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Raketenstreit: USA gehen auf Russland zu

Washington - Im Streit um den Aufbau einer Raketenabwehr in Osteuropa sind die USA auf Russland zugegangen. Der russische Präsident Putin übte erneut scharfe Kritik.

„Ich glaube, dass es außerordentlich sinnvoll wäre, amerikanische und russische Technologie zu kombinieren“, sagte der Beauftragte der Bush-Administration für Raketenabwehr, Henry Obering, dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte dafür, Russland in das Projekt mit einzubeziehen. Der russische Präsident Wladimir Putin hingegen übte erneut scharfe Kritik.

„Wenn wir uns mit Russland zusammentäten und gemeinsame Abwehrsysteme aufstellten, die im Grunde diese Waffen unbrauchbar machen würden, wäre das ein perfektes Zielkonzept“, sagte Obering. Er wies den Einwand zurück, die USA seien auf das Raketen-Abwehrsystem nicht angewiesen, weil sie über eine ausreichende atomare Abschreckungsfähigkeit verfügten. „Im 21. Jahrhundert muss man mit Organisationen und Staaten rechnen, die nicht abschreckbar sind“, sagte Obering.

Merkel sagte dem Magazin, sie sei für eine Kooperation beider Staaten. „Man könnte zum Beispiel versuchen, bestimmt technische Komponenten gemeinsam zu machen, man könnte Tests sehr transparent durchführen, Daten austauschen“, sagte die CDU-Politikerin.

Putin hingegen kritisierte, es solle „ein Schutzwall geschaffen werden gegen etwas, das gar nicht existiert“. Durch Amerikas Vorgehen werde „die Möglichkeit zur Entfesselung eines nuklearen Konflikts sogar größer“, warnte Putin. Die strategische Balance in der Welt werde gestört, Moskau werde „gezwungen zu reagieren“.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow hat für den Fall der Stationierung eines US-Raketenschilds in Osteuropa Konsequenzen angekündigt. Wenn strategische US-Abwehranlagen in Europa nahe der russischen Grenzen aufgebaut würden, „sind wir verpflichtet, (…) potenzielle Bedrohungen durch diese Stationierung auszuschalten“, sagte Lawrow am Sonntag dem staatlichen Fernsehsender Westi-24.

Als Alternative schlug er laut russischer Nachrichtenagentur Interfax einen gemeinsamen Raketenschild der NATO-Staaten und Russlands vor. Da eine „Verteidigung gegen nicht-existierende Bedrohungen keinen Sinn“ ergebe, solle der NATO-Russland-Rat ein gemeinsames Raketenabwehr-Konzept entwickeln.

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