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Raketentests: Nordkorea will verhandeln

Nordkorea will mit den USA über den angeblich bevorstehenden Test einer Langstreckenrakete verhandeln, die nach amerikanischen Militärangaben US-Gebiet erreichen könnte.

Der stellvertretende Leiter der nordkoreanischen UNO-Botschaft, Han Song Ryol, habe jedoch in einem Interview das Recht Nordkoreas auf Entwicklung und Erprobung von Raketen bekräftigt, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch. Der US-Botschafter in Japan sagte, der Rahmen für Verhandlungen seien die Sechs-Parteien-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm.

Washington habe sich besorgt zu den Raketentests geäußert, sagte Han Yonhap zufolge. „Unsere Position ist: Einverstanden, dann lasst uns darüber reden.“ Zugleich bekräftigte er das „unveräußerliche Recht“ seines Landes auf Raketentests. Südkorea drohte Pjöngjang mit dem Stopp seiner Nahrungsmittelhilfen, sollte Nordkorea die Langstreckenrakete Taepondong-2 (Daepondong-2) testen. Die USA betonten, in dem Konflikt seien „alle Optionen auf dem Tisch“.

„Als souveräner Staat hat Nordkorea nicht nur das Recht, Raketen zu entwickeln, aufzustellen und zu testen, sondern sie auch zu exportieren“, sagte Han. Pjöngjang sei sich der amerikanischen Befürchtungen bewusst. Die Frage könne durch Gespräche gelöst werden. Han betonte, der geplante Raketentest stelle keine Verletzung des entsprechenden Moratoriums von 1999 dar. Die USA hatten Pjöngjang damals im Gegenzug Sanktionserleichterungen gewährt. Die nordkoreanischen Staatsmedien priesen erneut den Test einer Rakete vom Typ Taepondong 1.

Der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zufolge sprechen sich auch hochrangige Vertreter in Washington für direkte Gespräche zwischen den USA und Nordkorea aus. Die Regierung in Pjöngjang greift oft auf ihre Staatsmedien zurück, um politischen Präferenzen durchblicken zu lassen.

Der US-Botschafter in Japan, Thomas Schieffer, betonte, die USA behielten „alle Optionen auf dem Tisch“. Auf die Frage nach direkten Gesprächen der USA mit Nordkorea sagte Schieffer vor Journalisten in Tokio: „Sie haben die Möglichkeit, das bei den Sechs-Parteien-Gesprächen zu machen. Sie müssen nicht erst eine böse Politik betreiben, um mit den USA zu reden.“

Schieffer schloss nicht aus, dass die USA bei einem Abschuss eine nordkoreanische Rakete abfangen würden. „Die USA haben nun Möglichkeiten, die sie zuvor nicht hatten, und die Optionen liegen nun auf dem Tisch“, sagte Schieffer. Gleichzeitig schloss der US-Diplomat aber auch nicht aus, dass Nordkorea einen bevorstehenden Abschuss nur vortäuschen könnte, um dadurch seine Position für Verhandlungen zu stärken. „Könnten sie bluffen? Ich vermute, sie könnten.“ Es sei aber ein recht gefährliches Spiel, das die Regierung in Pjöngjang treibe, fügte er hinzu.

Der ehemalige südkoreanische Präsident Kim Dae Jung verschob angesichts der Spekulationen über den angeblich bevorstehenden Test einer Langstreckenrakete seine geplante Reise in das Nachbarland. Derzeit sei nicht der „richtige Zeitpunkt“ für einen solchen Besuch, sagte Ex-Wiedervereinigungsminister Jeong Se Hyun. Kim Dae Jung sollte auf der viertägigen Reise auch zu Gesprächen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il zusammentreffen. Er war das letzte Mal im Jahr 2000 in das stalinistische Land gereist und hatte damit eine Phase der Annäherung der verfeindeten Staaten eingeläutet.

Südkorea könne seine Reislieferungen an das verarmte Nachbarland vermindern oder komplett aussetzen, drohte das Wiedervereinigungsministerium in Seoul. Es gebe aber noch keine detaillierten Überlegungen dazu. Im vergangenen Jahr hatte Seoul rund 350.000 Tonnen Düngemittel und 500.000 Tonnen Reis an Nordkorea geliefert, dessen Bevölkerung unter einer andauernden Ernährungskrise leidet. Für dieses Jahr hatte Pjöngjang ebenfalls 500.000 Tonnen Reis und 200.000 Tonnen Dünger angefordert; 150.000 Tonnen Dünger hat es bereits erhalten.

Nach Angaben der USA, Südkorea und Japan weisen Satellitenbilder darauf hin, dass Nordkorea den Abschuss einer Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 vorbereiten könnte. Die USA und Japan haben Nordkorea für diesen Fall mit ernsten Konsequenzen bis hin zur Einschaltung des Sicherheitsrates gedroht. Washington hat deshalb nach Berichten der „Washington Times“ ihre neue landgestützte Raketenabwehr aktiviert. Die Taepondong-2-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 6700 Kilometern könnte Alaska oder Hawaii und damit US-Gebiet erreichen.

Das japanische Außenministerium teilte mit, Tokio und Seoul hätten ihre Zusammenarbeit in der neuen Krise vereinbart. Ein Raketentest würde die regionale Sicherheit bedrohen. Zugleich rief Regierungssprecher Shinzo Abe zu einer diplomatischen Lösung des Problems auf. Die internationale Gemeinschaft müsse Nordkorea davon überzeugen, auf den Raketentest zu verzichten.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte Nordkorea unterdessen zur engeren Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen im Bemühen um eine Lösung des Atomstreits auf. Dass Nordkorea die Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm abgebrochen hatte, bezeichnete Annan bei der UNO-Abrüstungskonferenz in Genf als „besonders enttäuschend“. Die Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm stecken seit November 2003 in einer Sackgasse. Pjöngjang hatte im vergangenen Jahr verkündet, es sei im Besitz von Atomwaffen.

Die Berichte über einen möglichen Abschuss der Taepodong-2 hatten in den vergangenen Tagen viele Regierungen in der Region besorgt. Bereits 1998 schockierte das weitgehend abgeschottete Nordkorea die Weltöffentlichkeit, als es eine Rakete über Japan in den Pazifik feuerte. 2003 trat Nordkorea zudem aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Im vergangenen Jahr erklärte das Land dann erstmals, im Besitz von Atomwaffen zu sein.

Die Sechs-Parteien-Gespräche über das Atomwaffenprogramm des kommunistischen Staates liegen seit November auf Eis. An der Runde sind neben Nord- und Südkorea auch China, Japan, Russland und die USA beteiligt. Nach Ansicht von Experten verfügt Nordkorea derzeit nicht über die Technologie, Nuklearwaffen per Rakete abzuschießen.

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