uhr morgens im Ö3-Wecker alle Eltern beruhigen“, erinnert er sich lachend. „Ganz Österreich hat damals auf Hohenems geschaut, weil niemand wusste, ob die Lage eskaliert.“ Während des Konzerts wollte der Veranstalter dann eine Lautstärkenmessung vornehmen. „Das war aber nicht möglich“, schmunzelt der Lustenauer. „Das Gekreische der Fans war zu laut. Es übertönte alles.“

. . . unbezahlbaren Gästen

In besonderer Erinnerung gelieben ist ihm auch Adam Green, der im vergangenen Jahr beim Openair gastierte. Spontan entschied sich der US-Songwriter, einen Tag vorher anzureisen. Er rief Hagen mit den Worten „Ich will Party machen, ich brauche Gummistiefel“ an. Der Wunsch wurde Herrn Green natürlich erfüllt. „Er mischte sich sofort unter das Publikum und hatte die größte Gaudi“, so Hagen. Anschließend ließ sich der Musiker via Taxi ins Krönele nach Lustenau kutschieren, wo er residierte, und entschloss kurzerhand, sich dort unter eine Hochzeitsgesellschaft zu mischen. „Er schnappte sich das Mikro und die Gitarre des Musikers und gab ‚Love Me Tender‘ zum Besten“, lacht er. Zuerst war der Gesellschaft die Prominenz des Gastes nicht bewusst. Bald wurden sie aber aufgeklärt. „Unbezahlbar“, resümiert der Lustenauer.

. . . und Bescheidenheit

Als bodenständig hat Hagen auch den kanadischen Rockstar Bryan Adams erlebt. „Während sein Team allerfeinsten Wein kredenzte, gab er sich im Panoramahaus mit lauwarmem Leitungswasser zufrieden.“ Ihrem Ruf als Fußballfanatiker werden die Toten Hosen immer wieder aufs Neue gerecht. „Wenn irgendwo ein Live-Spiel übertragen wird, müssen wir die Garderobe der Herren natürlich mit einer Leinwand ausstatten“, plaudert Ess aus dem Nähkästchen. Passivsport allein reicht den „Hosen“ aber bei Weitem nicht aus: „Unsere Mitarbeiter wurden schon das eine oder andere Mal zwangsbeglückt und ‚mussten‘ mit ihnen Fußball spielen.“ Auch Milow habe im Mai der sportliche Ehrgeiz gepackt: „Vor seinem Konzert im EventCenter hat er den ganzen Nachmittag draußen gekickt“, erzählt Hagen. Von einem Vorarlberger Feuerwehrmann wurde Nina Hagen eingekleidet: „Ihr hat die Aufmachung der Sicherheitsleute so gut gefallen, dass sie nach dem Auftritt nach seinem Mantel gefragt hat“, so Ess. „Wenig später habe ich sie sogar bei einem TV-Interview damit gesehen“, lacht sie.

Rammstein als „No Names“

Ein besonderes Highlight hat die Musikladen-Inhaberin im Jahr 1995 rund um die Herren von Rammstein erlebt: Die Schröders sollten in der Hohenemser Maximilianhalle auftreten. „Einen Tag zuvor rief mich das Management an und ließ wissen, dass sie eine Band mitbringen, für uns aber keine Zusatzkosten entstehen würden. Die Jungs bräuchten weder Unterkunft noch Essen. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es sich um Rammstein handelte.“ Ess fand die deutsche Metalcombo um Sänger und Frontmann Till Lindemann im kleinen Tourbus vor der Halle und wollte sie in die Räumlichkeiten einlassen. Das sei ihnen vom Management aber untersagt, antworteten sie. Die Veranstalterin hatte Mitleid und versorgte die Musiker, die ein halbes Jahr später das Zürcher Hallenstadion füllen sollten, mit den übrig gebliebenen belegten Brötle und einer Kiste Bier. In diesem Fall Prost. Auf viele weitere amüsante Geschichten.

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